Mal konkret: Tipps zu Örjan Fahlströms "Ellington!"

  • 28.06.2016
  • Tipps & Praxis
  • Renold Quade

Musik in Worte zu fassen ist definitiv immer eine Krücke. Es gelegentlich nicht zu wagen aber auch eine Unterlassung. Der Mensch ist neugierig und, soweit den Dingen offen, auch mal an Meinungen, Stimmungsbildern oder Erfahrungen anderer interessiert. Über Musik zu philosophieren ist herrlich streitbar und hat in der Regel immer Aussicht auf Reaktion. Heute auf dem Notenpult: "Ellington!" – Musik von Duke Ellington im Arrangement von Örjan Fahlström.

Edward Kennedy "Duke" Ellington: Für mich einer der auffälligsten Vertreter des frühen Jazz und zudem von Anbeginn an maßgeblich daran beteiligt, das Genre weiterzuentwickeln. Ihm in wenigen Worten gerecht zu werden selbstverständlich auch unmöglich. Ein paar Infos zu seinem Leben aber nicht unnütz, um ihn, seine Musik und vielleicht auch das, was im von mir angesprochenen Arrangement für Blasorchester eigentlich zum Ausdruck kommen kann, besser einordnen zu können.

E.K. "Duke" Ellington

Er wurde 1899 in Washington, D.C. geboren und wuchs in einer kleinbürgerlichen Familie auf, die aber großen Wert darauf legte, großbürgerliche Ideale oder gar Wohlstand anzustreben. Seine wohl offensichtliche Fähigkeit zu feinem Benehmen und seine eher vornehme Ausstrahlung brachten ihm demzufolge schon in seiner Jugend den Beinamen "Duke" (Herzog) ein.

Früh versuchte seine Mutter, ihn für das Klavierspiel zu begeistern, was dem Vernehmen nach aber scheiterte. Erst mit wohl 14 Jahren inspirierte ihn ein Pianist namens Harvey Brooks so sehr, dass er dessen Spiel nachspürte. Eine stringente musikalische Ausbildung, so wie man sie sich heute vorstellt, hatte er nie genossen. Er galt eher als Autodidakt und fähig, die Dinge seiner Umwelt aufzunehmen, umzusetzen und weiterzuentwickeln. Ausgehend von Ragtime und Stride-Piano eröffnete seine Art, Klavier zu spielen, den Pianisten seiner Zeit neue Perspektiven.

Man hörte ihn in Tanzsälen und Jazzclubs. Aus dem berühmten New Yorker Cotton Club wurde er zum Beispiel mit seiner "Jungle Band" häufig im Radio übertragen. Er experimentierte Zeit seines Lebens mit Klängen. Sei es mithilfe von Harmonien oder Tonalitäten, oder aber auch mit Ideen, traditionellen Instrumenten besondere Farben und Stimmungen zu entlocken, durch ungewöhnliche Spieltechniken oder mit Hilfsmitteln, wie zum Beispiel bei den Trompeten durch Wah-Wah-Dämpfer.

Er nannte seine Musik lieber "American Music" und gefiel sich in der Rolle, etwas anders zu sein als der Mainstream. Er liebte es, Grenzen auszuloten und gelegentlich kurz zu überschreiten. Weit über 2000 Songs sollen aus seiner Feder stammen. Die bekanntesten sind Standards im Repertoire der Jazzer: "It Don’t Mean a Thing (If It Ain’t Got That Swing)", "Sophisticated Lady", "Mood Indigo", "Solitude", "In a Mellow Tone", "Satin Doll".

Seine durchaus vieldiskutierten großen Orchestersuiten der späten Jahre mythologisieren ihn und seine Musik und stellten zudem auch (bewusst oder unbewusst) afroamerikanische Erfahrungen in gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge. Er erhielt 1966 die Goldmedaille des amerikanischen Präsidenten (Johnson), 1969 die "Medal of Freedom" (Präsident Nixon), 13 Grammy Awards, den Pulitzer-Preis und 1986 wurde gar eine Sonderbriefmarke mit seinem Kopf darauf ausgegeben. Da war er schon zwölf Jahre tot. Er starb 1974 in New York City im Alter von 75 Jahren. Sein Grab ist in der Bronx und wohl mehr als 12 000 Menschen sollen ihn auf seinem letzten Weg begleitet haben.

Der Arrangeur: Örjan Fahlström

Der Schwede Örjan Fahlström, Jahrgang 1953, begann seine musikalische Ausbildung als klassischer Schlagzeuger und studierte klassische Komposition. Ende der 70er Jahre begann er mit dem Aufbau seiner "Fahlström International Big Band", in der zum Beispiel Musiker wie Benny Bailey, Palle Mikkel, Erik van Lier und Nils Landgren mitwirkten.

Er selber tat sich als Perkussionist oder als Solist am Vibrafon hervor. Radio-, Fernseh-, Studio- oder Theaterproduktionen prägten sein Berufsleben. Er war Mitglied der Swedish Radio Jazz Group, Gastdirigent der nationalen und später auch internationalen Bigband-Szene (unter anderem 2008 Chefdirigent der hr-Bigband) und nutzte zunehmend seine Erfahrungen zum Komponieren und Arrangieren. 2005 wurde er unter anderem zum Professor für Jazzkomposition und Arrangement am Royal College of Music in Stockholm berufen.

Die Idee zu "Ellington!"

Es muss Fahlström gereizt haben, mit der Vielstimmigkeit und Farbigkeit eines großen Konzertblasorchesters besonders der Tiefe in Ellingtons Musik nachzuspüren. Er schrieb kein "gefälliges, tanzbares Hit-Medley". Vielmehr schuf er eine Art konzertanter Suite, die selbstverständlich an den richtigen Stellen "bigbändige" Freude verbreitet, aber zudem auch viel vom dichten Klangverständnis Ellingtons in sinfonischer Art und Weise auslebt.

In der angehängten PDF-Datei finden Sie praktische Hinweise zum Stück (nicht nur) für Dirigenten.

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