Leuchtturm-Projekt: Ein Campus für die Militärmusik

Notwendig war er schon längst, der Neubau der Orchesterakademie des Ausbildungsmusikkorps. Der alte, optisch zwar ansprechende Bau war in die Jahre gekommen und wies deutliche Mängel auf. Im Jahr 2015 erfolgte die Grundsteinlegung, jetzt, drei Jahre später, wurde das neue Vorzeigeobjekt in der Hildener Waldkaserne feierlich eröffnet.

Das Herz der Militärmusik

18 Millionen Euro hat die Bundeswehr in dieses Leuchtturm-Projekt investiert. Jetzt endlich kehrt das Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr von seinem 2009 bezogenen Ausweichquartier in der Bergischen Kaserne in Düsseldorf nach Hilden zurück. Architekt Jochen König hat in einer Kaserne einen modernen Hochschul-Campus mit 140 Unterkünften, 68 Übungs- und 34 Unterrichtsräumen entworfen.

In der Mitte hat er einen architektonischen Hingucker platziert. Der kubusförmige Flachbau mit metallisch glänzender Außenhaut beherbergt zwei Probensäle mit einem Tonstudio. Oberstleutnant Michael Euler, als Leiter des Ausbildungsmusikkorps der Hausherr, kann seinen Stolz nicht verhehlen. Er führt höchstpersönlich durch die neuen heiligen Hallen.

Herr Euler, was bedeutet dieser neue Gebäudekomplex für das Ausbildungsmusikkorps und auch für Sie persönlich?

Wir sind wahnsinnig glücklich, dass es jetzt, nach zehn Jahren, endlich geklappt hat! Es ist unglaublich schön, diese gelungene Infrastruktur, die speziell auf Bläser ausgerichtet ist, in Besitz zu nehmen. Wir freuen uns darauf, hier zu arbeiten und zu leben. Das Ambiente in der Waldkaserne – mitten im Grünen – ist einfach schön.

Das Gebäude ist zudem einerseits optisch sehr gelungen und andererseits eben auch äußerst funktional. Wir haben 68 Einzelübräume für 140 Bläser. Das heißt, es teilen sich zwei Musiker einen Einzelübraum. Die eine Hälfte dieser Räume ist für Blechbläser hoch gedämpft und die andere für Holzbläser normal gedämpft. Man kann mit einem Vorhang die Akustik regulieren, man hat einen Spiegel, damit man seinen Ansatz kontrollieren kann.

Dazu kommen noch 20 Unterrichtsräume für Bläser, acht Unterrichtsräume für Schlagzeuger, ein großer Probenraum mit guter Akustik, ein Kammermusiksaal, ein Tonstudio, Gruppenunterrichts- und Gehörbildungsräume.

Es war für mich in den letzten Jahren einfach unglaublich spannend, weil ich das begleiten durfte und ich konnte relativ viel Einfluss nehmen. Es ist ein Gebäude, das so noch nie gebaut worden ist und vermutlich so schnell nicht noch einmal geben wird... Es ist ein richtiger Campus entstanden, sozusagen eine eigene Musikhochschule der Bundeswehr. Wir haben optimale Bedingungen. Man kann hier Tag und Nacht üben, weil die Übräume nicht im selben Komplex sind wie die Unterkünfte.

Und das gilt ja nicht nur für die Militärmusik.

Genau. Wir wollen auch den zivilen Orchestern grundsätzlich die Möglichkeit geben, das Ausbildungsmusikkorps für Probenwochen oder -wochenenden zu nutzen. Wir hatten bereits das sinfonische Blasorchester der Musikschule Hilden zu Besuch. Die Musiker waren hellauf begeistert.

Vor kurzem haben außerdem Teilnehmer der Bw-Musix ein Probenwochenende in Hilden gewonnen, bei denen auch Dozenten aus unseren Reihen zur Verfügung stehen.

Ist dieser neue Campus auch ein Signal »nach draußen«?

Das neue Gebäude muss und es wird Werbung nach außen sein. Es wird das Herz des Militärmusikdienstes. Hier werden Workshops und Weiterbildungen stattfinden, Seminare und Tagungen. Wir sind die zentrale Ausbildungsstätte der Militärmusik und bilden für alle 13 militärmusikalischen Einrichtungen aus – zehn Musikkorps in der Fläche sowie das Stabsmusikkorps, die Big Band und das Musikkorps der Bundeswehr.

Wir bieten einen tollen Beruf als Musiker bei einer enorm hohen Berufssoldatenquote – und trotzdem haben wir auch Nachwuchsmangel. Der Job ist vielseitig und vielfältig. Neben dem klassischen Studium bekommt ein Trompeter beispielsweise noch Jazztrompetenunterricht.

Die Schlagzeuger etwa haben sogar vier Lehrer: klassisches Schlagzeug, Drumset, Percussion und noch Taiko-Trommeln. Deshalb noch einmal: Das neue Gebäude ist Werbung nach außen. Militärmusiker ist ein Beruf mit Zukunft!

  • 19.09.2018
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2018
  • Seite 37-39

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