Lesbar: Unsere Buch-Tipps für den Sommer

Sie sind noch auf der Suche nach einer passenden Urlaubslektüre? Unterhaltsam und zugleich informativ sind Jens Bergers "111 Gründe, klassische Musik zu lieben". Achim Hofer geht der Entstehungsgeschichte von "Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre für Harmoniemusik op. 24" auf den Grund. Am Beispiel der Stuttgarter Musikschule können Sie sich über den "Bildungsauftrag von Musikschulen" informieren und das Musikinformationszentrum (MIZ) bündelt auf 620 Seiten einen Überblick über das "Musikleben in Deutschland". 

Jens Berger: 111 Gründe, klassische Musik zu lieben

Schwarzkopf & Schwarzkopf / ISBN 978-3-86265-765-0

»Klassische Musik: Das ist doch diese versteifte, elitäre Nische, die immer kleiner wird. Das hören alte Leute zur Entspannung.« So beginnt der Autor Jens Berger sein höchst unterhaltsames Buch. 

Um natürlich gleich hinterherzuschieben, dass das natürlich keineswegs stimmt. Denn wenn Berger seine 111 Gründe vorträgt, darf man sich sicher sein, dass er gegebenenfalls auch 555 Gründe gefunden hätte.

Gleich zu Anfang der Gründesammlung behauptet der Autor, dass wir ja »viel mehr von klassischer Musik verstehen, als wir denken«. Und verweist auf das leckere Essen, über das ja auch jeder plaudern könne, der kein Koch sei. Und man muss gar nicht ins Sinfoniekonzert gehen. Allein in Werbung, Fahrstuhl und Kino kann man sich ihr nicht entziehen.

Der Autor erzählt Mario Lanzas Lebensgeschichte, von Händels Mut, Christus auf die Bühne zu bringen, und von »klasse Typen«, die uns für »uncoole« alte Instrumente begeistern. 

Auch ein richtig guter Grund: »Weil man mit Mozart klüger wird – oder das zumindest glaubt.« (hä)

Achim Hofer: Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre für Harmoniemusik op. 24

Studio Verlag / ISBN 978-3-89564-178-7

Als der 15-jährige Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy 1824 in Doberan weilte, zeitigte dies ungeahnte Folgen. Dass er dort eine Doberaner Blasmusik komponiert habe, wird in dieser Studie eindrucksvoll als Mythos widerlegt. Die Studie beschreibt die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der Ouvertüre op. 24.

Die Ouvertüre geht zurück auf ein Andante und Allegro für Bläser. Dazu angeregt wurde der Komponist in Bad Doberan, wo er nahezu täglich die großherzogliche »Harmonie« hörte. Mendelssohn hat sein Bläserstück zwei Jahre später für das dortige Bläserensemble geschrieben. 

Direkt nach der Fertigstellung im Juni 1826 nahm seine Schwester Fanny die Noten mit nach Doberan. Damit begann eine spannende Geschichte um dieses frühe Bläserwerk Mendelssohns. Eine zeitgleiche Veröffentlichung mit der Ouvertüre op. 24 scheiterte 1839 daran, dass der Komponist die Noten nicht mehr finden konnte. 

Heute haben sich die Fassungen als Bestandteil anspruchsvoller Blasmusikrepertoires etabliert. (stv)

Friedbert Holz: Der Bildungsauftrag von Musikschulen

Wißner / ISBN 978-3-95786-115-3

Der Verband deutscher Musikschulen bekennt sich in seinem Grundsatzprogramm zu einem humanistischen Welt- und Menschenbild. Was genau verbindet den Bildungsauftrag der 930 öffentlichen Musikschulen in Deutschland mit Bildungsideen, die an der Wende zum 19. Jahrhundert entstanden?

Diese Untersuchung versteht sich als Beitrag zur Bildungsdiskussion um die Institution Musikschule. Untersucht werden die Wirkungen humanistischer Bildungstheorien auf die Musikschulentwicklung im 19. Jahrhundert und in der Gegenwart. 

Am Beispiel der Stuttgarter Musikschule wird gezeigt, wie sich das Verständnis von musikalischer Bildung in der Musikschulpraxis gewandelt hat – von den Anfängen der institutionalisierten Musikerziehung bis hin zum Selbstverständnis der Musikschule als inklusive Bildungseinrichtung. 

Die Stuttgarter Musikschule ist heute in der Breiten-, Spitzen- und Sonderförderung erfolgreich. Somit stehen die Voraussetzungen im Fokus, unter denen Musikschulen einen historisch gewachsenen Bildungsauftrag erfüllen können. (eka)

Deutscher Musikrat (Hrsg.): Musikleben in Deutschland

MIZ / ISBN 978-3-98220705-0-6

Anlässlich seines 20-jährigen Jubiläums hat das Musikinformationszentrum (MIZ) ein  neues Kompendium herausgegeben: »Musikleben in Deutschland«. Auf 620 Seiten bündelt das Werk Zahlen und Fakten zur Musikkultur Deutschlands. 

In 22 Beiträgen beschreiben Autoren aus Wissenschaft, Kulturpolitik und Musikpraxis die gegenwärtigen Strukturen und Entwicklungen des Musiklebens. Das Werk will damit eine umfassende Bestandsaufnahme des Musiklandes Deutschland liefern. 

Von »Musik in der allgemeinbildenden Schule« und »Musikvermittlung« über das »Amateurmusizieren«, »Orchester, Rundfunkensembles und Opernchöre« bis hin zu »Jazz« und »Musikinstrumentensammlungen« findet man allerhand Daten und Fakten. Wirklich spannend sind Kapitel, die sich etwa mit den Tendenzen des Musikgeschmacks auseinandersetzen. 

Die Publikation zeigt vor allem, dass viele Themen zusammenhängen. Und dass die Musikszene nicht nur über ein reiches kulturelles Erbe verfügt, sondern auch überaus lebendig agiert. (hä)

  • 19.07.2019
  • Rezensionen
  • Ausgabe: 7-8/2019
  • Seite 59

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