Lajos Dudas hat das letzte Wort

Die clarino.print-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten. In dieser Ausgabe von »Sie haben das letzte Wort« fragen wir Lajos Dudas.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gewünscht haben, einen »ordentlichen Beruf« gewählt zu haben?
Der Beruf war hoch angesehen, als ich anfing. Damals gab es zwei Möglichkeiten, legal aus Ungarn auszureisen: als Künstler oder als Sportler. Allerdings: Wenn ich jetzt die Gattin des Klempnermeisters mit ihrem Jaguar vorbeihuschen sehe, kommen mir schon gewisse Zweifel...

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich über einen Schüler geärgert haben?
Ich unterrichte nur noch sporadisch. So macht es sogar richtig Spaß. Früher habe ich mich oft geärgert, war aufbrausend. Heute ärgere ich mich noch immer, sehe die Sache aber gelassener.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich über die Interpretation eines Ihrer Werke so richtig gefreut haben?
Einige Beispiele: »Recital für Klarinette« bei »Jugend musiziert« ? 2. Preis im Landeswettbewerb; »Valse pour Sax« im Neuen Schloss Meersburg ? klasse Aufführung; »Masterpiece for Recorder«, ein schwieriges Blockflötenkonzert ? großartig gemeistert in der Kölner Petruskirche. Ich bin wirklich zufrieden.

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?
Es würgt schon manchmal, wenn ein großer Künstler, der uns ein Leben lang begleitet hat, für immer abtreten muss. Für das tägliche Weinen gibt es immer einen Grund, etwa beim Hören heutiger, amateurhafter Filmmusik: computergesteuerter Brei ohne Aussage, Dynamik, Pause. Ohne Melodie, unpassend, lieblos...

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?
Ich bin sozusagen im Dauerurlaub und dazwischen bin ich ein wenig aktiv, so zur Erholung. Zuletzt war ich mit meiner Frau in Alassio an der Riviera.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?
Damit kann ich nicht dienen, dafür fehlt mir die Risikobereitschaft. Und bei Rot über die Straße zu gehen ? nicht besonders prickelnd.

Wann war das letzte Mal, dass Sie stolz auf sich waren?
Neulich habe ich einen Schuhschrank von Ikea zusammengeschraubt. Da war ich stolz!

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihre Auszeichnungen angeschaut haben?
Manche schaue ich zwar hin und wieder an, aber es bringt leider nichts außer ein paar Seufzer. Ich habe annähernd 500 Artikel, Porträts, Kritiken, Analysen weltweit über mich in meinem Archiv. So ein Rückblick ist immer mit Emotionen und Wehmut verbunden.

Wann war das letzte Mal, dass Sie jemanden überzeugen mussten, dass die Klarinette das allerwichtigste Instrument ist?
Einmal hat mich ein Klubchef mit der Bemerkung »Wir stehen nicht auf Klarinette« richtig sprachlos gemacht. Klarinette ist das vielseitigste, wendigste, eleganteste Instrument. Es hat einen Nachteil: Es ist schwer zu beherrschen. Kaum zu glauben, dass die Klarinette in den 30er-/40er-Jahren die absolute Nummer 1 unter den Jazzinstrumenten war. Heute ist es im modernen Jazz das Instrument für Kenner.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gedacht haben: »Früher war alles besser«?
Es gab mal eine Untersuchung über die Gagenentwicklung für Jazzmusiker in den letzten 25 Jahren. Es wurde festgestellt, dass die Gagen in diesem Zeitraum um die Hälfte abgestürzt sind ? wenn überhaupt noch eine Gage gezahlt wird. Und den hässlichen Satz »Bei uns wurde der Kulturetat gekürzt« habe ich früher auch nicht gehört...

Wann war das letzte Mal, dass Sie Saxofon gespielt haben?
Meine Brötchen habe ich in den »Goldenen 60er-Jahren« mit dem Saxofon verdient. Heute gibt es unzählige Spieler, das Saxofon wurde zum Mode-Instrument. Ich habe kein besonderes Interesse mehr daran, außer dass ich Vortragsstücke für das Instrument schreibe. Hier stellt sich die Frage, wohin mit den vielen Saxofonisten? Wer auf Jazz und Saxofon als Existenzgrundlage setzt, sollte gleich den Taxi-Führerschein erwerben...

Wann war das letzte Mal, dass Sie an den Ruhestand gedacht haben?
Daran denke ich noch nicht. An so was denkt man schließlich erst, wenn man alt wird...

Der Klarinettist Lajos Dudas

zählt zu den herausragenden Jazz-Klarinettisten in Europa, weiß das Lexikon Wikipedia. Im Februar feierte der in Budapest geborene Musiker seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Grund ist kürzlich der 2-CD-Sampler »50 years with jazzclarinet ? The Best of Lajos Dudas« erschienen. Diese CD kann als eine Art Essenz des Dudas?schen Lebenswerkes als Komponist und Interpret gelten. Live wird Dudas demnächst am 30. März (Neuss), 4. April (Freiburg), 12. April (Budapest), 15. April (Wien), 28. April (Hamburg) und 8. Juli (Lüneburg) zu hören sein.

Infos: www.allaboutjazz.com/lajosdudas

 

  • 19.04.2011
  • Das letzte Wort

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