Lajos Dudas hat das letzte Wort

  • 16.12.2013
  • Das letzte Wort

Die clarino-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal ­andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?

Nun, ich lebe in einer Urlaubsregion mit Vor- und Nachteilen. Man hat ja alles vor der Haustür und keine allzu große Lust, wegzufahren. Wenn ich beruflich unterwegs bin – wie zuletzt in Wien oder in Düsseldorf – werden öfter mal ein paar Tage drangehängt. So »richtig« Urlaub ist das natürlich nicht!  

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Wenn sich ein alter Weggefährte oder jemand, der uns wie ein Familienmitglied ein Leben lang begleitet – Michael Jackson oder Frank Sinatra –,  für immer verabschiedet, wird man schon ergriffen. Da habe ich einen Kloß im Hals. Mich kann aber auch ein Stan-Getz-Solo  zu Tränen rühren.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in Budapest waren?

Im Juni habe ich ein Konzert in Budapest gegeben und gleich mit einem Familien­besuch verbunden, also Kurzurlaub.  Im Oktober hatte ich eine offizielle Einladung zur Wiedereröffnung der Franz-Liszt-Musik­akademie, meiner Ausbildungsstätte. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Daran kann ich mich nicht mehr erinnern, oder doch...?

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, lieber die Trompete statt der Klarinette gewählt zu haben?

Als ich gehört habe, dass die Trompete billiger sei. Aber ernsthaft, Trompete? Nie! Höre gern, wenn der Till spielt! Ich habe ­sogar das »ach so sexy Saxofon« abgelegt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich ein Klarinettenkonzert angehört haben?

Das Artie-Shaw-Konzert, großartig von meinem Klarinettenschüler mit Orchesterbegleitung in Meersburg interpretiert.

Wann war das letzte Mal, dass Sie wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein? 

Eine aufregende Zeit waren die »Swinging Twenties«, verrückt, überdreht. Oder die 60er/70er Jahre mit Elvis, Miles, Duke, Coltrane, die ich hautnah miterlebt habe. Wer kann heute noch sagen: »Ich trat mit Miles Davis, Weather Report und Dizzy im gleichen Festivalprogramm auf?« Also: Ich vermisse nichts. Heute sieht zwar vieles sehr busy aus, es passiert aber nicht viel. Zumindest musikalisch nicht. Also, frei nach Beckett: Warten auf Miles... 

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Musik-Kollegen beneidet haben?

Warum sollte ich? Geht es hier um Erfolg oder um die Kohle? Zugegeben, manche verdienen unverschämt viel! Ich  versuche mich damit zu beruhigen, dass er zur rich­tige Zeit am richtigen Ort war. Kann nicht für jeden gelten, also keine Panik.

Wann war das letzte Mal, dass Sie an ­Johann Sebastian Bach gedacht haben?

Er gehört zu den Jungs, mit denen ich mich ständig beschäftige. Wie auch mit Gershwin, Richard Rogers, Horace Silver, Miles, Franz Lehár...  Komponisten, deren Stücke regelmäßig in meinem Repertoire erscheinen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie die Vorzüge von Bodensee und Balaton miteinander vergleichen mussten?

Ich habe schon lange nicht mehr im Plattensee gebadet! Wird im Sommer sehr warm, Wassertemperatur über 28 Grad! Da kannst du stundenlang im See planschen! Ich stehe hier eine Viertelstunde knietief im kalten Bodensee-Wasser, bevor ich endlich eintauche. Martin Walser, der hier wohnt, geht schon bei 18 Grad schwimmen. Und mein Gitarrist Philipp van Endert springt bei 16 Grad in den See! Allerdings dann auch extrem schnell wieder raus... Die harten Typen halt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einer Blaskapelle mitgespielt haben?

Es ist schon lange her. Zirkuskapelle, Kurkapelle, Kirchenkonzerte, Vertretung im Opernorchester... Alles mitgemacht in jungen Jahren, sozusagen learning by doing. Und das ist besonders wertvoll!

Wann war das letzte Mal, dass Sie über einen Musiker-Witz gelacht haben?

»...und ich will 500 Euro pro Musiker«, sagt der Bandleader. »Geht doch klar«, antwortet der Clubchef, »und ich möchte auch ­Catering, die Reisekosten und drei Tage Hotel für euch übernehmen!«

Wann war das letzte Mal, dass Sie gedacht haben: »Oh, jetzt habe ich aber zu viel geredet.«

Als ich meine Antworten gelesen habe...

Wann war das letzte Mal, dass Sie gedacht haben: »Typisch deutsch!«

...als ich Ihre Fragen gelesen habe.

Lajos Dudas, Jahrgang 1941, erhielt seine Ausbildung  von 1958 bis 1963 am Béla-Bartók-Konservatorium und an der Franz-Liszt-Musikhochschule in Budapest. Anfang der 1970er Jahre wählte er seinen Wohnsitz im linksrheinischen Neuss, wo er neben seiner Tätigkeit als konzertierender Künstler bis 2004 auch als Pädagoge wirkte. Dudas präsentierte sich nicht nur als Jazz- oder Popmusiker, sondern gleichermaßen als Solist mit Werken wie Carl Maria von Webers Klarinetten-Quintett, Strawinskys Solostücke für Klarinette oder Alexander Glasunows Konzert für Altsaxofon. Seit vielen Jahren arbeitet er mit dem Gitarristen Philipp van Endert zusammen. Dudas hat im Laufe seiner Karriere mehr als 50 Singles, LPs und CDs eingespielt, an zahlreichen Radio- und TV-Produktionen mitgewirkt, mit bekannten Jazzmusikern wie Tom van der Geld, Karl Berger, Albert Mangelsdorff, Gerd Dudek, Vitold Rek, Tommy Vig und Howard Johnson gearbeitet. Seine aktuelle CD präsentiert das Lajos Dudas Quartet »Live at Salzburger Jazzherbst« (Jazzsick Records).

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