Klaus Doldinger hat das letzte Wort

  • 29.05.2015
  • Das letzte Wort

Die CLARINO-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, einen »ordentlichen Beruf« gelernt zu haben?

Noch nie! Musiker ist ja ein ordentlicher Beruf! Ich habe zwar damals sogar eine Ausbildung zum Tonmeister absolviert, doch da ich immer schon Musik gemacht habe und Bands hatte, war mir der künstlerische Beruf immer am nächsten – und mein Lebensziel. Eine bewusste Entscheidung war das eigentlich nie. Ich habe mich treiben lassen. Ich hatte dabei aber auch immer das Glück, eine verständnisvolle Ehefrau zu haben, mit der ich seit 1960 glücklich verheiratet bin.

Wann war das letzte Mal, dass Sie nicht »en route« waren, sondern »so richtig« Urlaub gemacht haben?

Urlaub in dieser Art kenne ich eigentlich nicht. In bin jedes Jahr zwei bis drei Wochen in Frankreich. Aber auch da spiele ich immer ein bisschen und versuche, musikalische Einfälle festzuhalten. Selbst in den Skiurlaub, den ich jahrelang gemacht habe, habe ich das Saxofon mitgenommen. Unser bevorzugtes Hotel in St. Moritz hat mir sogar einen Raum dafür zur Verfügung gestellt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie jemanden um ein Autogramm gebeten haben?

Ich habe Widmungen von Künstlern. Autogramme habe ich meiner Frau überlassen. Wenn ich aber darüber nachdenke: 1953 könnte das gewesen sein – Sidney Bechet. Die persönliche Begegnung und mich zu unterhalten mit verehrten Musikgrößen war mir immer viel wert: Frank Zappa gekannt zu haben, mit Dizzy Gillespie gespielt zu haben.

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Tatort gesehen haben?

Ich habe gestern Abend mal kurz reingeschaut. Ich bin aber momentan nicht so auf Krimi-Wellenlänge. Das Weltgeschehen ist so schrecklich, dass ich das Gefühl habe, mir mein Privatleben mit Krimis nicht noch spannender machen zu müssen. Momentan laufen ohnehin zu viele Krimis. Aber für die Komponisten ist es leichter, einen Krimi zu vertonen – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihr Bundesverdienstkreuz angesteckt haben?

Ich gebe zu, dass ich lieber den Bayerischen Verdienstorden anstecke. Der ist unscheinbarer. Im Moment trage ich eine kleine Plakette, die den Grimme-Preis repräsentiert – den ich für wichtiger halte. Denn ein künstlerisch fundierter Preis bedeutet mir noch mehr.

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit Udo Lindenberg gesprochen haben?

Wir telefonieren immer mal, sind in gutem Kontakt. Wir haben ja immerhin drei Jahre zusammen gespielt – im Quartett, bei Motherhood und bei Passport. Im vergangenen Jahr habe ich ihn nach Düsseldorf eingeladen, wo wir zusammen gespielt haben.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gegoogelt haben?

Ich guck ab und zu mal. Ich wundere mich auch, wie viele YouTube-Videos es gibt – dabei habe ich gerade 0 Cent verdient...

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihren Enkeln erklären mussten, was Sie eigentlich beruflich machen?

Das muss ich nicht erklären – die wissen das. Selbst der Jüngste mit viereinhalb singt und tanzt gerne – und wird vielleicht einmal in meine Fußstapfen treten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Orchester mitgespielt haben?

Im Januar erst. Wir haben mit der Band und einem Orchester das »Symphonic Project« gespielt. Es ist eine große Freude, mit einem solchen Klangkörper auf der Bühne zu sitzen und Dinge auch physisch zu überlegen, die sich sonst nicht erschließen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie so richtig sauer waren?

Jeder hat mal mit Unwegsamkeiten zu kämpfen. Ich hatte Steuerberater, die mich auf Abwege gebracht haben, die auch entsprechende Verwicklungen nach sich zogen. Da muss man sich mit Institutionen herumplagen, mit denen man nichts zu tun haben will. Ich habe das alles abarbeiten können und unterm Strich hat es immer was gebracht. Das habe ich gelernt: Es gibt keinen Gewinn ohne Verlust. Man muss in den sauren Apfel beißen können. Ich rate Nachwuchskünstlern, sich die Leute, mit denen man zusammenarbeitet, genau anzuschauen. Seid sehr vorsichtig mit Investitionen in Dinge, die man nicht selber im Griff hat!

Wann war das letzte Mal, dass Sie gegen oder für etwas demonstriert haben?

Ich zweifle an vielen Dingen, die heute so vertreten werden. Wir leben in einem Land der Religionsfreiheit und dass der Islam unser Abendland bedroht, halte ich für eine absurde Vorstellung. Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich sagten: »Ich gehe in Rente!«

Ich bin ja schon längst in Rente! Gesundheitsbedingt kann das natürlich passieren, aber den aktiven Gedanken, mich zur Ruhe zu setzen, habe ich nicht.

Man sollte meinen, dass ein Mann, der schon vor 19 Jahren einen ECHO für sein Lebenswerk bekam, vielleicht doch irgendwann die Hände in den Schoß legt und seine Lorbeeren genießt. Nicht so Klaus Doldinger, der immer noch vor Kreativität sprüht, stets neue Wege und Ausdrucksformen sucht und mit seinem Album »En Route« (Warner) nun sein 34. PASSPORT-Album vorlegt. Nach einer 62 Jahre währenden Bühnenkarriere, zahllosen Filmmusiken (die berühmtesten: »Das Boot«, »Die Unendliche Geschichte« und die »Tatort«-Melodie), 33 PASS­PORT-Alben und fast ebensovielen Vorgänger-Alben und musikalischen Seitensprüngen sowie einer großen Sammlung höchstdotierter Preise, zu denen auch drei ECHO und das Bundesverdienstkreuz gehören, hat sich Klaus Doldinger bis heute seine visionäre Kraft bewahrt.

www.klaus-doldinger.de

« zurück