Karl Seglem hat das letzte Wort

  • 12.05.2016
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel

Die CLARINO-Serie "Sie haben das letzte Wort" ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus "normalen" Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten…

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich wünschten, einen "ordentlichen" Beruf gewählt zu haben?

Diesen Wunsch hatte ich noch nie, seit ich meinen Job als Arbeiter in einer Aluminium-Fabrik geschmissen habe. Das war ein Tag, bevor mein Vertrag in ein langfristiges Beschäftigungsverhältnis umgewandelt werden sollte. Ich habe gekniffen und fing an, freischaffend Saxofon zu spielen. Da war ich 18.

Wann war das letzte Mal, dass Ihnen die unterschiedlichen Mentalitäten von Deutschen und Norwegern deutlich wurden?

Gestern, als ich eine Künstlerwohnung in Berlin angemietet habe. Ich werde dort im September arbeiten. Mein Mantra ist: "Norwegen ist keine Kulturnation." Deutschland schon.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich scheuten, eine musikalische Grenze zu überschreiten?

Musik hat keine Grenzen, nur unsere Gedanken. Wenn ich spiele, dann folge – und vertraue – ich der Musik mehr als meinen Gedanken.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Ich bin vergangenen Mittwoch 95 Stundenkilometer gefahren, als nur 80 erlaubt waren.

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Nacht durchgefeiert haben?

Das ist allzulange her. Das dürfte im Jahr 2002 gewesen sein. Mehr sag ich aber nicht. Aber ich verspreche, ich arbeite dran. Die "jazzahead" könnte eine Möglichkeit sein. (lacht)

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit jemandem diskutiert haben, ob Ziegen- und Antilopenhörner ("Goat Horns") ernstzunehmende Musikinstrumente sind?

(lacht) Nahezu jede Woche? Ich habe mich vergangenen Montag mit einem Dirigenten getroffen. Er war sehr skeptisch, aber auch sehr neugierig. Ich denke, ich habe ihn überzeugen können, Arrangeure zu bekommen, die meine Musik für ein paar größere Orchester präsentieren. "Goat Horn Symphony"? Dream on!

Wann war das letzte Mal, dass Sie an Edvard Grieg gedacht haben?

Das war, als ich letzte Woche in meinem Komponistenhaus in Årdalstangen/Sogn war. Grieg kam an diesem Ort viele Male vorbei – in den späten 80er Jahren des 19. Jahrhunderts –, wenn er auf dem Weg nach Jotunheimen war.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich selbst gegoogelt haben?

Das ist drei Tage her. Ich war auf der Suche nach einem YouTube-Link.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich über den Preis eines deutschen Bieres gefreut haben?

Ahhhhhh – tatsächlich genau in diesem Moment, in dieser Sekunde...

Wann war das letzte Mal, dass Sie im Norsk Folkemuseum auf der Insel Bygdøy bei Oslo gewesen sind?

Ich denke, das ist nun drei Jahre her. Jedes Jahr versammeln die dort an einem speziellen Tag einen Haufen Bläser, die auf alten Instrumenten spielen. Da hört man dann Klänge beispielsweise der Lure oder dem Bukkehorn. Und da hab ich mal teilgenommen. Ein großer Spaß!

Wann war das letzte Mal, dass Sie auf einem a-ha-Konzert waren?

Da war ich noch nie!

Wann war das letzte Mal, dass Sie Frühstück im Bett hatten?

Das dürfte so um die drei Wochen her sein – während des Urlaubs in den Bergen. Aber Kaffee trink ich auch sonst oft noch im Bett.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht hätten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein?

Ab und zu kommt es mir zutiefst so vor, als wäre ich in einer anderen Zeit/Epoche geboren. Und ich stelle fest: Es ist 2016.

Über Karl Seglem

Die Ideen gehen Karl Seglem offenbar nie aus. Der Komponist, Saxofonist und Hornspieler gilt als einer der größten Innovatoren und Visionäre Norwegens. 33 Alben hat er mittlerweile veröffentlicht, die jüngsten sind "Worldjazz" und "Lærad" (Label: NORCD). Seglems besonderes Kennzeichen ist die Verbindung von zeitgenössischem Jazz, norwegischer Vokalmusik und Folklore. Neben "klassischen" Instrumenten setzt der 55-Jährige diverse Ziegen- und Antilopenhörner ("Goat Horns") ein. Karl Seglem lebt in Oslo, wo er seit 1991 das Label NORCD leitet. Er ist oft in Deutschland unterwegs.

www.karlseglem.no

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