Joo Kraus hat das letzte Wort

Die Clarino-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal ­andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich kneifen mussten, als Sie den »ECHO Jazz« in Ihrem Regal stehen sahen?

Das musste ich noch gar nicht: Ich musste mich eher ab und an daran erinnern, dass ich ihn bekommen habe, weil das leider in den Alltagsturbulenzen ein wenig unterging… Meine kleinen Kinder hat der ECHO relativ wenig beeindruckt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Das ist noch nicht lange her: Ich bin ein ­relativ sensibler Mensch und habe irgendwann mal gelernt, dass es schadet, diese Emotion zu unterdrücken, so wie es bei uns üblich ist. Weinen erleichtert und reinigt. Nur raus damit!

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?

Vergangenen Sommer habe ich zwei Wochen Familienurlaub gemacht, unter anderem an der Ostsee. Und es war der erste Familienurlaub, der richtig entspannt war! 

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Ich bin in der U-Bahn schwarzgefahren, ich hatte kein Kleingeld dabei… 

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich geärgert haben, dass nicht Sie der Nachfolger von Till Brönner bei X-Factor sind, sondern H.P. Baxxter von Scooter?

Dann müsste ich neben Sarah Connor sitzen? Das ärgert mich gar nicht! Allerdings wäre ich der kompetentere Nachfolger gewesen im Gegensatz zu Scooter, garantiert!

Wann war das letzte Mal, dass Sie auf dem/im Ulmer Münster waren?

Das war wohl vor etwa drei Jahren mit meinen Kindern: Gute Idee, das mach ich dieses Jahr noch, nehme Papier mit und lass Papierschwalben von oben runterfliegen, wie als Kind mit meinem Vater.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein?

Hab ich mir noch nie gewünscht. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Musikerkollegen beneidet haben?

Meinen Kollegen Ralf Schmid beneidete ich darum, dass er ein Album mit Ivan Lins machen durfte! Allerdings durfte ich dann ein Solo auf diesem Album spielen. Manchesmal beneide ich Musikerkollegen darum, dass sie sich mehr in ihre Musik vertiefen können über Tage, was bei mir familien­bedingt gerade nicht so möglich ist. Allerdings fühle ich mich mit den tollen Musikern, mit denen ich zu tun habe, oft sehr beneidenswert.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich selbst gegoogelt haben?

Ich google nicht, sondern nutze die grüne Suchmaschine Ecosia… und mich selber habe ich schon lang nicht mehr gesucht. Aber auch das: eine gute Idee, mal wieder zu tun.

Wann war das letzte Mal, dass Sie bei ­einem Live-Fußballspiel waren?

Das war wohl 1999, als der SSV Ulm von der zweiten in die erste Liga aufgestiegen ist… oder wars grade anders rum? Ich geh ab und zu zum Basketball, was meist um ­einiges spannender ist.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Blasorchester mitgespielt haben?

Das letzte Mal habe ich mit dem Polizei­musikkorps Baden-Württemberg als Solist gespielt, vor zwei Jahren.  Im selben Jahr war ein Jubiläumskonzert der »Ulmer Knabenmusik«, das Jugendorchester, in dem ich mein Trompetenhandwerk gelernt habe. Da gab es eine Besetzung der Ehemaligen, und da habe ich natürlich mitgespielt!

Wann war das letzte Mal, dass Sie jemand um die Tab-Two-Reunion angebettelt hat?

Vor einer Woche.

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Schreibblockade hatten?

1998

Wann war das letzte Mal, dass Ihnen jemand nahegelegt hat, Sie hätten besser »was Vernünftiges« gelernt?

Diese Frage hab ich mir ab und an gestellt, jemand anderes hat mir das noch nicht nahe­gelegt. Leute, nehmt Vernunft an, MACHT MUSIK!

Joo Kraus ist aus der deutschen Musikgeschichte der vergangenen beiden Jahrzehnte nicht wegzudenken. Mit seinen beiden zuletzt aufgenommenen Alben war der Eintritt in die Jazz-Charts des gebürtigen Ulmers obligatorisch. Einen exzellenten Namen konnte sich der Musiker mit dem JazzAward-prämierten Hip-Jazz-Projekt »Tab Two« machen. Ausgestattet mit einer virtuellen Band, war das Duo in den 90ern auf nahezu allen Festivals im In- und Ausland zu hören. Die Fanbase dieses Duos war bis dato in Europa, Amerika und Asien überaus beachtlich. Ohne »Tab Two« würde dem Acid-Jazz, aber auch dem späteren Hip-Hop und Drum ’n’ Bass eine gewaltige Dimension fehlen. Im Jahr 2012 wurde Joo Kraus beim »ECHO Jazz« als Instrumentalist des Jahres national in der Kategorie Blechblasinstrumente ausgezeichnet. Herausragend: das Album »Painting Pop«.

  • 19.11.2012
  • Das letzte Wort

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