Johan de Meij hat das letzte Wort

Die clarino-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal ­andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen  beginnen  immer  gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche antworten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich über die Interpretation eines Ihrer Werke so richtig gefreut haben?

Das war bei der Aufführung von »Mother Earth« aus der »3rd Symphony Planet Earth« durch La Artistica Buñol mit dem Dirigenten Henrie Adams. Das Orchester schaffte eine schöne Kombination mit dem letzten Satz von »Die Planeten« von Gustav Holst: Das war ein sehr beeindruckender und kraftvoller Auftritt!

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Im vergangenen Sommer verloren wir unseren 13 Jahre alten Neffen Ian durch einen tragischen Unfall während seiner Sommerferien. Wir können das immer noch nicht fassen und sind voller Schmerz darüber.

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?

Im November haben wir einen kurzen, aber sehr gelungenen Trip nach Venedig unternommen, um die Kunstausstellung »Biennale di Venezia« zu besuchen. Venedig ist immer noch meine Lieblingsstadt – nach New York und Amsterdam natürlich!

Wann war das letzte Mal, dass Sie über einen Musiker-Witz gelacht haben?

Heute! Ich habe einen urkomischen Clip auf YouTube gesehen, in dem ein Timpani-Spieler versucht, seine Noten während einer wichtigen Passage umzublättern. Und aus Versehen wischt er sie von seinem Noten­ständer. Sehr schmerzhaft, aber ich konnte nicht anders – ich musste lachen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Das ist so lange her, mindestens vor meiner Hochzeit 2007, dass ich das leider vergessen habe. Wenn eine Geschwindigkeitsüberschreitung etwas Verbotenes ist – ein Knöllchen gab es 2010 für 70 mph statt 50.

Wann war das letzte Mal, dass Sie wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein?

Jedes Mal, wenn ich Probleme mit einem Computer habe. Oder wenn ich keine reale Person ans Telefon bekomme, wenn ich eine Störungshotline anrufe.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gemerkt haben, dass die Deutschen besser Fußball spielen können als die Holländer?

Das deutsche Team ist IMMER besser als das holländische! Wir haben vielleicht die besseren Einzelspieler, aber die wissen nicht, was Teamwork bedeutet.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihrer Frau das Frühstück ans Bett gebracht ­haben?

An ihrem Geburtstag. Ein schöner großer Cappuccino und frischer Orangensaft.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in Voorburg waren?

Dort war ich im vergangenen Jahr, um mir die Renovierung meines Geburtshauses anzusehen. Seit meine liebe Mutter gestorben ist, wollte mein Cousin einziehen und es von Grund auf sanieren. Das Tolle an ­dieser Sache ist, dass dadurch das Haus, in dem ich die ersten 20 Jahre meines Lebens verbracht habe, in der Familie bleibt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Blasorchester mitgespielt haben?

Ich habe Posaune und Eufonium eine Zeit lang in der Ridgewood Concert Band gespielt, nachdem ich in die USA gezogen bin. Zuerst haben wir in New Jersey gelebt, bevor wir nach New York City gezogen sind. Eine ausgezeichnete Community Band – ich habe sie auch ein paarmal dirigiert. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie dachten, in Ihrer »Symphony No. 1« ist Gandalf besser beschrieben als im Film?

Ich sollte die Musik meiner geschätzten Kollegen nicht beurteilen, aber viele Leute haben mir über die Jahre erzählt, dass sie meine Musik besser finden als die Filmmusik. Aber ich bin mir sicher, dass die Leute Howard Shore genau das Gegenteil sagen!

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Nacht durchgemacht haben?

Durch all die Interkontinental-Reisen gibt es eine Menge Nächte ohne Schlaf. Aber man gewöhnt sich dran. Und partymäßig pflege ich aufzuhören, bevor es hell wird.

Wann war das letzte Mal, dass Sie als New Yorker dachten, Frank Sinatra hat recht: »I’m a number one, top of the list, king of the hill!«

Es kann nur einen König geben: Ich denke, Frank Sinatra verdient diesen Titel immer noch! Obwohl wir in letzter Zeit nicht mehr viel von ihm gehört haben...

 

Johan de Meij

wurde 1953 in Voorburg (Niederlande) geboren, studierte ­Posaune und Direktion am Königlichen Konservatorium Den Haag und erlangte als Komponist und Arrangeur internatio­nale Anerkennung. Die »Sinfonie Nr. 1 The Lord of the Rings« (Der Herr der Ringe) war de Meijs erste große Komposition für sinfonisches Blasorchester. Auch seine anderen groß ange­legten Werke, wie die »Sinfonie Nr. 2 The Big Apple« und das »T-Bone Concerto« (Posaunenkonzert) fanden ihren Weg ins Repertoire der Orchester der Welt. Die Sinfonie »Planet Earth« komponierte Johan de Meij im Auftrag des Nord­niederländischen Orchesters. Außer als Komponist ist de Meij auch als Musiker aktiv. Als Posaunist spielte er mit ver­schie­denen niederländischen Ensembles und Orchestern. Da­rüber hinaus ist er ein gefragter Gastdirigent und Dozent.

Infos: www.johandemeij.com

  • 17.01.2012
  • Das letzte Wort

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