Jan Van der Roost hat das letzte Wort

Die CLARINO-Serie "Sie haben das letzte Wort" ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus "normalen" Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten…

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, einen "ordentlichen Beruf" erlernt zu haben?

Einen solchen Gedanken hatte ich noch nie. Ganz im Gegenteil! Ich bin sehr glücklich, dass ich mich für das Leben eines Musikers entschieden habe, als ich 18 war! Ich bin überhaupt nicht in der Lage, mir ein anderes Leben vorzustellen als das, das ich lebe...

Wann war das letzte Mal, dass Ihnen die Unterschiede zwischen der deutschen und belgischen Mentalität deutlich wurden?

Das ist schwer zu sagen. In "Klischees" zu sprechen, ist meistens nicht sinnvoll. Es geht ja schon los mit der Frage: Was ist typisch belgisch? Ist das dann ein Flame oder ein Wallone? Generell aber kann man schon sagen, dass Deutsche besser organisiert sind, genauer und disziplinierter. Aber noch einmal: Es ist schwer, zu generalisieren.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich mit einem Dirigenten gestritten haben?

Ich habe eigentlich eher selten Streitigkeiten oder Auseinandersetzungen mit irgendjemandem – einschließlich Dirigenten. Manchmal sind meine Studenten nicht mit dem einverstanden, was ich sage oder denke. Aber dann diskutieren wir darüber. Ich kann mich nicht daran erinnern, kürzlich mal einen richtigen Streit gehabt zu haben.

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Aus Trauer habe ich geweint, als mein Vater gestorben ist – vor elf Jahren. Aber wenn mich etwas bewegt, schöne Musik etwa, dann weine ich tatsächlich regelmäßig...

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Nacht durchgefeiert haben?

Noch nie! Manchmal passiert es, dass wir lange wach bleiben, wenn Freunde oder Familie zu Besuch sind. Aber ich bin kein
"Party Beast" – und ich trinke nie (viel) zu viel!

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen "Dufflecoat" getragen haben? Schließlich ist der Stoff nach Ihrem Geburtsort benannt.

Ich glaube, ich habe nie einen getragen. Vielleicht, als ich 16 oder 17 war – ich ­müsste meine Mutter fragen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Schreibblockade hatten?

Das vergangene Jahr war so eine Art Sabbatjahr aus unterschiedlichen Gründen. Das bedeutet nicht, dass ich das Komponieren völlig eingestellt habe, aber ich habe einige Monate lang nicht eine einzige Note geschrieben. Mein Gefühl sagte mir, dass das notwendig sei, um meinen Gedanken einige »Frischluft« zuzuführen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein deutsches Bier dem belgischen vorgezogen haben?

Das kann ich nicht beantworten. Ich mag kein Bier. Ich bevorzuge Wein, Sekt, Champagner...

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich selbst gegoogelt haben?

Vor ein paar Wochen. Ich suchte eine Aufnahme eines meiner sinfonischen Stücke und wurde auf YouTube fündig.

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Kollegen beneidet haben?

Ich bin nie eifersüchtig. Aber ich beneide oft Kollegen der Vergangenheit und der Gegenwart. Ich meine, wenn ich ein Meisterwerk eines anderen Komponisten gehört habe, denke ich mir schon mal: "Ich hätte es gemocht, wenn ich dieses Stück geschrieben hätte..." Aber ich habe dabei nicht das Gefühl von Eifersucht, sondern eher von Bewunderung... Ich beneide viele Komponisten um deren großartige Musik. Das gebe ich zu. Wenn ich diese Meisterwerke anderer Komponisten höre, gibt mir das Energie, bei meinen nächsten Kompositionen das Beste zu geben.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich wünschten, in einer anderen Ära/Zeit geboren zu sein?

Aus vielen Gründen bin ich sehr froh, jetzt zu leben. Natürlich wäre es manchmal "cool", bestimmte Aspekte früherer Zeiten zu erleben, aber ich kann mir vorstellen, dass viele andere – oder sogar die meisten – Umstände anderer Zeiten so enttäuschend wären, dass ich schnellstens wieder ins 21. Jahrhundert zurückkehren würde!

Wann war das letzte Mal, dass Sie Philippe, den König der Belgier, getroffen haben?

Ich habe ihn noch nie persönlich getroffen. Mit einigen seiner Vorfahren hatte ich persönlich zu tun, aber noch nicht mit dem aktuellen König. Ich habe einmal während einer akademischen Sitzung dirigiert, bei der die gesamte königliche Familie – und auch die Regierung – anwesend war. Aber da war dann keine Zeit für persönlichen Kontakt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie den Fußballern, den "Rode Duivels", einen Titel zugetraut haben?

Ich glaube, dass das aktuelle belgische Fußballteam das beste ist, das wir seit langem haben: voller Talent und mit einigen exzellenten Spielern. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie die Europameisterschaft gewinnen können… Ziemlich oft bin ich ein bisschen enttäuscht, wie sie dann spielen. Ohne Schwung, Tempo und Kampfgeist. Aber natürlich hoffe ich das Beste und ich werde möglichst alle Spiele anschauen – nicht nur die belgischen. Ich liebe Fußball auf diesem Niveau!

Über Jan Van der Roost

Jan Van der Roost wurde 1956 im belgischen Duffel geboren. Schon in jungen Jahren kam er mit den prominenten Namen der Musik für Blasorchester, Fanfareorchester und Brassband in Berührung, was ihn dazu inspirierte, selbst etwas zu Papier zu bringen. Er studierte Posaune, Musikgeschichte und Musikpädagogik am Lemmens-Institut in Leuven. An den Königlichen Konservatorien von Gent und Antwerpen qualifizierte er sich in weiterführenden Studien zum Dirigenten und Komponisten.

Derzeit unterrichtet Jan Van der Roost am Lemmens-Institut und ist darüber hinaus als außerordentlicher Gastdozent am Shobi Institute of Music in Tokio, als Gastdozent an der Nagoya University of Arts und ebenfalls als Gastdozent am Senzoku Gakuen in Kawasaki tätig. Außer als überaus produktiver Komponist ist er als Jurymitglied, Lektor, Workshopleiter und Gastdirigent sehr gefragt. Seine musikalischen Aktivitäten erstreckten sich bereits über mehr als 45 Länder auf vier Kontinenten und seine Kompositionen werden weltweit gespielt und aufgenommen.

www.janvanderroost.com

  • 13.07.2016
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel

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