Internationaler Blasmusik Kongress 2018: Mehr Impulse!

  • 14.09.2017
  • Szene & Leute
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2017
  • Seite 56-57

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Im Januar 2018 wird in Neu-Ulm eine neue Veranstaltung die Bläserszene bereichern. Ein internationaler Blasmusikkongress soll neue Maßstäbe setzen und Impulse bringen. Wir haben uns mit den Organisatorinnen Miriam Tressel und Alexandra Link unterhalten.

Was war der "Stein des Anstoßes" für den "Internationalen Blasmusik Kongress"?

Der Wunsch von vielen Dirigenten und Komponisten, einen Ort zu finden, an dem ein kollegialer Austausch möglich ist. Die Suche von Vorständen nach neuen Konzepten für die Jugend- und Vereinsarbeit. Der Wunsch der Instrumentenfirmen und Verlage, ihre Kunden zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen.

Gibt es dafür einen Bedarf?

Die Probleme in den Musikvereinen und Blasorchestern werden nicht weniger. Jeder sucht nach neuen Konzepten für den weiteren Ausbau der Vereine, und mancherorts auch für deren Fortbestand.

Vorstände suchen nach Lösungen für eine effektive Vereinsarbeit. Dirigenten suchen einen Pfad durch den Dschungel der vielen Neuerscheinungen. Komponisten und Verlage suchen den Kontakt zu den Dirigenten.

Nicht zuletzt ist der Wille zur Fortbildung im musikalischen Bereich vorhanden. Der soziale Aspekt darf nicht vergessen werden: sich zu treffen und auszutauschen kann vom Internet nicht ersetzt werden.

Großes Vorbild für den "Blasmusik Kongress" ist der zweijährlich stattfindende Musikschulkongress des Verbandes Deutscher Musikschulen. Bei diesem treffen sich die Musikschullehrer und -leiter vor allem zur Fortbildung, aber auch zum gegenseitigen Austausch.

Da unsere Blasorchesterszene durch die verschiedenen Instrumentenfirmen, Verlage und auch Komponisten von Haus aus schon international geprägt ist, war klar, dass der Kongress nicht auf Deutschland beschränkt ist.

Was sind Ihre Ziele? Was soll am Ende unter dem Strich bleiben?

Wir möchten einen Ort schaffen, an dem sich die Blasorchesterszene aus dem In- und Ausland treffen kann. Die Besucher sollen von den Angeboten während des Kongresses profitieren und neue Impulse in ihre Musikvereine und Blasorchester tragen.

Es soll ein Ort und ein Anlass werden, bei dem alte Kontakte intensiviert und neue Freundschaften geschlossen werden, aus denen dann in Zukunft wieder tolle neue blasmusikalische Projekte entstehen.

Der Frankfurter Musikmesse bleiben die Besucher und Aussteller fern – warum wird das in Neu-Ulm anders?

In Neu-Ulm ist die Instrumenten- und Notenausstellung Teil des Gesamtkonzeptes. Die Ausstellung ist gleichwertig zu den Vorträgen und Workshops sowie zu den Konzerten zu sehen. Alle Aussteller hatten die Möglichkeit, sich in das Programm einzubringen.

So werden beispielsweise die Firmen Yamaha, Buffet Crampon und Miraphone Endorser für die Instrumentalworkshops mitbringen, außerdem wird Yamaha einige Workshops im Bereich der Bläserklassen anbieten, der HeBu-Musikverlag stellt in einem Workshop seine Kindermusicals vor, der Helbling-Verlag stellt seine neue Bläserklassenmethode vor usw.

Der Hauptgrund, warum es in Neu-Ulm anders sein wird, ist die Mischung aus Information, Fortbildung und Austausch für die drei Zielgruppen Dirigenten, Musiker und Vorstände, verbunden mit den anwesenden Komponisten, Verlagen und Instrumentenherstellern.

Sind Ausstellungen von Instrumenten, Noten und Zubehör überhaupt noch zeitgemäß?

Ja, wenn sie im richtigen Kontext stehen. Wenn gewährleistet wird, dass tatsächlich auch Fachbesucher kommen. Dies gelingt nur, wenn es ein umfangreiches Angebot mit Mehrwert für die Besucher gibt. Wiederum möchten wir auf die Wichtigkeit hinweisen, dass die Ausstellung Teil des Kongresses und darin integriert ist.

Die Ausstellung ist im Übrigen schon ausverkauft. Das Gesamtkonzept des IBK hat die Instrumentenhersteller und Verlage überzeugt. Gemeinsam arbeiten wir am Erfolg dieses Kongresses.

Warum findet der "Internationale Blasmusik Kongress" in Neu-Ulm statt?

Das Edwin-Scharff-Haus in Neu-Ulm ist der ideale Ort für unsere Zwecke: Es gibt einen großen Saal für Konzerte, einen kleinen Saal für Dirigenten- und Orchesterworkshops und viele kleine Konferenzräume für die verschiedenen Vorträge und Workshops. Es finden immer Angebote für die drei Zielgruppen und Vorträge parallel statt. Im Edwin-Scharff-Haus ist dies möglich.

Außerdem ist angrenzend ein großes Hotel, das weitere Räume zur Verfügung stellt. Das Hotel garantiert auch das Gelingen des sozialen Aspektes: Die Szene ist rund um die Uhr versammelt (sofern man noch ein Zimmer in diesem Hotel ergattert). Natürlich soll auch die Hotelbar nach dem letzten Konzert des Tages noch zum Plaudern und Fachsimpeln einladen...

Der Erfolg einer solchen Veranstaltung lässt sich vermutlich am besten an Besucherzahlen messen. Was dürfen Besucher an den vier Tagen erwarten?

Ein umfangreiches Programm mit Vorträgen, Workshops, Podiumsdiskussionen für Dirigenten, Musiker und Vorstände, eine große Instrumenten- und Notenausstellung mit namhaften Firmen (Yamaha, Buffet Crampon, HeBu-Musikverlag, DVO, Hal Leonard u. v. m.).

Als Dozenten werden unter anderem Christoph Moschberger, David Childs, Thomas Doss, Hubert Hoche, Oliver Nickel, Jacob de Haan, Otto M. Schwarz, Toni Scholl, Hans-Peter Blaser, Miguel Etchegoncelay, Jörg Murschinski, Jürgen Groh, Sigrid Baumann, Alexandra Link oder Christoph Breithack erwartet, um nur einige zu nennen.

Ein Fallbeispiel: Warum sollte der Dirigent des Musikvereins Musterhausen die Reise nach Neu-Ulm auf sich nehmen?

Wir hoffen, dass nicht nur der Dirigent des Musikvereins Musterhausen nach Neu-Ulm kommt, sondern dass er auch gleich noch seine Musiker und insbesondere auch seine Vorstände mitbringt.

Für alle drei Zielgruppen – also Dirigenten, Musiker, Vorstände – wird es interessante Programmpunkte, Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen geben.

Für Dirigenten: Meisterklassen Dirigieren, Komponistenporträts, Repertoire-Sessions, Vorträge über Programmgestaltung und die richtige Notenauswahl usw. Viele Komponisten werden anwesend sein und teilweise auch ihre Werke vorstellen, verschiedene Bläserklassen-Konzepte, Bläserklasse für Erwachsene, ein Finale-Workshop, Band-Coaching, Workshops und vieles mehr steht auf dem Programm. Ein Schwerpunkt liegt auf der Literatur von jungen Komponisten. Es profitieren Dirigenten von Jugendkapellen über Mittelstufen- und Oberstufenkapellen bis hin zu den Top-Orchestern.

Für Musiker: Workshops für verschiedene Blas- und Schlaginstrumente im Basic- und Masterbereich, Blattbaukurse, Ensemblekurse, Intonations- und Klangverbesserung am Instrument usw.

Für Vorstände: Workshops und Vorträge über Konzertmoderation, Marketing für Musikvereine, Pressearbeit, Auftreten im Ehrenamt, Kommunikation, Steuern, verschiedene Bläserklassen- und Jugendkonzepte und vieles mehr.

Für alle drei Zielgruppen: die umfangreiche Instrumenten- und Notenausstellung (alle wichtigen Firmen sind anwesend) und natürlich die Konzerte.

Teilnehmende Orchester: Kreisverbandsjugendblasorchester Ulm/Alb-Donau, Musique Militaire Grand-Ducale de Luxembourg, Unió Musical Alqueriense, Bläserphilharmonie Wertingen, voestalpine Blasorchester Linz, Bläserphilharmonie Baden-Württemberg und das Musikkorps der Bundeswehr.

Außerdem, besonders wichtig: die Möglichkeit des gegenseitigen Austauschs. Wir müssen nicht in allen Musikvereinen das Rad neu erfinden, wir können auch voneinander lernen, indem wir uns treffen, miteinander sprechen und uns austauschen. Dafür wird es genügend Raum geben.

Warum findet der Kongress im Januar statt?

Wir haben ein Datum gesucht, das nicht mit Blasmusikfestivals konkurriert, und es sollte auch nicht unbedingt in die Haupt-Konzertzeit der Blasorchester im Frühjahr, Frühsommer, Herbst oder gar in die Advents- und Weihnachtszeit fallen. Das Datum haben wir in Absprache mit verschiedenen Instrumentenherstellern festgelegt.

Ein Blick in die Zukunft: In welchem Rhythmus soll der Kongress stattfinden?

Geplant ist, den Kongress alle zwei Jahre zu organisieren. Ob das immer in Neu-Ulm sein wird, ist nicht gesagt. Sollte der Kongress ein überwältigender Erfolg mit sehr vielen Besuchern werden, werden wir wohl nach einem größeren Kongress-Ort mit ähnlich guten Bedingungen Ausschau halten müssen.

ib-kongress.com

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