Hubert Hoche hat das letzte Wort

  • 27.10.2011
  • Das letzte Wort

Die clarino.print-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten. In dieser Ausgabe von »Sie haben das letzte Wort« fragen wir den Komponisten Hubert Hoche.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich über die Interpretation eines Ihrer Werke so richtig gefreut haben?
Das war erst vor ein paar ­Wochen, als das Polizeiorchester Bayern unter Prof. Johann Mösenbichler meine Komposition »Mystikum VI« wieder aufgeführt hat.

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?
Das war diesen Sommer. Leider glückte mir die Entspannung nicht so gut, denn es war der erste richtige Urlaub nach vielleicht vier bis fünf Jahren. Da waren 14 Tage dann einfach zu kurz. Ich gelobe Besserung!

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?
Oh, das passiert schon immer wieder mal. Besonders »genießen« kann ich das, wenn mir beim Musikhören auf einmal Tränen kommen und sich dazu noch die Gänsehaut einstellt. Das empfinde ich immer als einen sehr bewegenden Moment.Aber so richtig geweint habe ich, als ich erfahren hatte, dass meine Schwester nach langer Krebserkrankung gestorben war.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?
So etwas würde ich nie tun!

Wann war das letzte Mal, dass Sie wünschten, in einer anderen Zeit geboren worden zu sein?
Das passiert fast täglich – spätestens dann, wenn ich Zeitung lese oder die Nachrichten schaue. Ob da ein Epochensprung aber etwas nützen würde?

Wann war das letzte Mal, dass Sie bei einem Fußballspiel waren?
Letzte Saison: Bayern gegen Hoffenheim in München. Ich würde gerne öfters gehen, aber die »Arbeitszeiten« sind doch sehr deckungsgleich. Schade!

Wann war das letzte Mal, dass Sie meditiert haben?
Wenn Sie Qi Gong als Meditation sehen, dann fast täglich.

Wann war das letzte Mal, dass Ihnen jemand nahegelegt hat, Sie hätten besser Schreiner werden sollen?
Das gab es noch nie. Aber meine Schreinerlehre, die ich vor dem Studium gemacht habe, habe ich nie bereut, ganz im Gegenteil. Es ist ein toller Beruf.

Wann war das letzte Mal, dass Sie jemanden überzeugen muss­ten, dass zeitgenössische Musik sehr wohl auch Musik ist?
Gute Frage. (lacht) Überzeugen möchte ich da niemanden, aber vielleicht sensibilisieren, dass es eben auch andere Hörgewohnheiten gibt. Die Fragen kommen oft aus dem Grund auf, dass der Hörer nicht wusste, auf was er hören sollte, um die Musik zu verstehen. Da ist im Konzert eine kurze verbale Einführung in das Werk sehr hilfreich, um dem Hörer die Möglichkeit zu geben, gewisse Stellen beim Hören wiederzuerkennen. Schließlich wollen beide, Publikum und Musiker, ein schönes oder zumindest interessantes Erlebnis haben.

Der individuelle musikalische Geschmack ist ja auch sehr verschieden, was natürlich auch mit dem Umfeld, in dem man aufgewachsen ist, zu tun hat oder mit der eigenen musikalischen Neugier, andere Dinge ­hören zu wollen, die man nicht kennt. Das ist sehr individuell. Oder aus welchen Gründen höre ich Musik? Welcher Hörtyp bin ich? Interessant ist, dass es diese Diskussion zum Beispiel mit Kindern, wenn überhaupt, sehr selten gibt, da sie noch nicht so festgelegt sind. Das ist zumindest meine Erfahrung. Zum Beispiel gibt es in meiner Kom­po­sition »Black-White-Blue« Abschnitte, bei denen Kinder oder Jugendliche Blubber-Geräusche erzeugen sollen. Das war natürlich ein riesiger Spaß für die Kinder, das alles auszuprobieren, und als sie informiert wurden, dass sie einen Flusslauf imitieren sollten, wurden sie unheimlich kreativ und probierten verschiedene Materialien aus, sodass sich die Klangfarbe des Flusses änderte, so als ob das Wasser über viel Geröll hinweg fließt oder eher ruhig in seinem Flussbett dahinströmt. Die Kinder empfanden die Geräusche dann als Musik. Hat echt Spaß gemacht, diese Entwicklung mitzuerleben. 

 

Infos: www.Hubert-hoche.de

Der Komponist Hubert Hoche

ist Vorsitzender des Verein »flammabis – zeitgenössische Musik«, der von 3. bis 7. November die »flammabis Musiktage« ausrichtet: Diese finden unter dem Motto »minimal music – eine aktuelle Spurensuche« in Würzburg statt. Das Eröffnungskonzert am 3. November mit dem Polizeiorchester Bayern ist ein Benefizkonzert zugunsten der Jungen Philharmonie Würzburg. Das zweite Konzert mit Hans-Karsten Raecke, einem typischen Minimalisten, am 4. November in den Kammerspielen des Main­franken-Theaters zeigt, dass Neue Musik auch humorvolle, kabarettis­tische Züge hat. Die Konzerte 3 und 4 finden mit international renommierten Interpreten statt. Ein eher intimes Konzert versprechen am 6. November Maria Stange (Harfe) und Mathias von Brenndorff (Flöten) in der Kirche St. Burkard. Das Konzert am 7. November im Kammermusiksaal der Hochschule beinhaltet drei Uraufführungen mit Carin Levine (Flöten), Jürgen Ruck (Gitarre), Stefan Hussong (Akkordeon) und Marta Klimasara (Percussion).

Infos: www.flammabis.de

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