Helmut Eisel hat das letzte Wort

  • 11.04.2017
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2017

Die CLARINO-Serie "Sie haben das letzte Wort" ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus "normalen" Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten…

Wann war das letzte Mal, dass Sie gemerkt haben: Musik ist keine Mathematik?

Ist sie nicht? Also ich habe da ein Projekt mit türkischen Freunden – die Jungs spielen Metren, da ist mir die Mathematik schon sehr hilfreich. Andererseits: Immer wenn es um emotionale Dinge geht, also täglich, ist die Musik der Mathematik haushoch überlegen!

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit Giora Feidman musiziert haben??

Ich glaube 2013 in Israel. Seither hat er sich – leider – von diesem Festival zurückgezogen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie "so richtig" Urlaub gemacht haben?

Letzten Sommer! Drei Wochen Campingurlaub mit Familie und Freunden – das lass ich mir nicht nehmen! Und da entstehen morgens im Wald die meisten neuen Stücke!

Wann war das letzte Mal, dass Sie für oder gegen etwas demonstriert haben?

Im letzten Jahr – die Anti-Pegida-Demonstration im Saarland. Mit mindestens 4000 Leuten standen wir 200 Pegida-(die nannten das Sagida oder so)-Anhängern gegenüber, und wir waren stolz auf unser kleines Land!

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Blasorchester mitgespielt haben?

Noch nicht sehr lange her – auf jeden Fall beim letzten Clarinet & Friends-Festival 2016 – da haben wir den Klarinettenmuckl gespielt. Ich trete auch immer mal wieder als Solist bei sinfonischen Blasorchestern auf – macht total viel Spaß!

Wann war das letzte Mal, dass Sie dem 1. FC Saarbrücken zugejubelt haben?

Au weh... Die waren mal in der Bundesliga. Ich bin zum Glück kein Fußballfan. Wegen meiner Kinder war ich aber mal bei einem Spiel dabei – gut und gerne zehn Jahre her.

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit jemandem diskutiert haben, dass man "so was" mit Klezmer-Musik doch nicht machen dürfe?

Lange her, irgendwann in den 1990ern! Ich glaube fast, Puristen meiden mich inzwischen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit jemandem diskutiert haben, dass man "so was" mit Mozart doch nicht machen dürfe?

Das ist ganz merkwürdig: Manchmal schreiben Leute sowas. Sagen tut’s mir eigentlich niemand. Doch, da war im letzten Jahr ein Herr aus dem Publikum nach dem Klarinettenkonzert: "Es HÄTTE mir gefallen, wenn mir vorab jemand gesagt hätte, dass das nicht die Mozart-Originalversion sein wird!" – War sie es wirklich nicht? Ein Kritiker schrieb mal: "Das ist nicht mein Mozart!" – und er hatte Recht: Es war ja meiner. Jeder darf seinen eigenen Blick auf Mozart haben!

Wann war das letzte Mal, dass Sie Menschen zurufen wollten: "Redet mehr miteinander!"?

Permanent! Reden, abstimmen, überzeugen, überzeugen lassen, Wissen und Erfahrung einbringen, wo auch immer es geht! Das Gegenteil ist abstimmen, wo ich nur "Ja" oder "Nein" sagen soll, davon profitiert nur derjenige, der die Frage geschickt genug gestellt hat.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein?

Ich sehe gerne mal einen Film, der "in guten alten Zeiten" spielt. Aber ich bin überzeugt, jetzt und hier ist es total faszinierend und die bestmögliche Option. Es gibt Leute, die uns um ihres eigenen Vorteils willen etwas Anderes einreden möchten – bloß nicht glauben!

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Musik-Kollegen beneidet haben?

Kommt immer mal wieder vor – vor allem, wenn ich sehe, dass junge Kollegen, die Musik studieren, von Anfang an Teil eines großen Netzwerks sind. Das fehlt, wenn man einen so individuellen Weg geht wie ich.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gedacht haben: "Hauptsach gudd gess!"?

Ich bin überzeugter Saarländer. Also heute Mittag.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gerne in einem Kinofilm mitgespielt hätten (und welcher war das)?

Na, zum Beispiel beim aktuellen James Bond "Spectre" – so ein Bond-Girl per Klarinette verführen, das wär doch mal was!

Wann war das letzte Mal, dass Ihnen jemand nahegelegt hat, Sie hätten besser mal "was Vernünftiges" gelernt?

Passiert immer mal wieder. Aber ich hab schließlich mein Mathe-Diplom und bin damit über jeden Zweifel erhaben! Durchaus interessantes Fach, die Mathematik. Aber Musik ist – mehr!

"Clarinet & Friends"

Nach der erfolgreichen Durchführung von "Clarinet & Friends" 2015 und 2016 in Mühlhausen wird dieses außergewöhnliche Musikfestival auch im Jahr 2017 stattfinden. Termin ist der 8. bis 11. Juni 2017.

Das Projekt "Clarinet & Friends" verspricht nicht nur Musikgenuss rund um Klassik, Tango, Jazz und Klezmer auf Weltniveau, sondern verwandelt eine ganze Stadt in eine Bühne und macht Bürger und Gäste zu akustischen Hauptdarstellern. Rund um die Kernidee, Musik als Kommunikation zu verstehen, bietet das Wochenende ein facettenreiches Festivalprogramm in Mühlhausen. Neben Konzerten werden Workshops und ein touristisches Rahmenprogramm angeboten.

www.clarinet-and-friends.de

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