»Greenline«-Trompetenetui von Jakob Winter: Klein. Schick. Nachhaltig.

Kennen Sie das? Man öffnet einen Instrumentenkoffer, und schon beim ersten Atemzug tränen beinahe die Augen. Dieses Erlebnis hatten viele Musiker, seit »Made in Germany« nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern auch Mangelware ist. Der deutsche Koffer-Hersteller Jakob Winter steuert mit seiner »Greenline«-Modellreihe gegen, die unter anderem für Trompeten mit Périnetventilen ein Köfferchen bereithält.

Wenn man als Musiker ein gewisses Alter erreicht hat, kann man auf zahlreiche Erlebnisse zurückblicken und seine Erfahrungen auch an jüngere Musiker weitergeben. Wenn im Blasorchester beispielsweise ein jüngerer Kollege dabei ist, sich ein neues Instrument anzuschaffen, kann man ihm das eine oder andere mitteilen. Das geht natürlich auch im Zubehörbereich, beispielsweise in Sachen Instrumentenkoffer.

Aufs Wesentliche reduziert

Wenn ein Kind mit seinen Eltern beim Musikhändler ein Instrument kauft, legen die Eltern viel Wert darauf, dass der Koffer stabil ist und das teure Instrument gut schützt. Ist ja auch klar, man weiß ja nicht genau, ob der Nachwuchs pfleglich genug mit dem Instrument umgeht.

Später, wenn die ersten Schritte hinter dem (immer noch jungen) Musiker liegen, wenn sein Wirkungsbereich so langsam auf mehrere Orchester und Ensembles ausgeweitet wird und man immer mehr Noten mitzuschleppen hat (oder vielleicht auch mehrere Instrumente!), verschieben sich die Prioritäten ein bisschen.

Zugegeben: Die Schutzwirkung für das Instrument bleibt im Blick. Aber es werden auch andere Anforderungen gestellt: Bei Trompetern beispielsweise sollte ein Gigbag auch Platz für Noten und Dämpfer bieten, schließlich muss man als ambitionierter Trompeter maximal mobil und spontan sein.

Hat man sich seine musikalischen Hörner ein bisschen abgestoßen, kommt man zu der Einsicht, dass ein bisschen weniger manchmal deutlich mehr ist und schleppt nicht mehr so viel Zeug mit sich rum. Immerhin hat man möglicherweise auch andere Interessen und muss nicht jede Mucke selber übernehmen. Vielleicht hat man auch inzwischen eine separate Tasche oder einen Koffer, in dem Zubehör untergebracht wird.

»Greenline«-Etuis von Jakob Winter: 100 Prozent klimaneutral

Spätestens an dieser Stelle sollte der Musiker auf die neue »Greenline«-Serie des deutschen Koffer-Herstellers Jakob Winter aufmerksam gemacht werden. In einem neuartigen Verfahren werden für diese »Greenline«-Etuis »biobasierende Naturfaserverbundwerkstoffe« verarbeitet. Sprich: Diese Etuis sind bis zu 100 Prozent klimaneutral, weil sie aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden.

Dadurch sind sie sogar noch flexibler und beständiger als reine Kunststoffkoffer, weil die relativ langen Naturfasern aus Hanf, Flachs oder Kenaf dem Material zusätzliche Stabilität verleihen. Weil Futterstoff, Koffer- und Überzugsmaterial ohne Klebstoff miteinander verpresst werden, bleibt dem Musiker auch der unangenehm stechende Geruch erspart, der häufig bei billigen Etuis in den ersten Monaten zu bemerken ist.

Platz fürs Nötigste

In der Tat ist das Jakob-Winter-Köfferchen angenehm leicht, formschön und hat eine angenehme Haptik. Innen ist das »Greenline«-Etui mit blauem Baumwollsamt ausstattet, das wie der Rest des Etuis »Made in Germany« ist. Für den festen Sitz der Trompete im Etui ist eine formgerechte Aussparung vorgesehen, die für die meisten Trompeten mit Périnetventilen passen sollte.

Im Deckel sorgt ein weiteres Schaumstoff-Element dafür, dass wirklich nichts wackeln und verrutschen kann. Denn selbst wenn die Außenhülle des Koffers allen Schaden vom Inhalt abwenden würde, könnte das Instrument immer noch beschädigt werden, wenn es im Koffer hin- und hergeworfen werden könnte.

Das sollte im neuen »Greenline«-Etui von Jakob Winter nicht passieren. Hier sitzt wirklich alles fest und am richtigen Platz – und sogar der Trompetenständer findet im Schallstück Platz. Eine Aufnahmehülse für ein Mundstück ist vorhanden, leider findet aber nicht mehr Zubehör Platz in diesem Koffer.

Alles sehr robust

Zwar ist der »Greenline«-Koffer aufs Wesentliche reduziert, dafür kann er hier aber richtig punkten: Von den (abschließbaren) Bügelschnallen über die Scharniere bis hin zum Tragegriff – alles wirkt sehr robust. Vor allem die Scharniere: Sie sind aus Kunststoff gefertigt und machen doch einen besseren Eindruck als so manches Blechscharnier, das bereits beim ersten schwungvollen Aufklappen des Etuis verbogen ist.

Eine echte Verbesserung könnten lediglich noch Standfüße an der Schallbecherseite des Etuis darstellen. Das muss natürlich nicht sein, es wäre aber schön, wenn man das Köfferchen »mal schnell« andersrum abstellen könnte, zumal im Lieferumfang ja auch eine Rucksackgarnitur enthalten ist, mit der man das schicke kleine Köfferchen auch auf dem Rücken transportieren kann, was besonders im Sommer sehr praktisch ist, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist.

Trage-Varianten

Apropos Rucksackgarnitur: Das ist zwar praktisch, aber zugegebenermaßen nicht sehr bequem, weil die Ösen, an denen die Karabiner der (verstellbaren) Gurte eingehakt werden sollen, immer irgendwo drücken. Ein Tipp an dieser Stelle: Wenn nur ein Gurt eingesetzt wird, kann das Köfferchen auch wie ein Slingbag oder Bodybag (oder Schultertragetasche) eingesetzt werden. Solche Teile sind ohnehin schwer angesagt, damit kann man dann gleich auch noch einen modischen Akzent setzen.

Das »Greenline«-Etui für Trompeten mit Périnetventilen von Jakob Winter ist in drei Ausführungen bzw. Farben erhältlich. Das zum Test vorgelegte Muster ist grau, da­rüber hinaus gibt es diesen Koffer in Schwarz und in »Carbon Design«. In welcher Farbe auch immer – die wahrscheinlichste Reaktion anderer Musiker wird in etwa so ausfallen: »Ooooh, was hast du denn da Schönes?«

Fazit

Schick ist es ja auch wirklich, das Köfferchen. Und leicht. Und offenbar umweltverträglich. Eine sehr praktische und sichere Transportmöglichkeit ist der »Greenline«-Koffer ohnehin – da bleiben (bis auf die fehlende Möglichkeit, Zubehör mitzunehmen) wirklich keine Wünsche offen.

Dass der Koffer für Périnet-Trompeten mit 178 Euro zu Buche schlägt, darf allerdings auch nicht verschwiegen werden. Das ist schon ein stolzer Preis, der da im Katalog steht. Aber das gute Gefühl, ein nachhaltiges Produkt gekauft zu haben und die Trompete sicher und formschön verpackt zu wissen, hilft sicher über den Preis hinweg.

»Greenline«-Etuis von Jakob Winter sind bislang für diese Instrumente erhältlich: Sopransaxofon, Altsaxofon, Tenor­saxofon, Baritonsaxofon, Trompete (mit Périnetventilen) und Waldhorn.

www.jakob-winter.com

Jakob Winter im Interview

Die Firma Jakob Winter »wurde 1886 im Sudetenland von meinem Urgroßvater als Sargtischlerei gegründet«, erzählt der Senior-Chef Jakob Winter. Bald schwenkte man auf Geigenkästen um und noch vor dem Ersten Weltkrieg spezialisierte man sich auf Instrumentenkoffer. »Mein Vater kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Nauheim, wo er mit vielen anderen Instrumentenherstellern neu anfing. Mein Sohn führt die Firma also nun in der 5. Generation.« Wir besuchten die Firma im südhessischen Nauheim und warfen einen Blick hinter die Kulissen des Instrumentenkofferherstellers Jakob Winter in der Graslitzer Straße. Und wir sprachen mit dem Senior-Chef Jakob Winter.

Herr Winter, aus welchem Material besteht eigentlich »Greenline«?

»Greenline« besteht aus nachwachsenden Naturfasern. In einem speziellen Herstellungsverfahren verpressen wir Hanf, Flachs oder Kenaf mit Biokunststoffen sowie Additiven zu extrem robusten Kofferschalen. Zum Großteil verwenden wir also nachwachsende Rohstoffe. Meistens werden diese miteinander vermischt. Dabei ist es relativ egal, ob wir Hanf, Flachs oder Kenaf verwenden – die Eigenschaften ändern sich nicht.

Sind diese Naturfasern dann das, was das »Green« ausmacht?

Ja. Unser Ziel ist es, die Kunststoffe – die beim Erhitzen schmelzen und die Fasern miteinander verbinden – komplett durch Biokunststoffe zu ersetzen. Diese haben noch den Nachteil, dass sie bei etwa 70 Grad weich werden – Polypropylen erst bei 120 Grad. Und wenn Sie diese Koffer bei Sonneneinstrahlung beispielsweise im Auto haben, ist das nicht optimal. Sobald es einem Hersteller gelingt, diese Biokunststoffe hitzebeständiger zu machen, stellen wir sofort um.

»Greenline« ist »made in Germany«. Ist auch das ein Aspekt der umweltfreundlicheren Herstellung?

Wir produzieren im Erzgebirge, in der Nähe von Marienberg, mit etwa 140 Mitarbeitern. Wir sind vor 15 Jahren langsam in den Markt gekommen und mittlerweile läuft es sehr gut. Das Produkt ist relativ materialintensiv und wenig arbeitsintensiv. Dadurch rentiert es sich eigentlich auch nicht, beispielsweise in China produzieren zu lassen. »Made in Germany« ist dann auch ein Qualitätsmerkmal.

Wie funktioniert die Herstellung? Auch möglichst umweltfreundlich vermutlich.

Für das Innenfutter verwenden wir umweltfreundlichen Baumwollsamt. Der Einsatz giftiger Kleber wird bei der Herstellung dieser Koffer vollständig vermieden, da der Futterstoff, Koffer und Überzugsmaterial ohne Zusatz von Klebern miteinander verpresst wird. Wir nennen das »One-Shot-Verfahren«, die Materialien werden als »composite« zusammengelegt, erhitzt und dann in einem Arbeitsgang verpresst. Dadurch brauchen wir keinen zusätzlichen Klebstoff.

In anderen Holzkoffern kann als Klebstoff sehr viel Formaldehyd enthalten sein. In Deutschland gibt es natürlich strengere Auflagen. Formaldehyd und auch einige andere Kontaktkleber, die nicht gerade umweltfreundlich sind, dürfen wir nicht mehr verwenden. In Deutschland benutzt man nur noch wasserlösliche Klebstoffe.

Haben Sie auf »Greenline« eigentlich ein Patent?

Nein. Das kommt aus der Automobilindustrie. Die Türinnenverkleidung beispielsweise wird mit diesem Verfahren hergestellt.

Hat man mit nachhaltiger Produktion auch einen Nerv getroffen?

Sicherlich. Das Produkt kommt sehr gut an. Nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten, denn außerdem ist es sehr leicht, kommt einem Karbonkoffer schon sehr nahe. Wichtig auch in der Praxis: Es bricht im Gegensatz zu anderen Kunststoffen nicht bei Kälte.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die Stabilität der Griffe oder der Schlösser. Bei Kunststoffkoffern bricht  schon mal etwas. In den Naturfasern halten die Schrauben viel besser. Allein der ökologische Aspekt wäre ja noch kein Kaufanreiz. »Greenline« aber ist nachhaltig und funktional.

Beim Preis hört das Umweltbewusstsein oft auf. Wie überzeugen Sie Musiker, ein paar Euro mehr auszugeben?

Ich denke, dass der Preisunterschied gar nicht so groß ist. Im Gegensatz zu früheren Koffern, die schon mal doppelt so teuer sein konnten wie Produkte aus Fernost, ist der Faktor hier vielleicht nur noch 1,3. Da ist der Kunde schon bereit, etwas mehr für ein qualitativ hochwertiges, deutsches und nachhaltiges Produkt auszugeben.

Zumal es ja widersprüchlich zu sein scheint, das teure Instrument im billigen Koffer zu verstauen.

Das schon, aber letztlich ist der Koffer ja doch nur eine Verpackung. Wir produzieren allerdings auch für die Instrumentenhersteller, die unsere Produkte dann weitergeben.

Welche Produkte außer dem Trompetenkoffer gibt es denn hier sonst in der »Greenline«-Reihe?

Seit einiger Zeit produzieren wir die Koffer für Alt- und Tenorsaxofon. Wir produzieren »Greenline«-Waldhornkoffer, Klarinettenetuis und Posaunenkoffer für Courtois. Der soll demnächst auch im Handel erhältlich sein. Parallel dazu bauen wir einen Baritonsaxofonkoffer.

Wir überlegen sogar, einen Tubakoffer zu produzieren. Die Werkzeugkosten sind recht hoch, da dauert die Herstellung etwas länger. Denn die Werkzeuge sind entscheidend. Danach ist das Produkt – der Koffer – schnell fertig. Und man ist flexibel im Dekor. Man bekommt nicht nur schwarze, sondern eben auch andersfarbige oder bunte Koffer.

Interview: Klaus Härtel

  • 05.03.2018
  • Test
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 3/2018
  • Seite 58-60

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