Gábor Boldoczki hat das letzte Wort

  • 29.09.2011
  • Das letzte Wort

Die clarino.print-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten. In dieser Ausgabe von »Sie haben das letzte Wort« fragen wir den Trompeter Gábor Boldoczki.

Wann war das letzte Mal, dass Sie so richtig Urlaub gemacht haben?
Dieses Jahr war extrem. Aber es ist ganz wichtig, sich Zeit für den Urlaub zu reservieren. Das klingt vielleicht komisch, aber wenn man so intensiv arbeitet, braucht man den Urlaub. Immer nur Belastung geht nicht. Das habe ich als Trompeter auch lernen müssen. Wann allerdings der letzte Urlaub war, hab ich gar nicht mehr im Kopf.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?
Das tu ich jeden Tag im Kleinen oder Großen (lacht).

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Musikerkollegen beneidet haben?
Ich beneide niemanden. Ich be­wundere Leistungen. Ich glaube, man soll die Leute lieben, dann wird die Liebe auch zurückstrahlen. Das ist meine Philosophie.

Wann war das letzte Mal, dass Sie über sich selbst gelacht haben?
Es kann jeden Tag etwas Kleines passieren. Und man sollte sich auch an Kleinigkeiten erfreuen. Ohne Humor kann man ohnehin nicht leben.

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?
Das habe ich nicht im Kopf. Momentan ist alles gut bei mir.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gewünscht haben, einen »ordentlichen Beruf« gewählt zu haben?
Ja, das fragt man sich oft, wenn man so viel reist und so viel auf der Bühne steht: »Soll ich das machen oder reicht’s?« Ich übe meinen Beruf sehr, sehr gerne aus. Manchmal überlege ich mir schon, was sich in meinem Leben geändert hat. Ich bin seit Januar 2010 Professor und habe meine eigene Klasse. Und es ist ein sehr schöner Ausgleich zu meiner Solotätigkeit und es ist schön, meine Studenten an meinen Erfahrungen und Gedanken teilhaben zu lassen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Blasorchester mitgespielt haben?
Letztes Jahr. Da habe ich in einer Brassband mitgespielt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihre Auszeichnungen poliert haben?
Mein ECHO Klassik steht immer noch in dem Studio, in dem wir damals unsere CDs gemacht haben. Also wird das möglicherweise die Reinigungskraft im Studio machen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in Szeged waren?
Dort bin ich geboren und zu der Stadt habe ich eigentlich gar keine Beziehung. Ich lebe seit nun 20 Jahren in Budapest.

Wann war das letzte Mal, dass Sie jemandem das Rezept für ein Gulasch verraten haben?
Ich koche gerne, aber sehr selten. Aber meine Frau kocht sehr gut – und das löst dieses Pro­blem (lacht).

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit Maurice André gesprochen haben?
Ich habe schon lange nicht mehr mit ihm gesprochen. Das ist bestimmt schon zehn Jahre her, als ich beim internationalen Musikwettbewerb in Paris gewonnen habe und im Anschluss Konzerte in der Schweiz gespielt habe. Ich bin aber sehr froh, dass ich mit der Organistin Hedwig Bilgram zusammenarbeiten darf. Sie war 35 Jahre lang Andrés Kammermusikpartnerin. Und wenn ich mit ihr zusammen bin, bin ich in Gedanken auch mit Maurice André zusammen.
 
Wann war das letzte Mal, dass Sie jemandem das Frühstück ans Bett gebracht haben?
Das ist lange her (lacht).

Welche CD haben Sie kürzlich gehört?
Meine CDs höre ich nie. Wenn sie fertig sind, landen sie im Schrank. Wenn wir bei Freunden zu Besuch sind, werden meine CDs oft aufgelegt – und natürlich höre ich die gern. Zu Hause höre ich Louis Armstrong.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gedacht haben: »Oh, jetzt habe ich zu viel geredet«?
Ich glaube, ich rede nicht viel (lacht). Ich versuche immer, jede Frage ordentlich zu beantworten. 

Gábor Boldoczki
ist trotz seines Erfolgs ein sehr zurückhaltender Mensch. Oder vielleicht ist das auch das Geheimnis seines Erfolgs. Denn wenn er die Trompete zum Mund führt, scheint er eins zu werden mit der Musik. Er verschmilzt damit und geht so aus sich heraus. Zwei ECHO Klassiks (2003 und 2008), zahlreiche Preise bei renommierten Wettbewerben (etwa dem ARD Musikwettbewerb) und dekorierte Aufnahmen (bei Sony) sind die Früchte, die er für seine Musik erntet. Wichtig ist dem 1976 Geborenen der Kontakt zu seinen Fans und die Unterstützung von Nachwuchsmusikern. Im Januar 2010 wurde Gábor Boldoczki an die renom­mierte Franz-Liszt-Musik­akademie Budapest berufen, wo er als Professor im Fach Trompete lehrt. Im gerade zu Ende gegangenen ARD Musikwettbewerb saß er in der Jury. Seine aktuelle CD heißt »Bach«. Im Oktober ist er in Bad Wörishofen (1. Oktober), im italienischen St. Ulrich in Gröden (20. Oktober), in Trient (21. Oktober) und im österreichischen Kufstein (22. Oktober) zu hören.

Infos: www.gabor-in-concert.com

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