"From the Highlands" von Marco Pütz

Die Idee zu seinem Werk ?From the Highlands? kam dem Luxemburger Marco Pütz auf einer Schottlandreise. Er kaufte sich am Flughafen Glasgow ein Notenheft mit einstimmigen Liedern aus allen Teilen des Landes. Mit Harmonien, rhythmischen Änderungen und eigenen Ergänzungen machte sich Pütz die Lieder zu eigen und instrumentierte sie für Blasorchester. Mit dem Schwierigkeitsgrad 3 sind sie auch für Jugendorchester spielbar. Das Werk ist in drei Sätze gegliedert, die jeweils den Titel eines schottischen Liedes tragen: ?Skinny Malinky Langlegs?, ?He piped so sweet? und ?Cam? ye o?er frae France?.

Skinny Malinky Langlegs

Marco Pütz beginnt seine Komposition mit einer achttaktigen majestätischen Fanfare in den Trompeten und Hörnern, die zur ersten schottischen Melodie überleitet. Insgesamt ist der Satz sehr übersichtlich aufgebaut: Nach der Fanfare und der Einführung der Melodie wird das Thema zweimal variiert, bevor dann wiederum die Fanfare vom Anfang den Satz beendet. Die Einfachheit der fröhlichen Melodie, die zunächst in F-Dur in den Trompeten und Flöten erklingt, unterstreicht Pütz mit einer einfachen nachschlagenden Begleitung. Ab Takt 17 lassen Sechzehntelketten in den Klarinetten und Altsaxofonen die Begleitung komplexer werden. Das Thema erklingt nun in Des-Dur in der Piccolo-Flöte und der Oboe, während eine Gegenmelodie in den Bassstimmen für zusätzliche Bewegung sorgt. In der zweiten Melodievariation in B-Dur greift der Komponist die Sechzehntel aus der Fanfare auf. Gespielt von gedämpften Trompeten erhält die Melodie einen etwas martialischen Charakter. Die Wiederholung der Anfangsfanfare, die wieder zur Anfangstonart zurückkehrt, runden den Satz harmonisch ab.

The Wedding (He piped so sweet)

Der zweite Satz ?The Wedding? (He piped so sweet) ist der ursprüngliche Ausgangspunkt des gesamten Werks. Andrea Becker, die Schwester eines ehemaligen Schülers von Pütz, gab diesen Satz als Überraschung zum Hochzeitstag ihres Bruders in Auftrag. Als der De Haske-Verlag Pütz später für ein Werk mit dem Schwierigkeitsgrad 3-3,5 anfragte, komponierte dieser dann die Ecksätze dazu.

 

 

 

Der Satz beginnt im Solo-Altsaxofon in einem schreitenden 6/8-Takt, der in zwei Dreiergruppen unterteilt ist. Nach der achttaktigen Phrase stimmt die Flöte in die Melodie mit ein, begleitet vom Klarinettenregister, das die Taktschwerpunkte durch einen Viertel-Achtel-Rhythmus zusätzlich hervorhebt. Wiederum acht Takte später erklingt eine Art Antwort-Melodie im Eufonium, die nachschlagend begleitet wird. Melodisch bleibt der Satz konstant ? nur die Besetzung und Klangfülle ändern sich noch. Nach einer Steigerung durch das Tutti-Orchester dünnt Pütz den Klang wieder aus, der durch die hohe Instrumentierung einen sehr zarten Charakter erhält, entsprechend der Satz-Überschrift "He piped so sweet", also "Er pfeift so süß". In Takt 59 gibt es einen kurzen Zwischenteil: Der Komponist augmentiert ? also vergrößert die Notenwerte - die Melodie, indem er die Taktart zu einem 3/4-Takt verändert. Das Tempo bleibt allerdings gleich, denn es gilt: die punktierte Halbe ist jetzt so schnell wie die punktierte Viertel im vorangehenden 6/8-Takt. Durch Punktierungen auf ersten Zählzeiten und nachschlagende Begleitung wird die Musik schwungvoller. Das Ganze ist jedoch nur ein kurzes Zwischenspiel und bereits nach 16 Takten kehrt wieder alles zum Alten zurück. Pütz schließt den musikalischen Kreis zum Satzanfang, indem ein letzter Melodieausschnitt im Altsaxofon und der Piccoloflöte erklingt.

Cam? ye o?er frae France

Der dritte ist der anspruchsvollste der drei Sätze. Im Anfangsteil wechseln sich 3/8- und 4/8-Takte stetig ab, was die volle Konzentration der Musiker erfordert. Ein flotter Sechzehntel--Achtel-Rhythmus bildet die Melodie, die ? eher ungewöhnlich ? die jeweils dritte Achtel im 3/8-Takt betont. Verstärkt wird dieser Taktrhythmus durch die Begleitung im Saxofonsatz, der auf die erste und dritte Zählzeit spielt. In Takt 23 beginnt ein neuer Abschnitt: Im 2/4-Takt spielt der Hornsatz eine cantable Melodie, die aus punktierten Vierteln und Achteln besteht und zwölf Takte später von den Trompeten übernommen wird. Das schnelle Tempo bleibt allerdings bestehen und auch die Sechzehntelbewegungen ? nun mit fließendem Charakter ? bleiben in den Begleitstimmen erhalten. Im Folgenden wechseln sich 6/8- und 9/8-Takte immer wieder ab, bis schließlich in Takt 79 der erste Teil des Satzes ? eine Quinte höher als zu Beginn ? im Tutti-Orchester wiederkehrt. Mit der vollen Besetzung und einer lauten Dynamik bringt Pütz seine Komposition zu einem fulminanten Abschluss.

Diese Komposition ist Teil eines Projektes zur Ergänzung des Schul- und Jugendorchester-Repertoires. Sie ist besonders gut geeignet für bereits vorangeschrittene Jugendorchester. Der Klangausgleich in Tutti-Passagen wird ebenso gefordert wie kammermusikalische Teile, in denen zwei oder mehrere solistische Instrumente miteinander in einen Dialog treten müssen. Die vielen Taktwechsel und das teilweise flotte Tempo fördern die technischen Fähigkeiten der Musiker. Und trotz des musikalischen Anspruches ? das Tempo kann teilweise sehr flott sein ? werden die Musiker viel Freude mit diesem unterhaltsamen Werk haben!

(Mit freundlicher Genehmigung des De Haske-Verlags veröffentlichen wir einige Notenbeispiele aus der Partitur.)

Von Katja Brunk

  • 16.11.2010
  • Werkvorstellungen

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