Fingerspitzengefühl - Wie Blinde Saxofon lernen

Ob mir wohl die Augen verbunden werden? Bin ich ansonsten nicht eindeutig im Vorteil gegen­über den anderen? wie unterscheidet sich der Instrumental­unterricht wohl? Diese Fragen gehen mir während der vier­stündigen Zugfahrt immer wieder durch den Kopf. Es ist ein sonniger Freitag im April und ich befinde mich Mit einem mulmigen und zugleich gespannten Gefühl auf dem Weg nach Frankfurt – zu einem SaxofonKurs für ­Blinde und Sehbehinderte.

»Sax for Beginners«

Vor etwa sechs Jahren entwickelte Yamaha das Konzept »Sax for Beginners«. Die Teilnehmer haben dabei die Möglichkeit, ohne Vorkenntnisse und ohne jegliche Verpflichtungen in einen Saxofonkurs hineinzuschnuppern und auszuprobieren, ob das Saxofonspiel etwas für sie ist oder nicht. Die Saxofonistin Katja Lau gab in den vergangenen fünf Jahren bundesweit etwa 200 Kurse dieser Art. Inzwischen veranstaltete sie auch fünf Kurse für Blinde und Sehbehinderte. Nachdem die ersten beiden Kurse in Berlin 2010 dermaßen erfolgreich waren und sogar Teilnehmer aus Hamburg und Chemnitz anlockten, wurde darüber auch in der Fachzeitschrift »Gegenwart« für Blinde und Sehbehinderte berichtet.

Es meldeten sich weitere Interessenten. 2014 standen weitere Kurse an, einer in der Landesbibliothek Leipzig und zwei in Frankfurt am Main. Beim zweiten Kurs in Frankfurt bin ich nun selbst mit dabei. Ohne Augenbinde. Und auch hier ist das Interesse enorm.

Teilnehmerin Melanie erzählt in der kurzen Vorstellungsrunde, dass sie extra aus Fürth angereist ist. Mustafa ist Rentner. So lange er noch berufstätig war, fand er einfach nicht die Zeit, nebenher ein Instrument zu erlernen. Er freut sich deshalb ganz besonders über die Möglichkeit, das Ganze hier einmal erleben zu können. Auch Brigitte, die Organisatorin des Kurses, verrät lachend, dass sehr viel Eigennutz hinter ihrem Engagement steckt. Sie hatte sich vor ein paar Jahren schon überlegt, zu einem Kurs nach Berlin zu fahren. Nun ist sie umso glücklicher, dass der Kurs hier stattfinden kann.

»Man muss alles einmal ausprobieren«

Einige Teilnehmer haben bereits musikalische (Vor-)Kenntnisse: Chantalle hat früher Klavier gespielt, Mark hat sich bereits an der Trompete versucht und die meisten hatten irgendwann schon einmal eine Blockflöte in der Hand. »Man muss alles einmal ausprobieren« – so lautet die Devise der Teilnehmer.

Diese positive, erwartungsvolle Stimmung nutzt Katja als Einstieg. In einem Halbkreis hat sie die acht Koffer schon bereitgestellt und die Instrumente funkeln verheißungsvoll daraus hervor. Während sie noch damit beschäftigt ist, mir und den sieben anderen jeweils einen Platz vor dem Instrument zuzuweisen, befühlen die ersten schon vorsichtig und gespannt den Inhalt ihres Instrumentenkoffers.

Bevor es aber so richtig losgehen kann, bringt uns Katja zumindest ein bisschen theoretisches Grundwissen rund um das Holzblasinstrument näher, schließlich gibt es nicht nur einen Saxofontyp. Im Kurs verwenden wir Altsaxofone. Wie unterschiedlich bereits dieses Instrument klingen kann, verdeutlicht sie uns anhand verschiedener Hörbeispiele. Die Spannung im Raum steigt spürbar. Dennoch demonstriert Katja auch noch Klangbeispiele für das etwas größere und tiefer klingende Tenorsaxofon. Auch dafür finden sich sofort begeisterte Anhänger. Melanie zum Beispiel gefällt dieser Klang auf Anhieb deutlich besser. Da das Tenorsaxofon aber um einiges größer ist, machen sich manche Sorgen, ob sie dafür nicht möglicherweise ein bisschen zu klein sind oder ob ihnen das Instrument nicht zu schwer ist.

Das Startsignal

Dennoch wollen wir so langsam selbst mit dem Spielen anfangen und endlich gibt Katja das Startsignal. »Am Ende des Kurses werden wir übrigens schon einen kurzen Song zusammen spielen können«, kündigt sie überzeugend an. Da bin ich ja mal gespannt.

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  • 09.09.2016
  • Szene & Leute
  • Cornelia Härtl

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