Ernst Hutter hat das letzte Wort

Ernst Hutter ist einer dieser Protagonisten der Bläserszene, die man eigentlich nicht groß vorstellen muss. Wir sprachen mit dem Leiter der "Egerländer Musikanten" über seinen Beruf, seine Söhne und natürlich Ernst Mosch. Im Interview verriet er uns außerdem, was er macht, anstatt sich selbst zu googeln...

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, einen "ordentlichen Beruf" gewählt zu haben?

Das weiß ich schon gar nicht mehr so genau… Ich liebe meinen Beruf und deshalb kann ich mit den Besonderheiten darin sehr gut umgehen. Aber ganz sicher habe ich mich schon mal darüber geärgert, das eine oder andere schöne Familienfest zu versäumen, wenn ich mal wieder on Tour war.

Wann war das letzte Mal, dass Sie an Ernst Mosch gedacht haben?

Eigentlich denke ich sehr oft an ihn, besonders wenn wir auf der Bühne sind. Ich bin 13 Jahre mit ihm zusammen gewesen, da habe ich viele Facetten von ihm kennengelernt. Bei der einen oder anderen Situation kommen diese immer wieder in Erinnerung.

Wann war das letzte Mal, dass Sie im Heimatmuseum in der Eselsmühle waren?

Das ist leider schon länger her. Vor fünf/sechs Jahren hatten wir eine TV-Aufnahme mit dem Bayerischen Rundfunk in Wangen, dort wurde auch im Heimatmuseum gedreht.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Karaoke gesungen haben?

Ob Sie es glauben oder nicht, das habe ich noch nie gemacht.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Na ja, ich verbiete mir eigentlich, zu viel zu essen oder zu trinken, das ist leider jetzt über die Weihnachtsfeiertage ordentlich schief gegangen. (lacht)

Wann war das letzte Mal, dass Sie "so richtig" Urlaub gemacht haben?

Wenn damit ein Urlaub von etwa zwei bis drei Wochen gemeint ist, dann war dies bestimmt vor etwa 20 Jahren. Seither versuche ich, mich mehrmals im Jahr mit Kurzurlauben etwas zu entspannen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie im Egerland waren?

2011 im Rahmen unseres Open-Air-Konzerts in Cheb/Eger und eines TV-Drehs des MDR.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein?

Eigentlich gibt es genug Gründe, zu wissen, dass wir in einer sehr komfortablen Zeit leben. Allerdings wünsche ich mir öfters die Zeiten zurück, in denen Anstand, Moral und auch Ehrlichkeit mehr Konjunktur hatten. Außerdem gab es für Instrumentalisten und größere Bands auch schon schönere Zeiten, vor allem in den Medien werden wir heutzutage schon benachteiligt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Musik-Kollegen beneidet haben?

Ich habe meinen Ex-Chef Erwin Lehn immer darum beneidet, dass er zu seiner Zeit vom damaligen Süddeutschen Rundfunk (SDR) ein großzügiges Budget zur Verfügung bekam, um mit einer tollen Band arbeiten zu können.

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit sich selbst unzufrieden waren?

Oje, dies geschieht leider viel zu oft… Und das hat nicht nur damit zu tun, dass ich als Musiker hohe Ansprüche an mich selbst stelle.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich selbst gegoogelt haben?

Das überlasse ich anderen... Allerdings schaue ich mich oft genau im Spiegel an. (lacht)

Wann war das letzte Mal, dass einer Ihrer Söhne "eine Woche Hausarrest!" hatte?

Das ist schon lange her, eigentlich gab es nur in den Schulphasen der Pubertät die eine oder andere Meinungsverschiedenheit. Zu meinen Jungs habe ich ein tolles Verhältnis, sie haben mir das Leben als Vater bisher sehr schön gemacht. (lacht)

Wann war das letzte Mal, dass Sie gedacht haben: "Typisch deutsch!"?

Ich glaube, dies war im Zusammenhang mit einem Fußballspiel und der Reaktion des Publikums auf einen Fehler des Trainers. Wir sind schon oft ein Völkchen der Bedenkenträger und Besserwisser. Unterstützung von Optimismus ist bei uns leider oft genug eine Seltenheit.

Wann war das letzte Mal, dass Sie wussten: "Das Feuer brennt weiter!"

Beim letzten Konzert mit den "Egerländern – Das Original" und eigentlich immer, wenn ich erfreute Reaktionen eines Publikums bei einem Live-Konzert erlebe. Das Feuer, das in Musik steckt, muss man immer wieder live neu entfachen, und dann wird man feststellen, dass Zuhörer, die emotional von etwas gepackt sind, dies immer wieder als eine neue schöne, momentane Erfahrung erleben.

Ernst Hutter

Sein Weg schien bereits früh vorgezeichnet: Der 1958 im Allgäu geborene musikalische Leiter der"Egerländer Musikanten" wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf. Der Vater als langjähriger Dirigent des Musikvereins Roggenzell hat dem kleinen Ernst von Kindesbeinen an die Liebe zur Musik und speziell in der geblasenen Form weitergegeben.

Er studierte in Stuttgart und bereits während seines Studiums erhielt Hutter 1985 seine erste berufliche Anstellung als Stadtkapellmeister in Herrenberg. Im selben Jahr engagierte ihn Ernst Mosch als Tenorhornist bei den Original Egerländer Musikanten.

Nach Moschs Tod 1999 übernahm Hutter schließlich die Egerländer Musikanten. Hutter ist zudem unter anderem Leadposaunist bei der SWR Big Band. Auch 2018 touren die Egerländer wieder. Das Motto: "Das Feuer brennt weiter".

www.die-egerlaender.de

  • 28.02.2018
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 2/2018
  • Seite 72-73

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