Eric Whitacre hat das letzte Wort

  • 28.02.2013
  • Das letzte Wort

Die Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, ist aber »anders«. Durch un­gewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie wünschten, einen »ordentlichen Job« gewählt zu haben?

(lacht) Das passiert so oft, dass ich gar nicht mehr weiß, wann das letzte Mal war. Letzte Woche ist mir das gleich zwei Mal passiert. Ich bin ja momentan auch Redner auf Veranstaltungen. Und manche Veranstalter wollen immer eine Kombination aus Live-Musik und Technologie. Und das ist nicht so einfach. Wenn ich ein bisschen mehr gelernt hätte früher, hätte ich vielleicht Architekt sein können.

Wann war das letzte Mal, dass Sie über die Unterschiede von Amerikanern und Europäern nachgedacht haben?

Gestern Abend, als ich in mein Hotel eincheckte. Es gibt so viele Dinge, die man in Europa beachten muss. Wenn du in dein Hotelzimmer kommst, musst du die Zimmerkarte in diesen Schlitz stecken – andernfalls hast du keinen Strom. In Amerika läuft der Strom ununterbrochen. Die Toiletten haben zwei verschiedene Knöpfe für mehr oder weniger Wasser. Gibts nicht in Amerika. Rolltreppen! Hier laufen die nicht, solange du nicht drauf stehst. In Europa ist die Gesellschaft auf Effizienz und Nach­haltigkeit ausgerichtet. In Amerika eher nicht.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihren Grammy abgestaubt haben?

Ich habe meinen Grammy ewig nicht angefasst. Er steht direkt neben dem Grammy meiner Frau. Und ihrer sieht irgendwie blanker aus. Ist der öfters geputzt worden? Vielleicht sollte ich einen neuen gewinnen!

Wann war das letzte Mal, dass Sie ohne Facebook, Twitter usw. waren?

Ich kann mich wirklich nicht erinnern. Das muss vor der Erfindung des iPhone ge­wesen sein. Es kommt ab und zu mal vor, wenn ich unterwegs bin, dass ich nicht erreichbar bin. Und ehrlich: Es fühlt sich befreiend an, großartig! Aber nach zwölf Stunden wirds dann doch schwer. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie in den Abbey Road Studios waren – und haben Sie den »Geist der Beatles« gespürt?

Das war vor einem Jahr. Die Abbey Road Studios bestehen ja aus drei Haupt-Studios. Ich bin immer im Studio One ge­wesen, wo die Filmscores eingespielt werden. Und dann sitzt du da drin und denkst: Mein Gott, Elgar hat hier dirigiert, Starwars ist hier entstanden, Harry Potter und tausende andere Soundtracks. Das Studio Two, das immer noch benutzt wird, ist komplett erhalten. Man geht da hinein und es sieht noch genau so aus wie damals, als die Beatles ihre Alben aufgenommen haben. Es war für mich, als ginge ich in eine Kirche, einen Tempel. Ich konnte nicht glauben, dass mich das so berühren würde. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Kürzlich, als ich mit meiner Frau den Film »The Master« von Paul Thomas Anderson gesehen habe. Der Soundtrack ist von ­Jonny Greenwood, Gitarrist bei Radiohead und klassischer Komponist. Dieser Soundtrack ist so herzzerreißend schön...

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein Kino verlassen haben, weil die Musik so schlecht war? 

Es gibt da diesen Film »Mission to Mars« und die Musik ist von Ennio Morricone – ­einer meiner Lieblings-Filmkomponisten. Aber aus irgendeinem Grund ist die Musik dieses Films so schlecht. Wirklich richtig schlecht.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich wünschten, in einer anderen Epoche geboren zu sein? 

Ich habe mich neulich sozusagen mit mir selbst unterhalten. Selbstverständlich vergleiche ich mich niemals mit Bach oder ­Mozart, Mahler oder Beethoven, aber das waren Komponisten und in deren Leben gab es keine Telefonanrufe, E-Mails, Me­dien. Natürlich gab es da auch Ablenkungen, doch ich bin sicher, dass man damals mehr Zeit hatte, sich zu konzentrieren. Mahler etwa blieb den ganzen Sommer über in seinem Sommerhaus und schrieb. Das wäre was: Mal einen Monat nur komponieren – kann ich mir gar nicht vorstellen. Eine ­Woche würde mir ja schon reichen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in Reno/Nevada zum Skilaufen waren? 

Ich bin schon lange nicht mehr gefahren. Aber jetzt, wo mein Sohn sieben ist, werde ich in den Ferien mit ihm Skifahren gehen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Mein amerikanischer Führerschein ist abgelaufen. Und ich benutze ihn in Europa immer noch. Im Sommer bin ich durch ganz Europa gefahren – habe also ständig das Gesetz gebrochen... 

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Nacht durchgemacht haben?

Das war mein 30. Geburtstag. Das ist 13 Jahre her. Das war die Party, die mich beinahe umgebracht hätte. Das war die beste und härteste Party meines Lebens.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in den Abbey Road Studios waren - und haben Sie den »Geist der Beatles« gespürt?

Das war vor einem Jahr. Und ja. Die Abbey Road Studios bestehen ja aus drei Haupt-Studios. Ich bin immer im Studio One gewesen, wo die Filmscores eingespielt werden. Und dann sitzt du da drin und denkst: Mein Gott, Elgar war 1934 hier und hat dirigiert. Starwars ist hier entstanden, Harry Potter und tausende andere Soundtracks. Und natürlich waren die Beatles einige Male hier. Das Studio Two, das immer noch benutzt wird, ist komplett erhalten. Man geht da hinein und es sieht noch genauso aus wie damals, als die Beatles ihre Alben aufgenommen haben. Es war für mich, als ginge ich in eine Kirche ein Tempel. Ich konnte nicht glauben, dass mich das so berühren würde. Und in den Studios stehen überall noch die alten Maschinen aus den 60ern herum, von denen du genau weißt, dass die Beatles sie benutzt haben.

Wann war das letzte Mal, dass Sie an Mozart gedacht haben?

Das ist zwei Tage her. Jemand sagte zu mir: Bach erzählt uns, wie das Universum ist, Beethoven erzählt uns, wie er ist und Mozart erzählt uns, wie er sein will und wie er die Welt gerne hätte. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber es klingt schön.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihren Lieblingssport live gesehen haben?

Vor anderthalb Jahren hab ich mit meinem Sohn ein Baseball-Spiel in Pittsburgh angeschaut, weil meine Frau dort einen Auftritt hatte. Es war ein perfekter Tag!

Wann war das letzte Mal, dass Sie über Hurrican Sandy gesprochen haben?

Ich habe kürzlich mit einem Freund in New York telefoniert. Wir haben festgestellt, dass die Medien schon gar nicht mehr berichten. Dabei sind die Zerstörungen noch immer allgegenwärtig. Wissenschaftler bestätigen ja schon länger das Global Warming, und dass Hurrikans auch dadurch ausgelöst werden. Das ist auch ohne Zweifel wahr. Allerdings würde ich das nicht für jeden Amerikaner unterschreiben.

Infos: www.ericwhitacre.com

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