Emile Parisien hat das letzte Wort

  • 07.11.2016
  • Das letzte Wort

Die CLARINO-Serie "Sie haben das letzte Wort" ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus "normalen" Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten…

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihre Auszeichnungen abgestaubt oder gereinigt haben?

Die dürften in der Tat schon ziemlich schmutzig sein... Denn das ist eine Weile her. Vielleicht sollte ich das wieder einmal machen...

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, einen "ordentlichen" Beruf gewählt zu haben?

Musiker zu sein ist der beste Beruf, den es gibt. Ich bin sehr glücklich damit. Ich habe noch nie daran gedacht, etwas anderes zu machen. Und ehrlich gesagt wüsste ich überhaupt nicht, was das dann sein sollte.

Wann war das letzte Mal, dass Sie über die unterschiedliche Mentalität von Franzosen und Deutschen nachgedacht haben?

Solange Menschen aus Deutschland und Frankreich zu meinen Konzerten kommen, möchte ich da überhaupt keine Unterschiede machen. Wir sind eine große Familie, die Leute sind aufgeschlossen und vorurteilsfrei, neugierig und höchst willkommen. Wir spielen für alle mit demselben Aufwand.

Wann war das letzte Mal, dass Sie beim Festival "Jazz in Marciac" aufgetreten sind? Welches ist Ihr bisheriges Highlight?

Ich bin erst diesen Sommer in Marciac aufgetreten. Und zwar in einem Quartett mit Jean-Paul Celea, Wolfgang Reisinger und es war das erste Mal, dass ich Dave Liebman getroffen hab. Es war unglaublich!

Ein Highlight ist mit Sicherheit auch dieses Jahr passiert. Hier habe ich im Sommer zum ersten Mal mein neues Album "Sfumato" präsentiert und wir haben mit der gesamten Band und allen Gästen auf der größten Bühne gespielt: Joachim Kühn, Mario Costa, Vincent Peirani, Michel Portal, Simon Tailleu and Manu Codjia. Es war fantastisch!

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Ratschlag von Michel Portal befolgt haben (und welcher was das)?

Das war diesen Sommer. Wir hatten einige Open-Air-Konzerte gegeben, was nicht immer das Allerbeste für Blasinstrumente ist. Einige Klappen klemmten und klebten, woraufhin Michel mir vorschlug, ein bisschen Talkumpuder – dieses weiße Puder für Babys – auf die Klappe zu geben. Und es hat funktioniert! Aber eigentlich muss Michel nicht besonders viel reden. Musikalisch folgst du ihm einfach. Und ich lerne ständig von ihm.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Hm, gestern? Wenn man das immer noch illegal nennen darf...

Wann war das letzte Mal, dass Sie an John Coltrane gedacht haben?

John Coltrane ist ständig da – in meinen Gedanken.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich selbst gegoogelt haben?

Das muss ich nicht. Google sendet mir immer die Links, wenn etwas "Interessantes" mit mir passiert.

Wann war das letzte Mal, dass Sie über die Pont Valentré in Cahors gegangen sind?

Das ist schon so lange her, ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern. Vielleicht ist das jetzt 15 Jahre her? Am besten kenne ich den Bahnhof von Cahors. Von dort nämlich fahre ich aufs Land, um meine Eltern zu besuchen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie im Bett gefrühstückt haben?

Wenn ich die Möglichkeit habe, meine Freundin zu sehen – was tatsächlich nicht oft vorkommt –, erlauben wir uns, einen Kaffee im Bett zu trinken. Ausgiebig im Bett gefrühstückt haben wir das letzte Mal um die Weihnachtsfeiertage herum.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, in einer anderen Zeit geboren zu sein?

Ich hätte gerne Miles Davis und John Coltrane im Jahr 1959 in einem Club in New York als Zwanzigjähriger erlebt. In den 1960ern und 1970ern hätte ich gerne gelebt. Und dafür gibt es sehr viele gute Gründe. Allein die vielfältige Musik dieser Zeit ist so wahnsinnig interessant. Außerdem mag ich die Mode und den Stil, die Mentalität. Evolution, Freiheit!

Wann war das letzte Mal, dass Sie lieber die Trompete statt des Saxofons gewählt haben?

Niemals!

Wann war das letzte Mal, dass Sie Karaoke gesungen haben?

Nehmt mich auf keinen Fall in euer Team! Ich bin der Allerschlechteste.

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Kollegen beneidet haben?

Ich kenne und mag dieses Gefühl von Neid nicht. Ich tue, was ich kann und freue mich für meine Kollegen.

Über Emile Parisien

Vital, neugierig und progressiv setzt die französische Szene wichtige Wegmarken für die Entwicklung des zeitgenössischen europäischen Jazz. Trotz aller Offenheit gegenüber Musikkulturen, Genres und Strömungen hat sie aber nie die Bodenhaftung verloren.

Fortschritt auf den Füßen der eigenen Tradition charakterisiert Frankreichs Jazz und der Saxofonist Emile Parisien (Jahrgang 1982) ist einer seiner Protagonisten: ein Jazzvisionär, der mit einem Bein in der Vergangenheit steht und den Blick weit nach vorne richtet. Das macht ihn zur "besten Neuigkeit des europäischen Jazz seit langem" (Le Monde), dem "ungeteilte Aufmerksamkeit" (Norddeutscher Rundfunk) geschenkt werden sollte.

Emile Parisien besuchte das Collège de jazz von Marciac. Er vertiefte seine Kenntnisse am Konservatorium von Toulouse. Dort studierte er gleichermaßen klassische und zeitgenössische Musik sowie Komposition.

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