Ein Blick hinter die Kulissen von Bw-Musix

  • 15.11.2016
  • Szene & Leute
  • Christine Engel

29 teilnehmende Orchester, über 1000 Musiker, zwölf Juroren und zwei Musikkorps, die Konzerte geben und Workshops leiten. Außerdem ein großes Rahmenprogramm, wie einen Kino-, Jazz- und einen Partyabend. Das ist BW-Musix. Um dieses große Event organisatorisch zu bewältigen, braucht es ein funktionierendes Team im Hintergrund. Etwa 25 Menschen bilden diese BW-Musix Familie. Sie ist wie ein gut laufendes Uhrwerk. Jedes Zahnrad, klein oder groß, hat seine Aufgabe, die es gilt, gewissenhaft auszuführen. An dieser Stelle wollen wir einige Macher und Helfer vorstellen:

Oberstabsfeldwebel Sven Kempe (47), Organisator von BW-Musix

"Feel free" – sein Motto, sein Spruch. Diesen Freigeist gibt der "BW-Musix-Organisator" gerne an seine Mitarbeiter weiter, damit die kreativ arbeiten können. Mit ein Grund für den Erfolg des Festivals. Der andere: Sein Umgang mit dem Team. Manchmal sind sie für ihn zwar liebevoll "lauter (Bw-Musix)-Bekloppte" inklusive ihm, das volle Vertrauen ist aber stets zu 100 Prozent da. Würde er die Motivation seiner Mitarbeiter definieren, die Antwort wäre: "Die sind alle heiß wie Frittenfett." Dieser und andere markigen Sprüche und Running Gags durchziehen die Festival-Tage.

Als Oberhaupt der BW-Musix-Familie kümmert er sich zudem kulinarisch um sie. Mit Schokolade, Gummibärchen und natürlich mit seinem legendären Pulled Pork, das der pfeifenrauchende Grillmeister neun Stunden auf dem Kugelholzkohlegrill schmoren lässt. Der aus dem Grenzland zwischen Baden und Schwaben stammende ehemalige Kompaniefeldwebel des Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr freut sich riesig, wenn es im Versorgungszelt bei BW-Musix Linsen mit Spätzle gibt. "Das ist für einen Schwaben Pflicht".

Für ihn ist die Arbeit im Zentrum Militärmusik der Bundeswehr (ZMilMusBw) in Bonn und rund um BW-Musix ein Volltreffer. "Mein absoluter Traumjob" – diese Haltung spiegelt sich in seiner Arbeit. Oder: "Alles jot", wie Sven Kempe den rheinländischen Dialekt seiner neuen Heimat imitiert.

Oberfeldwebel Alina Krämer (26), Saxofonistin im Heeresmusikkorps Neubrandenburg und Oberfeldwebel Laura Meyer (27) Klarinettistin im Heeresmusikkorps Kassel

Die Musikerinnen sind neu im Orga-Team BW-Musix. Alina Krämer war mit dem ZMilMusBw auf der Musikmesse in Frankfurt. Dort wurde vereinbart, dass sie mit nach Balingen fährt. Laura Meyer hingegen war  mit ihrem Musikkorps schon einmal auf dem Wettbewerb und leitete dort den Klarinettenworkshop. "Mit den Kindern hat das super geklappt und daher wurde ich gefragt, ob ich im Orga-Team mitwirken will."

Zusammen mit Alina bekam sie die Aufgabe gestellt, den ersten Spielevormittag für Bläserklassen am Freitag zu konzeptionieren. Vor dem Wettbewerb hatten sich die jungen Frauen deshalb einige Male getroffen und die Köpfe rauchen lassen. Herausgekommen ist ein top Ergebnis.

"Wir sind total zufrieden. Unser Plan ist aufgegangen. Wir waren zuvor ein wenig nervös, dass die Kinder keine Lust haben, aber das war nicht der Fall." Nun können sich die beiden vorstellen, den Spielevormittag in Zukunft zu wiederholen oder andere Aufgaben bei BW-Musix zu übernehmen. Ihr Fazit: "Es war einfach toll, in absoluter Eigenverantwortung zu arbeiten."

Nadine Rentel (30), Marketing und Vertrieb für Blasinstrumente bei Yamaha

Die Frau bei BW-Musix von Yamaha – das ist Nadine Rentel. "Ich mache das für Yamaha, was Sven Kempe für die Bundeswehr macht." Bedeutet: Organisieren. Sie stellte im Voraus den Kinoabend, das Konzert mit der Band Jazul sowie die Musikerparty auf die Beine. Außerdem ist sie für das Instrumentenzelt mit den Instrumentendoktoren sowie für das  Schlagwerk auf der Bühne verantwortlich.

Nadine Rentel ist das sechste Mal bei BW-Musix dabei. "Das hat sich damals durch den Job ergeben. Dann hat das so gut geklappt, also habe ich das weiter gemacht." Die Wochen vor BW-Musix seien immer besonders stressig. "Pokale, Taschen, Sonderpreise und Instrumente. Wie viel braucht man, wie viel muss man noch besorgen. Das richten wir ja alles nach der Teilnehmerzahl aus und da kann sich immer was ändern." Vor Ort halte sich der Stress in Grenzen. Der Grund: "Weil wir so ein gut eingespieltes Team sind."

Michael Renner (26), Stabsunteroffizier und stellvertretender Leiter des Spielmannszugs des Musikkorps der Bundeswehr

Ohne ihn und seinen neun Mädels und Jungs vom Spielmannszug würde vieles nicht so flutschen, wie es jetzt tut. Sie bauen nach jedem Vortrag die Bühne um, montieren das Schlagwerk auf und ab, stellen das Verpflegungszelt auf und und und.

Michael Renner ist der Verantwortliche für den Spielmannszug, gibt sich aber bescheiden: "Ich mache zwar die Einsatzplanung und koordiniere die Arbeiten des Spielmannszugs bei BW-Musix, aber die Mädels und Jungs können sich sehr gut selbst organisieren. Da brauche ich sie bloß ein wenig anschubsen, dann klappt alles".

Insa Wasserberg (41) Kinderkrankenschwester, Mitglied im Jugendrotkreuz und der Wasserwacht, aus Garmisch-Partenkirchen

Wenn man jemanden als gute Seele bezeichnen kann, dann Insa. Dort ein Pflaster, hier ein Tröster und drüben eine Umarmung. Für BW-Musix hat sich die Kinderkrankenschwester aus Krün nahe Garmisch-Partenkirchen und gebürtige Ostfriesin extra Urlaub genommen, um ehrenamtlich mitzuhelfen. "Ich betreue bis zu 240 Kinder in der Turnhalle, wo sie übernachten. Ich bin dort der Ansprechpartner für kleine Wehwehchen und achte darauf, dass nichts kaputt geht und die Regeln eingehalten werden."

Zu ihrem Job bei BW-Musix kam Insa über Sven Kempe, den sie privat kennt. 2Der rief mich mal an, weil er einen kinderkompatiblen Sanitäter suchte."

Mittlerweile ist sie zum vierten Mal bei BW-Musix in Balingen dabei. "Ich hatte vorher überhaupt nichts mit Bundeswehr zu tun und wusste nicht, was auf mich zukommt. Aber als ich das erste Mal um die Ecke bog, wurde ich sofort freudig begrüßt und bekam verantwortungsvolle Aufgaben."

Für  Hobbytrompeterin Insa ist BW-Musix ein Abschalten vom Alltag. "In meinem Job arbeite ich immer mit kranken Kindern und hier habe ich lauter gesunde Kinder um mich herum. Das ist ein totaler Kontrast."

Wolfgang "Wolle" Schneider (53),  Zivilkraftfahrer beim Musikkorps der Bundeswehr

Wolle Schneider ist Wiederholungstäter. Zum dritten Mal bietet er mit seinem großen Bus des Musikkorps der Bundeswehr den Shuttle-Service für die Orchester. Er fährt die Kinder zu den Einspielräumen, die in Balingen verteilt sind, oder zu den Workshops. Zwischendrin sieht man ihn immer anpacken. Viel rödeln, so sagt Wolle, das möge er.

"BW-Musix ist ein ganz anderer Einsatz als sonst", erzählt er im breitesten Kölsch weiter. "Bei den Musikkorpseinsätzen fährt man hin und sofort wieder zurück. Hier ist viel mehr drumherum. Da kommt man mit vielen jungen Menschen zusammen." Das Schönste für ihn seien immer die glücklichen und erleichterten Kindergesichter, wenn die Orchester von einem Wettbewerb kommen.

Spaß machen ihm die Big Band Konzerte mit der anschließenden Party. Dort wirkt Wolle auf der Tanzfläche genauso jung wie die Partygäste der Jugendblasorchester. Verstecken tut er sich nicht, denn sein Motto lautet: "Ich bin so, wie ich bin und ich bleibe so, wie ich bin."

Oberfeldwebel Dennis Bornschein (31), Logistiker im Zentrum Militärmusik

Dennis Bornschein ist zum ersten Mal bei BW-Musix dabei. "Ich habe mich freiwillig gemeldet, um dieses sagenumwobene Event einmal kennenzulernen." Bekannt ist es ihm aus Erzählungen in den Fluren des ZMilMusBw, denn dort ist er als Feldwebel für die Materialbewirtschaftung verantwortlich. "Ich besorge den Musikkorps alles vom Kopierer bis zum Aktenvernichter." Ins Zentrum hat sich der ursprüngliche Fernmelder versetzen lassen, weil er selbst in einem zivilen Spielmannszug seine Freizeit verbringt.

Bei Bw-Musix ist Dennis Bornschein als Fahrer eingesetzt. "Ich fahre die Jurymitglieder zum Bahnhof und zum Flughafen, beziehungsweise hole sie dort ab. Ansonsten unterstütze ich überall da, wo es brennt und wo man mit anpacken kann."

Über Autorin Christine Engel

Christine Engel (35) arbeitet eigentlich freiberuflich im Bereich Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit. Sie hat sich auf Musik und insbesondere Blasmusik sowie den Schwerpunkten Soziales und Bildung spezialisiert.

Vor ihrem Studium der Journalistik und Musikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt war sie selbst vier Jahre lang Soldatin und spielte Klarinette im Heeresmusikkorps Ulm. Bei BW-Musix leistete sie als Reservesoldatin eine Wehrübung ab.

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