Ein Bierflaschen-Recycling-Trompeten-Dämpfer im Test

Blasmusik und Bier. Ein Klischee. Trotzdem hat Trompeter und Tüftler Michael T. Otto diese beiden Komponenten eindrucksvoll miteinander verbunden. Zudem tut man auch noch was für die Umwelt – Stichwort Recycling. Und ein Hingucker ist der Dämpfer allemal. Wir haben ihn ausprobiert.

Der erste Eindruck

Vor mir steht tatsächlich eine Aluminium-Bierflasche der Marke Warsteiner. Laut Verkäufer/Hersteller aus limitierter Sonderabfüllung und ein Sammlerstück. Also quasi einzigartig. Am Flaschenhals befinden sich die Korkenstreifen und mitgeliefert ist ein extra angefertigter Cup-Deckel. Es handelt sich also um einen Kombinationsdämpfer Straight/Cup.

Neugierig stecke ich den Straight in meine B-Trompete und stelle fest: Erstaunlich angenehm! Der Klang ist aber keine wirkliche Neuentdeckung.

Test

Zur besseren Einordnung und Orientierung ziehe ich Dämpfer der Marken Tom Crown (Straight mit Messingboden), Denis Wick (Kombidämpfer Straight/Cup) und JoRal (Cup Dämpfer) hinzu.

Bei Dämpfern kommt es auf zwei Kriterien an:

  1. Klang (individueller Geschmack oder speziell vom Dirigenten gefordert)
  2. Bläserische Aspekte wie Ansprache, Spielgefühl und Intonation. Auf jeden Fall sollten die Spieleigenschaften so nahe wie möglich an das Spiel ohne Dämpfer heranreichen.

Straight-Bierflasche

Wie schon erwähnt, eröffnet sich da keine neue Klangwelt – was auch zu erwarten war, da auch die Standard-Vergleichsdämpfer aus Aluminium gefertigt sind. Die Ansprache ist gut, im Vergleich zu Tom Crown und Denis Wick aber einen Tick schlechter.

Das Spielgefühl ist angenehm, allerdings ist die dynamische Bandbreite im Unterschied zu den Vergleichsdämpfern, vor allem im Forte-Bereich, doch etwas gedrosselt.

Intonation

Prima! Der geneigte Leser möge sich erinnern: Ich spiele auf einem Bierflaschendämpfer! Unter c¹ hat der Dämpfer insgesamt leichte Schwächen in Ansprache, Spielgefühl und Intonation.

Cup-Bierflasche

Klang: Durch den langen Flaschenbauch gewinnt man durch Verschieben des Cup-Deckels mehr Klangvariabilität als bei JoRal und sogar im Vergleich zum Denis Wick – von leichtem Cup- bis zum »Ich-spiel-durchs-Telefon«-Sound. Ein echtes Plus!

Die Spieleigenschaften des Straight bleiben erhalten, wobei mir persönlich die Cup-Variante mehr Spaß macht.

Fazit

Ein Sammlerstück zum Spielen! Dafür, dass es eine Bierflasche ist, funktioniert es grandios. Ich habe schon auf Dämpfern vieler Marken gespielt und dort die ein oder andere Katastrophe in Händen gehalten.

Interview mit dem Hersteller Michael T. Otto

Lieber Herr Otto, klischeehafterweise ist ja der Weg für Trompeter vom Bier zum Instrument und wieder zurück nicht weit. Dennoch die Frage: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Bierflasche in Ihr Instrument zu stecken?

(lacht) Durch eine Begegnung mit dem Trompetenkollegen Johannes Bär! Und zwar nicht an der Theke. Im Januar 2018 war ich erneut mit dem »Boden Art Orchestra« unterwegs und da hatte besagter Kollege einen selbstgebastelten Bierflaschen-Straight-Mute dabei.

Erstaunt darüber, dass es überhaupt Aluminium-Bierflaschen gibt, probierte ich und war verblüfft, dass der Klang und die Intonation so gut ist. Kokett sagte Bär: »Das wäre doch mal eine weitere Idee für dich!« Gesagt – getan! Mir war von Anfang an klar, dass ich auch einen Cup-Mute machen wollte.

Was sind das für Flaschen und wie beziehen Sie sie?

An diese Flaschen heranzukommen ist in der Tat schwierig. Wenig Brauereien führen sie im Sortiment und das sind dann auch noch Sonderabfüllungen. Deshalb sind sie auch bei Sammlern sehr begehrt und damit teuer.

So mancher Dämpfer hat diesem Umstand auch einen stolzen Preis zu verdanken, das Standardmodell ist aber bezahlbar. Einzigartig wird es auch dadurch, dass es ein Recycling-Produkt ist und das gibt es meines Wissens in der Musikbranche nicht oft!

Der Cup-Deckel ist ja kein Recycling-Produkt. Wie stellen Sie diesen her?

Mithilfe der 3-D-Drucker-Technologie. Für mich nahliegend, da ich momentan auch noch bei anderen Produkten, zum Beispiel dem SOball für JoyKey, mit dieser Technik arbeite. Nach einigen Experimenten wird der Cup mit hochwertigem Epoxidharz in einer 3-D-gedruckten Form gegossen.

So konnten wir auch eine Transparenz erzeugen, die die unterschiedlichen Sammlerflaschen voll zur Geltung kommen lässt. Das hochwertige Epoxidharz verändert auch bei Lichteinfluss nicht die Transparenz und ist sehr robust.

Nebenbei können wir in das Harz auch Gegenstände mit eingießen. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Wird es in Zukunft weitere Modelle oder Weiterentwicklungen geben?

Wir planen, in näherer Zukunft auch die Cup-Deckel noch individueller, einzigartiger zu gestalten. In Planung ist auch, dass diverse bildende Künstler die Aluflasche und den Cup-Deckel designen.

Und natürlich noch die Frage: Wo kann man die Dämpfer kaufen?

Hauptsächlich über meinen Internetshop »Die Flüsterei«, aber auch über ausgewählte Fachhändler, wie zum Beispiel das Musikhaus Spada in der Schweiz und das Musikhaus Kiefl in Österreich.

Vielen Dank für das Gespräch!

Gerne!

whisper-penny-shop.de

  • 18.07.2018
  • Test
  • Daniel Ackermann
  • Ausgabe: 7-8/2018
  • Seite 18-19

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