Dorothee Oberlinger hat das letzte Wort

  • 17.05.2013
  • Das letzte Wort

Die CLARINO-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal ­andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, statt der Blockflöte das Saxofon gelernt zu haben?

Das habe ich mir nie gewünscht. Aber vor einem Jahr war ich Jurorin in einem Holzbläserwettbewerb, wo ganz tolle junge Saxo­fonisten mit von der Partie waren. Zugegeben ein wunderbares Instrument!

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Als meine Oma gestorben ist vor kurzem. Sie hat mit ihren 99 Jahren ja fast ein ganzes Jahrhundert geschafft. Sie war eine echte Instanz und ein Vorbild für mich.

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?

Jetzt gerade bin ich viel zu Hause, da unser erstes Kind in ein paar Tagen auf die Welt kommt. Zu Hause sein ist für mich »richtig Urlaub«, denn auf Reisen bin ich so oft. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Ich kriege schon Herzrasen, wenn nur ein Polizeiauto an mir vorbeifährt, mein Freund macht sich immer darüber lustig. Trotzdem bin ich kürzlich mit Handy am Steuer erwischt worden. Der Polizist riet mir, es demnächst besser unter meinen langen Haare zu verstecken.

Wann war das letzte Mal, dass Sie auf Stings Geburtstagsfeier gespielt haben?

Das letzte Mal war auch das einzige Mal, es ist ja nicht so, dass ich ständig auf Promi-Geburtstagen herumflöte. Es war, glaube ich, 2006 in Portofino, das ist diese italienische Stadt mit den vielen teuren Yachten im Hafen. Es gab Telemann, ganz standesgemäß. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie in der Stephanskirche in Simmern waren?

Jetzt gerade vor zwei Wochen, zur Konfirmation meiner Nichte. Früher war ich ständig dort, denn mein Vater war als Pfarrer der »Hausherr« und ich durfte auch ganz oft dort spielen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie wünschten, in einer anderen Epoche geboren worden zu sein?

Ich bin froh, dass ich in der Gegenwart lebe, ehrlich! Sonst hätte ich es als Frau im Musikgewerbe und auch sonst eher schwerer gehabt. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit jemandem diskutiert haben, der meinte, die Blockflöte sei ein Kinderinstrument?

Das ist ewig her. Scheinbar traut sich das heute in meiner Gegenwart keiner mehr zu sagen. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie im Salzburger »Bräustübl« waren?

Vor gut einem halben Jahr nach einem Konzert. Das geht schon derbe zu dort und manche der jungen Leute halten hier ihr Bier auch nicht bei sich, nachdem es dann doch ein paar Gläser zu viel waren. Man darf dort sogar seine eigene »Jause« mitbringen, das finde ich sehr zünftig!

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich selbst gegoogelt haben?

Ehrliche Antwort: Gestern. Auch wenn alle davon abraten, ist man manchmal ja doch neugierig, was da alles über einen steht. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie die »Lindenstraße« geschaut haben?

Auch das war gestern! Zum ersten Mal seit hundert Jahren. Erstaunlich, man braucht gar nicht zu wissen, was vorher passiert ist.

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Ausflug in die Pop-Musik unternommen haben?

Nach meinem musikalischen Ausflug 2008 mit Yello in die Wüste ohne Wiederkehr »Taklamakan« habe ich letzten August mit dem Komponisten und Arrangeur Gregor Schwellenbach zusammengearbeitet. Als Geburtstags-LP und -CD für das Label Kompakt hat er Technomusik des DJs Michael Mayer für klassische Instrumente arrangiert, es gibt darauf zwei Tracks, die aus meinen Blockflötensounds bestehen. Die CD ist gerade herausgekommen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie an Bach gedacht haben?

Heute unter der Dusche, da kam eine wunderbare Kantate im Radio und jedes Mal schäme ich mich, dass ich nicht alle Kantaten in und auswendig kenne.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Walter van Hauwe um Rat gefragt haben?

Um Rat habe ich ihn in meinem Studium gefragt, dass ich 1998 (oh, das ist lange her) in Amsterdam beendet habe. Eine Antwort hat man allerdings von ihm nie bekommen, das war wohl sein pädagogisches Konzept.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gedacht haben: Hätte ich mal »was Vernünftiges« gelernt?

Letzte Antwort wie erste Antwort: Nie. Musik ist zum Glück eine sehr unvernünf­tige Sache! Wenn ich etwas Vernünftiges brauche, esse ich ein Wiener Schnitzel.

Dorothee Oberlinger zählt heute zu den namhaften Vertretern ihres Instruments. 1969 in Aachen geboren, studierte sie Blockflöte in Köln, Amsterdam und Mailand. Ihr Debüt gelang ihr 1997 mit dem 1. Preis im internationalen Wettbewerb SRP/Moeck U.K. in London in der Wigmore Hall. Als Solistin spielt sie mit dem von ihr 2002 gegründeten »Ensemble 1700« sowie mit renommierten Ensembles und Orchestern. Sie arbeitet in verschiedenen Projekten mit führenden Musikern der Alten ­Musik. Ihre CD-Einspielungen mit barocker Musik des 17. und 18. Jahrhunderts werden von der internationalen Fachkritik mit höchsten Auszeichnungen bewertet. 2008 erhielt sie den »ECHO Klassik« in der Kategorie »Beste Instrumentalistin des Jahres«. Neben ihrer intensiven Beschäftigung mit der Musik des Barock widmet sich Dorothee Oberlinger immer wieder auch der zeitgenössischen Musik. Seit 2004 ist sie Professorin an der Universität Mozarteum Salzburg, wo sie das dortige Institut für Alte Musik leitet.

Ihre neue CD: »Georg Philipp Telemann: 12 Fantasias« (DHM).

Infos: www.dorotheeoberlinger.de

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