Die World Blasmusik Days öffnen ihre Pforten

Ein neues Blasmusikfestival öffnet in Burgrieden im Landkreis Biberach am 31. August seine Pforten. Die »World Blasmusik Days« feiern ihre Premiere mit allerhand Hochkarätern aus allen Sparten der Blasmusik – von traditionell bis trashig, von Heimatklang bis Hip-Hop. Wir sprachen im Vorfeld mit den Veranstaltern Chris Stephan und Timo Hofmann.

Chris und Timo, damit die Leute auch wissen, vom wem sie Ende August zu den »World Blasmusik Days« nach Burgrieden eingeladen werden: Stellt euch doch bitte kurz vor.

Chris Stephan: Ich bin 33 Jahre alt und spiele seit 1996 im Musikverein Stadtkapelle Ingelfingen. Ich habe mit Trompete angefangen, dann aber auf Schlagzeug gewechselt. Acht Jahre habe ich bei den »Sulmtalern« gespielt, mit denen ich unter anderem in Japan, Frankreich und Indien zu Gast war.

Parallel hat sich bei mir die Faszination für Festivals entwickelt. Durch Timo habe ich den Blick hinter die Kulissen bei Festivals bekommen, unter anderem arbeitete ich auch beim Wacken Open Air als Stage Manager mit.

Timo Hofmann: Ich organisiere seit zwölf Jahren ein großes Open-Air-Festival im Bereich deutsche Rockmusik. Ich komme ursprünglich nicht aus der Blasmusik, so wie Chris – wobei ich sehr begeistert und fasziniert davon bin, seit ich vor gut fünf Jahren begonnen habe, mich damit intensiv zu beschäftigen. Und durch Chris bin ich mittlerweile recht gut in diese Szene hineingewachsen.

Chris: Kurz gesagt: Unsere Zusammenarbeit ist deswegen so spannend und toll, weil sich Timo mit viel Know-how im Bereich Festivalorganisation und ich mit dem Blasmusikbackground supergut ergänzen.

In Pressemitteilungen war ja zu lesen, dass ihr die »World Blasmusik Days« veranstaltet, weil ihr findet, dass es die Blasmusik »verdient hat«. Aber was war für euch die Initialzündung, dass ihr gesagt habt: Wir möchten das so aufziehen, wie wir es für richtig halten?

Chris: Ich glaube, dieser Punkt liegt in meiner Musikvereins-Anfangszeit. Das war sicher nicht nur bei mir so, dass man in jungen Jahren zur Kapelle kommt und vielleicht mit Polkas allein erst mal nicht so viel anfangen kann. Dazu kommen noch Einflüsse von außen, die auf den ersten Blick cooler erscheinen als ein Musikverein. Die Blasmusik ist meiner Meinung nach ein Genre, das unterschätzt wird. Darum wollen wir den Kids zeigen, was Blasmusik alles sein kann. Natürlich traditionell, aber auch vieles mehr.

Und wie ist die Lage bei euch, ein paar Wochen vor dem Festival? Kribbelt es schon?

Chris: Wir können noch ruhig schlafen. (lacht) Der Vorverkauf läuft sehr ordentlich und wir sind froh, dass eine neue Veranstaltung so gut angenommen wird. Natürlich läuft im Hintergrund alles auf Hochtouren, um den Besuchern die »World Blasmusik Days« in Bestform präsentieren zu können.

Womit seid ihr aktuell am meisten beschäftigt?

Timo: Vor allem mit dem Aufbau und der Einteilung des Geländes. Das ist schon eine größere Herausforderung beim ersten Mal.

Chris: Außerdem sind die Sicherheitsstandards und behördlichen Auflagen immens. Man hängt sehr viel am Telefon, spielt verschiedene Szenarien durch. Das kostet auch Nerven, aber es dient ja einem sehr guten Zweck: Nämlich dem Zweck – und das muss man in der heutigen Zeit auch so deutlich sagen, dass die Besucher das Festival und die Blasmusik angst- und sorgenfrei genießen können.

Den Riffelhof haben einige Gäste ja schon bei der Warm-up-Party im vergangenen September kennenlernen dürfen. Für den Großteil, der sich noch nicht auskennt: Was macht das Gelände um den Riffelhof in Burgrieden besonders geeignet für die »World Blasmusik Days«?

Chris: Wir haben unglaublich viel Platz.(lacht) Das Gelände liegt sehr idyllisch, von ein paar Bäumen eingefasst und der Riffelhof selber ist sehr liebevoll und urig ausgestaltet, sehr detailverliebt. Im Kerngelände legen wir ein Hauptaugenmerk darauf, dass alles sehr nahe beieinander liegt. Vom Zeltplatz aus sind es nur ein paar Minuten bis zur Bühne.

Mit wie vielen Bühnen plant ihr denn?

Chris: Darüber haben wir lange diskutiert. Mehrere Bühnen sind auch immer eine Kostenfrage, wir wollten den Ticketpreis für die Besucher aber nicht übermäßig hoch ansetzen. Darum haben wir beschlossen, die geballte Ladung Blasmusik auf einer Hauptbühne zu präsentieren – auch aus dem Grund, damit sich niemand zwischen Gruppen entscheiden muss.

An den Riffelhof ist außerdem ein Biergarten angegliedert. Dort wird es eine kleine Biergartenbühne für spontane Aktionen geben – wobei wir die Planung diesbezüglich noch nicht ganz abgeschlossen haben.

Zum Programm: Von feiner traditioneller Blasmusik über diverse Mixturen bis hin zu Hip-Hop, Ska und Punk ist alles vertreten. Mit Blick auf den Spielplan darf man also »ein Fest für alle« erwarten, oder?

Chris: Richtig. Für uns gehört einfach alles dazu. Und wir finden, wir sind sehr gut aufgestellt, was die Vielfalt betrifft.

Gab es denn Diskussionen übers Programm?

Chris: Natürlich. (lacht) Wir sind uns aber nicht an die Gurgel gegangen, sondern haben uns immer friedlich geeinigt. Ich muss zugeben: Timo hat ein Händchen und ein gutes Gefühl dafür, qualitativ gute Musik zu erkennen. Er stand mir mit Rat und Tat zur Seite.

Timo: Wir waren natürlich auch viel unterwegs, um uns Gruppen anzuhören. Ein gutes Beispiel sind »Pfistermens Friends«, die wir eigentlich nicht auf der Liste hatten. Wir waren beim Konzert in Luzern und nach einer Minute war uns eigentlich beiden klar, dass diese Band bei uns spielen muss.

Auch geografisch gesehen ist das Programm durchdacht und gut aufgeteilt: von regionalen Blaskapellen über internationale und international erfolgreiche Gruppen bis hin zu LaBrassBanda, die ja »around the World« unterwegs sind…

Chris: Absolut richtig. Und auch Burgrieden liegt geografisch sehr günstig: Man hat nur eine Stunde Fahrzeit in die Schweiz und nach Österreich, außerdem sind wir nahe der Grenze von Baden-Württemberg, bzw. Oberschwaben, zu Bayern…

Timo: Wobei man an dieser Stelle auch sagen darf: Das »World« im Festivalnamen sollte man natürlich ein Stück weit mit Augenzwinkern sehen. Uns ist schon klar, dass wir nicht sagen können: Wir kommen aus dem Nichts und stampfen sofort die »großen Welt Blasmusik Tage« aus dem Boden.

Chris: Wir nehmen uns auch nicht immer ganz so ernst. Darum haben wir gesagt: Lass uns einen »großen« Namen nehmen. (lacht) Aber wenn es nach uns geht, soll dieser internationale Charakter langfristig ins Festival einfließen.

Stichwort Internationalität und »Around the World«. In diesem Zusammenhang darf auch eure lobenswerte Initiative »Brass gegen Hass« nicht unerwähnt bleiben. Damit schreibt ihr der Veranstaltung ja ein friedliches Miteinander und Toleranz gleich auf die Fahnen…

Chris: Absolut. Wir wollten nicht nur ein Festival hochziehen, sondern auch eine Botschaft damit verknüpfen. Musik verbindet – in einem Musikverein zum Beispiel über Generationen und den sozialen Status hinweg. Hass und Gewalt tun das Gegenteil. »Brass gegen Hass« richtet sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt in jeglicher Form. Mit »Brass gegen Hass« haben wir zukünftig noch viel vor. Allerdings liegt für uns die Priorität momentan auf der Festivalorganisation.

Obwohl wir noch vor dem ersten Festival stehen: Wisst ihr schon, wo die Reise hinführt? Wird Burgrieden der neue Nabel der Blasmusikwelt?

Timo: Ja natürlich. (lacht) Das wäre grundsätzlich eine gute Idee. Nein, im Ernst: Wir werden schauen, wie es ankommt und welches Feedback wir bekommen. Dann sehen wir weiter.

Chris: Es wird auf jeden Fall keine einmalige Sache, das ist heute schon sicher. Wir haben schon die ersten Gespräche im Hinblick auf 2019 geführt. Aber zu viel wollen wir heute noch nicht verraten.

Chris und Timo, vielen Dank für das Interview.

Das Programm der World Blasmusik Days

Freitag, 31. August, ab 14 Uhr:

Blechbries’n, BlechXpress, Muckasäck, Fättes Blech, Impala Ray, The Busters, LaBrassBanda, Django S.

Samstag, 1. September, ab 10 Uhr:

Rheinhessische Schoppenbläser, Hoggema Ringdeifl, Die Fexer, Escandalos, Pfistermens Friends, Blechverrückt, The Heimatdamisch, Jägermeister Blaskapelle, Viera Blech, Die Brasserie, Kapelle Josef Menzl, Voixxbradler

Sonntag, 2. September, ab 10 Uhr:

Musikverein »Cäcilia« Burgrieden, Burgrieder Dorfmusikanten, Allgäubrass, Blaskapelle Unterroth, Die Sulmtaler feat. Brasspunks, Schabernack, Fahlheimer Festmusikanten, Rigoros

Infos/Tickets: www.worldblasmusikdays.de

  • 24.07.2018
  • Szene & Leute
  • Christian Mayr
  • Ausgabe: 7-8/2018
  • Seite 58-59

« zurück