Die Nase: Welche Rolle spielt sie in der Musik?

  • 30.08.2017
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2017
  • Seite 26-27

»Ein feines Näschen haben«, »Jemanden nicht riechen können«, »Auf die Nase fallen«, »Immer der Nase nach« – Redensarten zum Thema »Nase« gibt es jede Menge. Meist benutzt man sie eher beiläufig. Wie das Sinnesorgan selbst auch. Man riecht, man schmeckt, man niest, ohne es wirklich aktiv zu tun. Welche Rolle spielt die Nase? Und vor allem, welche Rolle spielt sie in der Musik?

Prof. Dr. Bernhard Richter, Professor für Musikermedizin und Leiter des Freiburger Instituts für Musikermedizin, kennt sich als ausgebildeter HNO-Arzt damit aus. Richter attestiert der Nase eine »insgesamt wichtige Rolle für die Gesundheit des Menschen«.

Filterfunktion der Nase

Denn der Mensch atmet und riecht nicht nur damit, die »Nase hat eine wichtige Filterfunktion inne. Hier werden grobe und feine Partikel aus der Luft abgefangen.« Fremdpartikel und Allergene wie Pollen können durch Niesen teilweise reflektorisch nach außen befördert werden. Außerdem ist die Nase dafür vorgesehen, durch sie einzuatmen.

Wenn man durch die Nase einatmet, wird die Luft physikalisch für den Gasaustausch in der Lunge präpariert: sie wird gereinigt, temperiert und befeuchtet. »Die Nase wärmt die Luft nahezu auf Körpertemperatur an – was vor allem dann wichtig ist, wenn es draußen kalt ist«, erklärt Richter. Es gilt die Regel, dass es günstig ist, grundsätzlich immer durch die Nase einzuatmen, weil es das gesündeste ist und der Konstruktion des menschlichen Körpers entspricht.

Geruchs- und Geschmackssin

»Die Nase ist auch für den Geschmackssinn immens wichtig«, führt Richter aus. Über die Zunge kann man vor allem die Geschmacksqualitäten bitter, salzig, sauer und süß erfahren – »alles andere wird über die Nase aufgenommen«. Man kennt das von Kindern, die sich beim Essen die Nase zuhalten, wenn ihnen das Gericht nicht schmeckt.

Prof. Richter ist sich sicher: »Jemand, der sein Riechvermögen verliert, hat große Einbußen in der Lebensqualität!« Und nicht zuletzt »setzt man bei der Kommunikation den Geruchssinn ein«, weiß der Experte. »Denn der Ausspruch ›Jemanden nicht riechen können‹ kommt ja nicht von ungefähr.«

Die Nase und das Musizieren

Die Nase ist wichtig, keine Frage. Doch ist sie auch wichtig für das Musizieren? Braucht man sie, um ein Blasinstrument zu spielen? »Eigentlich nein«, sagt Bernhard Richter. »Sieht man einmal von exotischen Sonderformen in Asien und Südamerika ab – hier spielen Nasenflöten eine Rolle –, hat die Nase für das Spielen eines Blasinstruments keine direkte Funktion.«

Denn wenn man es sich genau überlegt, ist dieses Organ nicht an der Klangformung oder der Tonbildung beteiligt. Die Lippen bzw. das Rohrblatt machen den Ton. Natürlich ist es auch beim Blasinstrumentenspiel sinnvoll, durch die Nase ein- und den Mund auszuatmen, doch zwingend erforderlich ist es nicht, die Einatmung kann auch über den Mund erfolgen.

Aber da der Nasen- und Rachenraum eine der direkten Verbindungen des Organismus mit der umgebenden Raumluft darstellt, ist bei Bläsern eine ungehinderte Nasenatmung schon bedeutsam. Neben akuten respiratorischen Infekten, die durch Viren oder Bakterien verursacht sein können, sind in erster Linie Allergien für eine Störung der Nasenatmung verantwortlich.

Vor allem bei der Permanent- oder Zirkularatmung spielt die Nasenatmung natürlich eine große Rolle, weil man hier auf jeden Fall durch die Nase ein- und den Mund ausatmet. Ohne Nase geht’s also schlicht nicht…

Beeinträchtigungen

»Wenn zum Beispiel bei Erkältungen die Nase verstopft ist oder sogar die Nasennebenhöhlen voll sind«, führt Richter aus, sei das natürlich unangenehm, aber auch das habe »eigentlich keine direkte Auswirkung auf den Klang. Der Musiker kann jedoch das Gefühl haben, der Klang sei verändert.

Das liegt aber nicht an der Nase an sich, sondern am veränderten Vibrationsempfinden.« Aufgrund des veränderten Empfindens kann es sein, dass der Musiker gegensteuert – und sich dann der Klang verändert. Wenn dann noch im Infekt auch das Hörvermögen durch eine Mittelohrentzündung oder einen Tubenkatarrh vorübergehend beeinträchtigt ist, kann sich diese veränderte Klangwahrnehmung noch verstärken.

Andere Krankheitsbilder wie etwa Nasenscheidewandverkrümmungen spielen nach Richters Meinung in der Regel keine Rolle für das Spielen eines Blasinstruments. Ob und wann eine Operation sinnvoll ist? »Da wäre ich immer vorsichtig«, empfiehlt der Arzt. Funktionelle Eingriffe sollten ohnehin immer im Einzelfall überlegt werden.

Auch über Operationen, bei denen aufgrund chronischer Infekte die Nasenscheidewand begradigt, die Zugänge zu den Nebenhöhlen geöffnet und die Schwellkörper verkleinert werden, sollte man insbesondere bei Bläsern, aber auch bei Sängern sorgfältig nachdenken.

Was tun, wenn Luft beim Spielen durch die Nase entweicht?

Ein weiteres Problem beim Spielen von Blasinstrumenten, die hohe Anblasdrucke haben, kann das Entweichen von Nebenluft durch die Nase sein. »Das ist natürlich unerwünscht«, sagt Richter.

»Diese Probleme sehen wir in der Sprechstunde am ehesten bei ambitionierten jungen Musikern in der Pubertät, wenn sich durch das rasche Köperwachstum in kurzer Zeit die räumlichen Verhältnisse im Mund-, Rachen- und Nasenbereich verändern und wenn gleichzeitig viel geübt wird, beispielsweise für einen Wettbewerb oder Ähnliches.«

Diese Probleme sind meistens nur vorübergehender Natur und lassen sich in der Regel durch Optimierung des Ansatzes und des Mundstücks sowie speziell auf das Instrument zugeschnittene funktionelle Übungen wieder beheben.«

Nicht zu vernachlässigen

Die Nase ist also ein wichtiges Organ, das zum Spielen eines Blasinstrument zwar nicht zwingend notwendig, dennoch aber nicht zu vernachlässigen ist. Man sollte es pflegen – schon der Gesundheit wegen. Und damit uns die Nase nicht auf der Nase herumtanzt…

Prof. Dr. med. Bernhard Richter ist Professor für Musikermedizin mit Schwerpunkt künstlerische Stimmbildung und leitet das Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM). Neben seinem Medizinstudium in Freiburg, Basel und Dublin absolvierte er ab 1986 ein Gesangsstudium an der Hochschule für Musik Freiburg bei Prof. Beata Heuer-Christen (Konzertexamen 1991).

Nach Promotion zum Dr. med. und zwei Facharztausbildungen zum HNO-Arzt und Phoniater (Stimmarzt) habilitierte er sich 2002. Im FIM ist er vor allem für die medizinische Betreuung der Sänger und Musiker sowie der Stimmpatienten sprechender Berufe zuständig. Daneben unterrichtet er Stimmphysiologie und Hörphysiologie an der Musikhochschule sowie an der Medizinischen Fakultät.

Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Opernbühne als Arbeitsplatz, in der Anwendung der Hochgeschwindigkeitsglottografie und der Dynamischen Kernspintomografie zur Untersuchung der Stimmphysiologie bei Sängern, der Stimmentwicklung von Sängern in der Lebenszeitperspektive sowie dem Gehörschutz bei Orchestermusikern.

fim.mh-freiburg.de

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Immer der Nase nach: Welche Rolle spielt das Geruchsorgan?":

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