Die Innsbrucker Promenadenkonzerte: 35 Orchester und Ensembles bei 32 Konzerte

  • 29.06.2016
  • Veranstaltungstipp
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 7-8/2016
  • Seite 50-51

Es ist wieder soweit! Die Innsbrucker Promenadenkonzerte laden in den Innenhof der kaiserlichen Hofburg ein. Wir sprachen mit dem musikalischen Leiter Alois Schöpf.

Im vergangenen Jahr standen die Promenadenkonzerte unter dem Motto "Rekreation des Gemüts". Was steht in diesem Jahr auf der Agenda?

Die "Rekreation des Gemüts", wie Bach den Sinn von Musik definiert, ist jedes Jahr unser Therapieziel. Bei insgesamt 32 Konzerten ein einheitliches Motto zu formulieren, würde rasch in Langeweile enden. Es gibt über den ganzen Monat verteilt mehrere Schwerpunkte.

Einer davon ist gleich zu Beginn die erstmalige Kooperation mit dem Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, ein ausgezeichnetes Orchester, das mit seinen Abonnementkonzerten und seinen Operndiensten für die Grundversorgung der Tiroler Bevölkerung mit klassischer Musik zuständig ist. Dass dieses Orchester die Innsbrucker Promenadenkonzerte mit Filmmusik eröffnet, ist für uns eine Ehre.

Ein weiterer Schwerpunkt des Jahres 2016 sind gleich mehrere hervorragende Jugendblasorchester aus Südtirol, dem Trentino und Nordtirol, aber auch aus Baden-Württemberg. Erfreulich ist auch, dass sich in Tirol einige Ensembles zusammengefunden haben, die mit dem hohen Niveau der Innsbrucker Promenadenkonzerte mithalten können und daher selbstverständlich eingeladen werden.

Nicht vergessen möchte ich auch die Tatsache, dass wir den Bereich der Bigband ausgebaut haben und 2016 neben der Bigband der Bundeswehr Deutschland zwei Formationen aus Österreich einladen können.

Nach welchen Kriterien wurde noch für die kommenden Konzerte ausgewählt?

Es spielt die jeweilige Persönlichkeit des Dirigenten oder der Dirigentin die entscheidende Rolle. Der künstlerische Leiter eines Orchesters ist die beste Garantie für jene Intensität, welche einen Konzertabend zum Erlebnis macht. Aber natürlich spielt auch die Bereitschaft der Orchester eine Rolle, auf unsere dramaturgischen Wünsche einzugehen bzw. so überzeugend zu argumentieren, dass wir darauf zum Teil verzichten können.

Weitere Absicherungen sind ganz ohne Zweifel internationale Wettbewerbserfolge, interessante Tonträgereinspielungen und Nachrichten über das Orchester in Medien wie CLARINO. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die verschiedenen Orchesterformen von der Harmoniemusik der Klassik über Blasorchester, Fanfare, Bigband bis hin zu den immer beliebter werdenden Brassbands. Alle diese Formen sollten vertreten sein.

Ist es von Vorteil, dass das Publikum "nicht durch den Kauf einer teuren Karte auf den Sitzen festgeschraubt" ist?

Die Tatsache, dass die Besucher jederzeit kommen und gehen können, ergibt dann, wenn sie bleiben und konzentriert zuhören, eine unvergleichliche Magie, die einerseits aus dieser Freiwilligkeit resultiert, andererseits aus der Anforderung an das Orchester, jegliche Langeweile und jegliches Absacken der emotionalen Spannung zu verhindern. Aus diesen Anforderungen heraus hat sich auch eine Dramaturgie entwickelt, derzufolge das Publikum im ersten Teil eines Konzerts angelockt wird und Vertrauen fassen soll, im zweiten Teil durch schwierigere Werke herausgefordert wird, um im letzten Teil des Konzerts wieder durch eingängige Melodien versöhnt zu werden.

Nur "Komplexes" und nur "hohe Kunst" sind genauso langweilig wie nur "Eingängiges" und nur "Melodiöses". Beides gehört zusammen wie ja auch in unser aller Leben das Leichte und das Schwere, das Schwierige und das Einfache sich mischen.

Zudem geht die Möglichkeit, jederzeit kommen und gehen zu können, die Musik auch im Stehen anhören und dabei mit anderen kommunizieren zu können, auf die Hörpraxis der Barockzeit zurück, als es durchaus üblich war, sich auch anderen gesellschaftlichen Ritualen zu widmen. Das "Am-Sitz-festgeschraubt-Sein" ist die typische Eigenschaft eines Bürgertums, dessen oberste Tugend Selbstdisziplin war.

Die unausweichliche Frage: Welches Konzert sollte man auf keinen Fall verpassen?

Es tut mir leid, dass ich auch heuer wieder nur die langweilige Antwort geben kann, dass ich ein Konzert nicht disponiert hätte, wenn ich es dann versäumen könnte. Ich möchte jedes unserer Konzerte unbedingt hören, denn jedes hat einen eigenen, unverwechselbaren und, wie ich meine, besonderen Anspruch, der es rechtfertigt.

Die Gesamtheit aller Konzerte, alle Orchester, alle Orchesteraufstellungen, der verschiedenen Dirigenten und Formationen sind ein Crashkurs in Sachen Bläsermusik und Geschichte der abendländischen Musik, den man bis zu den Grenzen der eigenen Aufnahmefähigkeit nicht versäumen sollte. Das ist die einzige wirkliche Empfehlung, die ich geben kann.

Das vollständige Programm finden Sie in der angehängten PDF-Datei oder auf der Internetseite der Innsbrucker Promenadenkonzerte.

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