Der hmbc hat das letzte Wort

  • 01.06.2017
  • Das letzte Wort
  • Christian Mayr
  • Seite 72-73

Selten war unsere Rubrik "Das letzte Wort" so passend: Der hmbc hat kürzlich sein letztes Konzert gegeben. Davor standen die Musiker uns noch einmal Rede und Antwort zu Themen wie Mandarinen oder Musikerwitze. Außerdem verrieten sie uns, warum Händel möglicherweise ein viel coolerer Typ war als Bach.

Andreas, wann war das letzte Mal, dass du gehört hast: "Aber Mandarinen sind doch sooo gesund!"?

Andreas Broger: Schwierige Frage. Das ist schon sehr lange her. Mittlerweile wissen die meisten, dass ich keine Mandarinen mag. Ich hatte zwischenzeitlich mal eine Pro-Mandarinen-Phase, aber es hat sich wieder erledigt. Das muss sicher zwei Jahre her sein. Das bringt jetzt nix… ich habe schon lange nicht mehr mit jemandem über Mandarinen gesprochen… vielleicht mit dem Nikolaus? Nein, das ist kein Thema mehr.

Bartholomäus, wann war das letzte Mal, dass du ein Bier hast zurückgehen lassen?

Bartholomäus Natter: Das weiß ich noch ganz genau. Das war vergangenes Jahr in Amberg. Da ist neben dem Musikomm in Amberg eine Pizzeria. Das war so schlecht eingeschenktes, grausiges Bier. Und ich glaube, da war noch Spülmittel im Glas. Kein Schaum, keine Kohlensäure, gar nix.

Und der Kellner – das war so ein alter, grantiger Hund – der wollte überhaupt nicht, dass ich jetzt das Bier zurückgebe. Er hat sogar selber noch einen Schluck genommen und hat gesagt "Das Bier hat überhaupt nix!" und ich habe gesagt "Also mir schmeckt’s nicht." Dann hat er geflucht und mir ein neues Bier gebracht.

Johannes, wann war das letzte Mal, dass du einen 8000er besteigen wolltest?

Johannes Bär: Das wollte ich noch gar nie, weil das für mich völlig unrealistisch ist.

Bartholomäus: Der K2 ist im Winter noch unbestiegen… (lacht)

Johannes: Ja schon, aber wie gesagt: Ich werde in meinem Leben nicht mehr auf einen 8000er kommen. Demnächst im Sommer einen 4000er, vielleicht mal einen 5000er. Aber mehr wird es sicher nicht.

Wann war das letzte Mal, dass dich dein großer Bruder beschützen musste?

Johannes: Es ist ja durch die Körpergröße so, dass ich ihn immer beschützen muss. (Allgemeine Heiterkeit in der Runde) Ich bin ja schon lange größer als er…

(Der "große Bruder" wird ins Zimmer gerufen) Stefan, wann war das letzte Mal, dass du deinen kleinen Bruder beschützen musstest?

Stefan Bär: Er ist ein großer Mann und er hat seinen eigenen Willen, da traue ich mich nicht, was zu sagen. Er ist mutiger, als ich es je sein werde.

Johannes: Der Stefan geht ja unheimlich gerne in den Wald, Bäume fällen etc. Da gehe ich manchmal mit – und da beschützt er mich tatsächlich, indem er sehr aufpasst. Ich habe mich schon einmal ein bisschen verletzt mit der Motorsäge. Seitdem passt er sehr auf.

Wann war das letzte Mal, dass ihr so richtig Urlaub gemacht habt?

Bartholomäus: Ich war im September in Kroatien. Das war sehr cool, sehr entspannt. Inklusive kroatischem Folkloreabend, so wie bei uns die Heimatabende in Mellau – nur auf kroatisch. Ich hatte die Trompete nicht dabei, ich habe nur "konsumiert". (lacht)

Johannes: Mein letzter Urlaub war auch in Kroatien. Das ist schon drei, vier Jahre her. Aber ich mache im April alleine Urlaub in Irland, da besuche ich eine gute Freundin.

Wann war das letzte Mal, dass ihr etwas Verbotenes getan habt?

Johannes: Das war zwar nicht das "letzte Mal", aber ich wurde von der Polizei mal zum Wildbieseln gezwungen. Wir sind nach einem Konzert durch München gefahren und die Polizei hat uns angehalten. Standardprogramm eben. Papiere, Frage nach Alkohol und Drogen.

Ich sollte dann eine Urinprobe abgeben. Wir standen damals direkt an einer Hauptstraße und ich habe gefragt: "Und wo?" Der Polizist wollte mich an die nächste Straßenecke schicken, da habe ich gesagt: "Das ist Urinieren in der Öffentlichkeit, das ist verboten, dafür werde ich bestraft." Dann wurde der Polizist ziemlich böse und hat gesagt, ich solle jetzt sofort den Becher füllen, sonst muss ich mit aufs Revier.

Wann war das letzte Mal, dass ihr euch gewünscht habt, in einer anderen Zeit/Epoche zu leben?

Andreas: Also grundsätzlich bin ich schon froh, dass ich jetzt leben darf. Aber vor kurzem war ich auf zwei sehr starken Bach-Konzerten. Da habe ich mir zwischendurch schon gedacht… wie es wohl war? Und wie er wohl drauf war, so als Typ…

Bartholomäus: Ich glaube, dass der Händel ein viel coolerer Dude gewesen ist als der Bach. Das glaube ich wirklich. Die Person Bach klingt nicht wahnsinnig nach jemandem, mit dem man gerne mal ein Bier trinken würde. Der Händel irgendwie schon.

Wenn du versuchst, dich in eine andere Zeit hineinzudenken, fehlen dir natürlich massenweise Annehmlichkeiten, die wir heute haben. Aber andererseits: Wir hätten mit unserer musikalischen Ausbildung sicher irgendwo einen super Job als Hofmusiker oder stellvertretender Hofkapellmeister bekommen.

Andreas: Aber ich glaube schon, dass wir in der bestmöglichen aller Zeiten leben.

Bartholomäus: Vielleicht war es noch ein bisschen besser, bevor Trump Präsident in den USA wurde…

Wann war das letzte Mal, dass ihr englisch oder hochdeutsch reden musstet, weil man euren Dialekt nicht verstanden hat?

Bartholomäus: Heute im Zug. Wir haben eine Münchner Rechtsanwältin getroffen. Die war ganz fasziniert von meinem Rucksack. Da haben wir ihr erklärt, dass das ein Trompetenrucksack ist. Sie hat gesagt, dass Trompete ein sehr komisches Instrument ist.

Andreas: Und sie hat erst gemeint, dass wir Bayern sind. Aber knallhart.

Bartholomäus: …sie war dann erstaunt zu hören, dass wir auch keine Schweizer sind. Jedenfalls mussten wir hochdeutsch reden, weil sie ständig nachgefragt hat. "Ah, und sie spielen Saxofon? Das ist sicher ein viel weniger komisches Instrument als Trompete… und leben sie von der Musik… und haben sie Groupies… reden die Leute bei ihnen zu Hause wirklich so?!" Und so weiter, und so weiter. Den Dialekt hat sie überhaupt nicht gepackt…

Wann war das letzte Mal, dass ihr über einen Musikerwitz gelacht habt?

Bartholomäus: Keine Ahnung, wann. Aber wenn sie gut sind, lache ich gerne drüber, weil die meisten einen Funken Wahrheit enthalten. Die Glühbirnenwitze finde ich zum Beispiel wahnsinnig lustig:

Wie viele Altistinnen braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? Zwei – eine macht’s und die andere steht daneben und fragt: Ist es dir zu hoch, ist es dir zu hoch?

Oder: Wie viele Trompeter braucht man? Zwei – einer macht’s und einen, der dem ersten erklärt, wie man es hätte besser machen können.

Oder: Wie viele Schlagzeuger braucht man? Drei – einer macht’s und zwei, die darüber diskutieren, wie es Dave Weckl gemacht hätte.

Wann war das letzte Mal, dass euch Musik zum Weinen gebracht hat?

Andreas Broger: Es ist noch nicht lange her, da habe bei "The Graduate" (Die Reifeprüfung) geweint. Und zwar hauptsächlich wegen der Musik. Der erste große Film von Dustin Hoffman von 1967. Ein Hammerfilm. Soundtrack von Simon & Garfunkel. Da habe ich geweint, mehr als einmal.

Bartholomäus: Ich kann mich dezidiert daran erinnern, dass ich geweint habe, als 2008 unser Kapellmeister der Militärmusik Vorarlberg gestorben ist. Bei der Beerdigung hat Mathias Schmitt "Näher mein Gott zu dir" als Marimba-Solo gespielt.

Andreas: Das war das letzte Mal, vor neun Jahren?

Bartholomäus: Ich bin mir nicht sicher, auf die Schnelle fällt mir dazwischen nichts ein. Meistens zwingt man sich ja irgendwie und schluckt es runter. Aber dass ich sage, jetzt weine ich bewusst und lass es passieren – da fällt mir dieses Solo ein.

Johannes: Mir fällt die Situation ein, nachdem wir "Wible, Wible" im Studio abgemischt haben. Und als ich es mir im Auto angehört habe, war ich auch zu Tränen gerührt. Aber das war sicher auch nicht das letzte Mal. Es passiert halt manchmal einfach, oft, wenn man in irgendeinem Bezug zur jeweiligen Musik steht. Und weinen ist ja eigentlich auch gesund…

Bartholomäus: …so wie Mandarinen essen.

Der hmbc

Selten war die Rubrik »Das letzte Wort« so passend. Denn nach langer und reiflicher Überlegung hat sich der hmbc entschieden, am 28. Mai zu Hause im Bregenzerwald im Bahnhof in Andelsbuch "unser Abschiedskonzert zu spielen und uns anschließend anderen musikalischen Projekten zu widmen. Wir danken euch herzlich für eure Unterstützung und freuen uns schon sehr auf die kommenden Konzerte."

Die Redaktion meint: "Das ist schade" und ist sich dennoch sehr sicher: "Man sieht sich immer zweimal im Leben!"

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