Der fliegende Holländer: Spanien

Nordspanien und das Baskenland

Dank eines glücklichen Zufalls konnte ich vergangenen Oktober drei Projekte in Nord-Spanien und dem Baskenland kombinieren. Ich wurde zu drei verschiedenen Events eingeladen, die genau aneinander anschlossen und in der Nähe voneinander stattfanden.

Logroño: Eine angenehme Überraschung

Für das erste Projekt reiste ich nach Logroño, eine Stadt mit ca. 150 000 Einwohnern in der Weinregion La Rioja. Diese Region ist nicht wirklich bekannt für ihre Blasmusikkultur. Insbesondere die Provinzen Valencia und Alicante an der Ostküste und Galicien im Nordwesten haben eine lebendige Blasmusikszene und ein sehr hohes Spielniveau.

Aber das Kennenlernen der Banda Sinfonica de la Rioja war eine angenehme Überraschung: ein ausgezeichnetes Orchester vor allem mit jungen Menschen, die sich dank ihres Dirigenten Aurelio Fernández-Velilla Garrido vortrefflich auf mein Kommen vorbereitet hatten.

Er hatte sich für ein thematisches Programm entschieden mit dem Titel "From the British Isles" mit Werken von Gustav Holst ("Jupiter Hymn" und "Jig"), Patrick Doyle ("Henry V"), Bill Whelan ("Highlights from The Seville Suite") und von mir ("Loch Ness" und "The Wind in the Willows").

Mit nur zwei Proben und einem kurzen Soundcheck wurde es ein ausgezeichnetes Konzert. Der große Saal im Riojaforum, ein wirklich großartiger Raum, war mit einem begeisterten Publikum von fast 1000 Zuhörern fast vollständig ausverkauft.

San Sebastián: Eine schwierige Ausgangssituation

Am nächsten Morgen ging es für mich mit dem Bus nach San Sebastián zum zweiten Projekt: Proben und ein Konzert zur Eröffnung des neuen Gebäudes von Musikene, dem regionalen Konservatorium des Baskenlandes. Die erste Probe war eine bittere Enttäuschung: ein Sammelsurium von verschiedenen Musikstudenten, die völlig unvorbereitet für das anspruchsvolle Programm waren.

Dieses bestand aus meiner vierteiligen "Venetian Collection", dem "Bassoon Concerto" von Frigyes Hidas und "Extreme Beethoven". Das sind wirklich keine Werke, die man einfach mal so vom Blatt spielen kann! Später erfuhr ich, dass die Noten erst in der Woche vorher verteilt wurden, während das Projekt schon seit zehn Monaten feststand.

Ein weiterer Minuspunkt war die Akustik der neuen Halle: alles klang unerbittlich hart und es war praktisch unmöglich, schöne dynamische Kontraste herauszuarbeiten. Aber die Studenten waren sehr wohlwollend und motiviert und nach und nach habe ich das Programm mit ihnen einstudiert. Der Solist des Fagottkonzerts, Christian Garcia del Campo, spielte vortrefflich und es war ein Vergnügen, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Die Proben fanden ausschließlich abends statt, sodass ich tagsüber die Gelegenheit hatte, die schöne Altstadt von San Sebastián zu erkunden. Die Stadt ist berühmt für ihre ausgezeichneten Restaurants und Tavernen, in denen man für wenig Geld leckere "pintxos" (kleine Happen) schlemmen kann, die an der Bar ausgelegt werden. Und für 1,30 Euro bekommt man ein aus­gezeichnetes Glas Wein dazu. Dafür zahlt man in New York – inklusive Steuern und Trinkgeld – schnell mal 20 Dollar.

Nach vier Proben hatte ich das Orchester auf den richtigen Weg gebracht und es wurde doch noch ein gutes Konzert, auch wenn die erwähnte schlechte Akustik auch im vollen Saal problematisch blieb.

Bilbao: Dirigierkurs und Meisterklasse in einer besonderen Location

Parallel zu diesem Projekt bin ich zweimal mit dem Bus nach Bilbao gependelt, um einen Dirigierkurs und eine Meisterklasse zusammen mit meinem guten Freund José Rafael Pascual-Vilaplana abzuhalten. Er ist seit 2015 Chefdirigent und künstlerischer Leiter der La Banda Municipal de Bilbao, einem professionellen Ensemble, das schon seit 1894 in Bilbao und Umgebung konzertiert.

Alle teilnehmenden Dirigenten bekamen die Gelegenheit, unter den Augen von José dieses prächtige Orchester zu dirigieren. Es waren zehn aktive Teilnehmer und 18 Zuhörer, eine sehr motivierte und enthusiastische Gruppe aus allen Ecken Spaniens.

Der Kurs wurde mit einem Konzert in einer sehr besonderen Location abgeschlossen: in der Halle des imposanten Guggenheim-Museums, das markante silberne Gebäude des Architekten Frank Gehry. Alle aktiven Teilnehmer dirigierten einen Teil des Programms, das aus der "Second Suite" von Gustav Holst, der "Suite for Wind Band" von Frigyes Hidas, meiner "Continental Overture" und der instrumentalen Suite aus "Edgar", einer frühen Oper von Giacomo Puccini, bestand.

Alles in allem war es ein würdiger Abschluss von zehn intensiven, aber sehr wertvollen Tagen in einer meiner liebsten Reisegegenden. Ich fühle mich als gesegneter Mann, dass ich mein Hobby und meine Leidenschaft zu meinem Beruf machen konnte!

  • 09.01.2017
  • Szene & Leute
  • Johan de Meij

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