Der fliegende Holländer: Johan de Meijs Debüt in Portugal

Das Jahr 2018 ging gut los mit zwei schönen Einladungen aus Portugal, beide mit meinem Altsaxofon-Konzert »Fellini« als Hauptteil des Programms. Leider fanden die beiden Projekte nicht direkt aneinander anschließend statt, sodass ich zweimal den Atlantik überqueren musste.

Auftakt in Kalifornien

Kurz vor meiner ersten Reise nach Portugal hatte ich noch einen schönen Aufenthalt in San Mateo/Kalifornien, in der Nähe von San Francisco, für ein Konzert mit dem San Francisco Wind Ensemble unter dem Titel »Viva Italia«. Als Werke standen meine zwei italienisch angehauchten Werke »Echoes of San Marco« und »Via Claudia« auf dem Programm sowie zwei Bearbeitungen von Werken Giacomo Puccinis, »Te Deum« aus der Oper »Tosca« und eine instrumentale Auswahl aus »La fanciulla del West«.

Es war ein aufregender Job, denn es gab nur eine Probe für mehr als eine Stunde Musik. Aber das Ensemble war exzellent, fast alle waren professionelle Musiker, die von ihrem Chefdirigenten gut vorbereitet wurden. Ich mag diese Art von Spannung, jeder ist super konzentriert und du musst sehr effektiv mit deiner Zeit umgehen.

Ganz anders als einen Monat später in Auburn/Alabama mit einer sehr mittelmäßigen High-School-Band, wo ich mehr als vier Stunden Probezeit für noch nicht mal fünf Minuten Musik bekam. Es war kein Durchkommen! Aber das San Francisco Wind Ensemble war in Topform und es wurde eine sehr erfolgreiche Matinee.

Portugal – Teil 1: »Fellini« in Lissabon

Das erste Konzert in Portugal wurde von Metropolitana organisiert, einer großen Musikakademie in der Hauptstadt Lissabon. Der Kontakt wurde von meinem Freund Hans de Jong hergestellt, mit dem ich im vergangenen Jahr viele erfolgreiche Auftritte mit »Fellini« hatte. Die Musikstudenten spielten alle auf hohem Niveau und es war toll, mit so vielen jungen Talenten arbeiten zu können. Neben den Proben wurde ich auch noch um einige Vorträge und einen Dirigierkurs mit 14 aktiven Teilnehmern gebeten.

Der Konzertsaal, das Teatro Thalia, war sehr besonders – ein wunderschönes altes Gebäude, das eher einer mittelalterlichen Kirche als einem Theater ähnelt. Mein niederländischer Komponistenkollege Hardy Mertens war auch eingeladen, er dirigierte sein attraktives Werk »Louice and Blue Eyes«, auch für Altsaxofon und Blasorchester, mit dem jungen, talentierten João Pedro Silva als Solist. Ebenfalls auf dem Programm standen die »Continental Overture« und das »T-Bone Concerto« mit Reinaldo Guerreiro, dem Leiter des Orchesters, als verdientem Solist an der Posaune.

»Fellini« wurde wieder der Höhepunkt des Abends: Die theatralischen Elemente im Werk, der Solist, der einen Zirkusclown personifizierte, ebenso wie die karikierte Zirkusband in der Lobby hinter der Tür sorgten für Begeisterungsstürme beim Publikum und der Solist Hans de Jong wurde mit stehenden Ovationen belohnt.

Portugal – Teil 2: »Cinema« in Porto

Auch bei meinem zweiten Projekt in der portugiesischen Hafenstadt Porto schaffte es mein anderer Solist, der extravagante Henk van Twillert, mit »Fellini« das Casa da Música völlig auf den Kopf zu stellen. Dieses Mal war ich zu Gast bei der Banda Sinfonica Portuguesa, einem der absoluten Toporchester in Europa.

Das Casa da Música ist ein sehr markantes Gebäude im Zentrum von Porto, ein großer gekippter kubusförmiger Koloss aus weißem Backstein – ein Entwurf des bekannten niederländischen Architekten Rem Koolhaas. Der große Saal ist ein Genuss für Augen und Ohren, die Akustik ausgezeichnet.

Das war leider nicht der Fall im Casa das Artes im nördlich gelegenen Famalicão, wo das erste Konzert geplant war: ein kleiner Saal mit einer eher stickigen Bühne, auf die das große Orchester fast nicht hinpasste.

Das Thema der Konzerte war »Cinema«, in das »Fellini« gut hineinpasste. Weiterhin standen meine Bearbeitungen von »Out of Africa« und »Star Wars Saga« auf dem Programm. Die großartige Musik von John Williams bleibt aktuell und es war ein Vergnügen, mal wieder eines meiner allerersten Arrangements dirigieren zu dürfen: meine Bearbeitung von »Star Wars« von 1986.

Henk und ich wurden sehr von unserem sympathischen Gastgeber Francisco Ferreira, dem Gründer und Dirigenten des Orchesters, verwöhnt: jeden Abend ein anderes Restaurant mit lokalen Spezialitäten und herrlichen Weinen aus Douro.

Diese zwei Projekte waren mein Debüt als Dirigent in Portugal, ich war dort vorher noch nie aufgetreten. Ich wurde angenehm überrascht von dem sehr hohen Spielniveau und der unglaublichen Begeisterung, die die Musikanten und das Publikum versprühten.

Die sinfonische Blasmusik ist in Portugal fest im Kommen, eine freudige Entwicklung! Ich hoffe, noch oft dorthin zu kommen, für die Musik, für die Menschen und die köstliche portugiesische Küche…

Der Komponist und Dirigent Johan de Meij verbringt eine Menge Zeit damit, um den Globus zu reisen und seine eigene Musik zu dirigieren. In dieser zweimonatlichen Kolumne berichtet er über seine jüngsten musikalischen Erfahrungen.

  • 07.08.2018
  • Szene & Leute
  • Johan de Meij
  • Ausgabe: 7-8/2018
  • Seite 57

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