Der fliegende Holländer: Italien, Niederlande und Österreich

  • 12.05.2017
  • Szene & Leute
  • Johan de Meij
  • Ausgabe: 5/2017
  • Seite 52-53

Der März war für Johan de Meij ein sehr arbeitsreicher Monat: Ein Dirigentenseminar und zwei Lesungen in Mailand, die Verleihung der BUMA Awards in den Niederlanden und ein Konzert in Österreich. Die Reise endete in Zermatt, wo aus dem "fliegenden Holländer" kurzerhand der "liegende Holländer" wurde...

Mailand: Dirigentenseminar und Lesungen

Das erste Reiseziel war Mailand, wo ich ein Dirigentenseminar und zwei Lesungen am berühmten Konservatorium Giuseppe Verdi gegeben habe. Es hatten sich ein Dutzend begeisterte Teilnehmer zum Seminar angemeldet und der Kurs wurde mit einem Konzert im prächtigen Sala Verdi abgeschlossen, an dem jeder Teilnehmer ein Werk oder einen Teil davon übernahm.

Leider traten einige logistische Probleme auf: Die Proben fanden im kleinen Saal des Konservatoriums statt, dem Sala Puccini. Dieser ist sehr gut für Kammermusik-Konzerte geeignet, aber die Bühne war einfach zu klein, um dort mit einem großen Blasorchester zu proben. Deshalb war fast kein Schlagwerk anwesend und wir hatten mit einer unvollständigen Besetzung und einigen schwach besetzten Registern zu kämpfen.

Das Orchester wurde im letzten Moment aus Studenten des Konservatoriums, Auszubildenden und einigen lokalen Amateurmusikern zusammengesetzt. Ich persönlich finde es schwierig zu glauben, dass in einer so angesehenen Institution nicht ein Kontrabassist oder eine Harfenistin zu finden ist...

Alle Werke des Programms enthielten Stimmen für diese Instrumente, aber die Organisatoren hielten diese offenbar nicht für wichtig genug. Ich habe über die Jahre gelernt, mich über solche Rückschläge oder schlechte Organisation nicht mehr aufzuregen. Ich bleibe immer positiv und suche nach Möglichkeiten, um das Beste daraus zu machen.

Nach dem ersten Probentag habe ich vorgeschlagen, aus dem Konzert eine öffentliche Probe zu machen, weil wir unter diesen Umständen nicht in der Lage waren, ein perfektes Konzert abzuliefern. Das war die richtige künstlerische Entscheidung: Es wurde eine angenehme und inoffizielle Veranstaltung, bei der ich dem Publikum Genaueres über den Kurs und die gespielten Werke erklärt habe.

Niederlande: Verleihung der BUMA Awards

Am folgenden Tag ging die Reise weiter in die Niederlande für ein sehr besonderes Ereignis: Meine Frau Dyan und ich waren zum jährlichen Gala-Abend der BUMA eingeladen, die Niederländische Autorenrechtsorganisation, vergleichbar mit der GEMA in Deutschland. Ich hatte die große Ehre, den Buma Classical Award 2016 in Empfang nehmen zu dürfen.

Es war erst das zweite Mal, dass dieser Preis vergeben wurde: 2015 war mein guter Freund, der Komponist Jacob ter Veldhuis, der Nominierte. Es war ein unglaubliches Fest, das deutlich im amerikanischen Stil der Oscars oder der Grammy Awards abgehalten wurde – mit rotem Teppich, "Black Tie", einem großen Galadinner und Auftritten unterschiedlichster Künstler. Ich saß mit 20 meiner engsten Freunde und Familienmitglieder an einem Tisch, sodass der Abend in einer großen Wiedervereinigung von Freunden und Familie endete.

Dem Jurybericht nach habe ich den Preis für mein gesamtes Schaffen erhalten und meine besonderen Verdienste für die Blasmusik im In- und Ausland. In meiner Dankesrede habe ich betont, dass ich diesen Preis auch als eine positive Anerkennung des Phänomens »Sinfonische Blasmusik« betrachte. Der Preis wurde von einer brillanten Statue begleitet, einer bronzenen Büste von Ludwig van Beethoven, geschmückt mit einem Kopfhörer. Dieses Kunstwerk steht nun inmitten meines Studios in Manhattan, wo Ludwig von jetzt an ein Auge (oder ein Ohr?) auf mich hat...

Feldkirch in Österreich: Ein Konzert mit besonderem Gast-Solist

Nach einem kurzen Stopp in New York war das nächste Ziel Feldkirch, eine malerische Stadt in Vorarlberg (Österreich), in der Nähe der Grenze zur Schweiz und zu Liechtenstein. Ich wurde von Markus Lins, Dirigent des Musikvereins Altenstadt, eingeladen, der ein sympathischer und sehr engagierter Kollege ist, der alles bis ins Kleinste geregelt hatte. Sein Orchester ist eine einfache Dorfkapelle, aber durch sein Zutun und sein Enthusiasmus hat sich das Orchester zu einem vollwertigen und vollständig besetzten Blasorchester inklusive Cellogruppe und zwei Kontrabässen entwickelt.

Alles lief hier geordnet ab, die Proben waren komplett besetzt, niemand fehlte und die Werke waren gut vorbereitet. Auch der Saal, in dem die Proben und das Konzert stattfanden, war großartig: das erst vor drei Jahren vollständig erneuerte und modernisierte Montforthaus in der Altstadt, ein prächtiges Theater mit einer schönen, warmen Akustik.

Als Solist war der junge, talentierte Posaunist Fabrice Millischer aus Frankreich eingeladen. Er brachte eine eindrucksvolle und spektakuläre Version des "T-Bone Concertos" zu Gehör, das der Hauptteil der ersten Programmhälfte war.

Ein lustiger Umstand ist, dass Fabrice auch ein vortrefflicher Cellist ist. Sein Name ist mit einem schwer zu schlagenden Rekord verbunden: Vor ein paar Jahren hat er nämlich an einem Abend mit der Philhar de Nantes sowohl das "T-Bone Concerto" als auch nach der Pause mein Cellokonzert "Casanova" gespielt. Eine eindrucksvolle Leistung – ich hoffe, dieses "Doppel" mit ihm irgendwann noch einmal wiederholen zu können.

Auch der Rest des Konzerts war ein großes Fest, noch einmal mit Fabrice in der Hauptrolle bei "Pavane" von Ravel und dem aufputschenden "Highlights from Riverdance" von Bill Whelan als Abschluss mit anschließendem langem, tosendem Applaus aus dem ausverkauften Saal.

Wie aus dem fliegenden Holländer der liegende Holländer wurde…

Ich beschloss, noch einen Tag zu bleiben, um in Zermatt Ski zu fahren, zusammen mit meinem guten Freund Daniel Schmidt, Initiator des großen Fellini-Projekts 2015. Aber das lief nun ganz anders als gedacht: Ich stand noch keine Minute auf den Skiern, machte eine ungeschickte Bewegung und kam so unglücklich auf, dass ich mir mein linkes Bein gebrochen habe.

Am nächsten Tag trat ich auf Krücken humpelnd die Heimreise an, um mich hier in New York operieren zu lassen. Das alles machte einen dicken Strich durch meine Reise- und Arbeitspläne: Für die kommenden sechs Wochen kann ich nur den Titel "Der liegende Holländer" tragen...

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