Das erste Musikfest der Bundeswehr in Düsseldorf

  • 09.11.2017
  • Szene
  • Christine Engel
  • Ausgabe: 11/2017
  • Seite 49-51

Mehr als 700 Mitwirkende aus sieben Nationen gastierten im September im ISS Dome in Düsseldorf. Stargast war der Sänger Heino und Moderator Johannes B. Kerner präsentierte die Show. Die Bundeswehr hatte zu ihrem ersten Musikfest geladen – und insgesamt über 10.000 Zuschauer waren zur Nachmittags- und Abendshow gekommen. Die Resonanz fiel von Zuschauern wie Veranstaltern positiv aus.

Premierenstimmung in Düsseldorf

Quasi vor der Altstadt Düsseldorfs hat die Big Band der Bundeswehr Platz genommen. Das Panorama mit Rheinturm und Medienhafen ist Mittelpunkt eines farbenfrohen Lichtspiels. Wie rote Laserstrahlen stechen anfangs die Seile der Rheinbrücke durch die Kulisse.

Mit dieser für ein Tattoo sehr ungewöhnlichen Bühne am hinteren Rand des Schauplatzes hat Künstler Matthias Lässig ein besonderes Wiedererkennungsmerkmal erschaffen. "Die speziell angefertigte Bühne wird bei den nächsten Musikfesten wieder genutzt", verspricht Hauptmann Jürgen Albrecht vom Zentrum Militärmusik der Bundeswehr. "Auch sie zeigt den hohen künstlerischen Anspruch, den wir an das Musikfest gesetzt haben."

2014 entstanden die ersten Ideen. Nun beginnt die Show im Düsseldorfer ISS Dome. Es gab bis vor wenigen Jahren im Bereich der Tattoo-Szene neben zivilen Veranstaltungen auch Festivals, bei der die Bundeswehr offizieller Partner war, beispielsweise die NATO-Musikfeste in Mönchengladbach und Kaiserslautern oder das Berlin Tattoo.

Hier in Düsseldorf aber herrscht Premierenstimmung, da hier das erste Tattoo stattfindet, das die Bundeswehr komplett alleine stemmt. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet ist stolz darauf: "Das Musikfest passt wunderbar zur Kultur und Vielfalt in unserem Bundesland. Musik überwindet Grenzen und bringt Menschen zusammen. Das garantiert dieses Musikfest."

Warum dieses Konzept auf den Weg gebracht wurde, erklärt Hauptmann Jürgen Albrecht: "Das Musikfest der Bundeswehr hat für uns auch eine Brückenfunktion zwischen den Streitkräften und der Bevölkerung. Die Bundeswehr möchte durch diese Großveranstaltung ihre Einbindung in Staat und Gesellschaft verdeutlichen. Außerdem ist das Ziel, die Qualität und Attraktivität der deutschen Militärmusik zu präsentieren."

Eindrucksvolle Eröffnung

Eingestimmt werden die Zuschauer mit einer Videosequenz auf einer riesigen Leinwand, die über der Bühne hängt. Hier wird deutlich: Düsseldorf ist heute der Nabel der Welt. Die drei Tore unter der Bühne öffnen sich und das Musikkorps der Bundeswehr, das Marinemusikkorps Kiel und das Luftwaffenmusikkorps Münster treten im Gleichschritt und Gleichklang heraus.

Oberst Christoph Lieder, Leiter des Militärmusikdienstes der Bundeswehr und Gesamtverantwortlicher der Show, dirigiert drei Märsche und ein großes Openingwerk, das der pensionierte Musikoffizier Robert Kuckertz arrangierte.

Moderator Johannes B. Kerner braust mit einem Motorrad des Sportsoldaten Timmy Hippel herein und klärt die Gäste über den Begriff "Tattoo" auf. Der bedeutet schlussendlich, abgeleitet vom niederländischen "tap toe", soviel wie "Zapfenstreich".

Kerner spielt mit der Köln-Düsseldorf-Rivalität, die die Zuschauer mit viel Gelächter quittieren. Als die Schlagzeuger des Ausbildungsmusikkorps mit einer japanischen Taiko-Trommel-Show auftreten, sagt Kerner: "Wenn mir vorher jemand erzählt hätte, man könne Taiko bei der Bundeswehr lernen, hätte ich ihn für verrückt erklärt und gesagt, eher sei die Erde eine Scheibe oder der 1. FC Köln wird deutscher Fußballmeister."

Internationale Gäste aus Tschechien und den Niederlanden

Anschließend kündigt sich das Zentralorchester der Tschechischen Armee an. Die Seitenstreifen der Tribüne strahlen die rot-weiß-blaue Landesflagge wider, auf der LED-Leinwand erleben die Zuschauer Eindrücke von Prag und den Regionen, und die Big Band der Bundeswehr swingt tschechisch anmutende Klänge.

Nah und doch irgendwie unbekannt. Denn für die Ankündigung der jeweiligen Orchester verpackte die Big Band lokale Klänge in neue Arrangements. Aus den Niederlanden ist die "Marinierskapel der Koniklijke Marine" zu Gast. Bei ihrer Show ist die Arena in blau-violettes Licht getaucht, das eine ganz besondere Stimmung erzeugt.

Das Musikkorps der Bundeswehr und Heino

Der deutsche Vertreter, der eine Show präsentiert, ist das Musikkorps der Bundeswehr. Teil der Darbietung ist die Präsentation einer der Aufgaben der Siegburger Militärmusiker: offizielle Staatsgäste empfangen. Der Präsentiermarsch erklingt und ein Oldtimer chauffiert einen Sohn Düsseldorfs: den Schlagersänger Heino – mit knallrotem Sakko, vollem blondem Haar und der typischen Sonnenbrille.

Begleitet vom Musikkorps der Bundeswehr singt er ein Medley seiner größten Hits. Bei "Blau blüht der Enzian" und "Schwarze Barbara" jubelt die Menge. Später wird Heino gegenüber CLARINO sagen: "Es war einmalig. Ich habe noch nie so schöne Klänge gehört wie heute und ich bin fasziniert, wenn man es richtig arrangiert, was man aus Blasinstrumenten rausholen kann."

Atemberaubende Stunts mit Motorrädern

Was man aus Motorrädern alles herausholen kann, zeigt die Motorradstaffel der Polizei Hamburg. Atemberaubende Stunts auf fahrenden Motorrädern wie zum Beispiel eine Motorradpyramide, die auf eine Reihe Polizisten zufährt, die wiederum im richtigen Moment auf die Motorräder springen, erzeugen ein ehrfürchtiges Raunen in der Arena.

Der Mann des Abends: Producer Thomas Ernst

In der zweiten Hälfte meldet sich Producer Stabshauptmann Thomas Ernst per Videobotschaft, um auf ein Gewinnspiel für eine Reise zum "Royal Edinburgh Tattoo" aufmerksam zu machen. Thomas Ernst ist der Mann des Abends, er zieht während der Show die Fäden hinter den Kulissen.

Der ehemalige Tourmanager der Big Band der Bundeswehr hat das Musikfest auf die Beine gestellt. Er weiß genau, was und wie er es will. Das wurde am Tag zuvor nach der Generalprobe deutlich, wo er bis tief in die Nacht am Ablauf feilte, komprimierte und verbesserte.

Nach der Show ist er erleichtert: "Nach mehr als einem Jahr und neun Monaten Arbeit bin ich glücklich, dass dieses komplexe Vorhaben so erfolgreich ans Ziel gebracht werden konnte. Ich bin stolz auf das kleine Team, das gemeinsam diese Leistung erbracht hat."

Internationale Gäste aus Schottland, Norwegen, der Schweiz und Frankreich

Aus Schottland hat Ernst nicht nur ein Gewinnspiel mitgebracht, sondern auch die original Drums and Pipes aus Edinburgh "Pipers Trail", die "Scottish Highland Dancers" und die "Shetland Island Fiddler", die das Flair des kultigen Royal Edinburgh Military Tattoo mit nach Düsseldorf bringen.

Weitere Nationen, die sich militärmusikalisch präsentieren: Norwegen mit dem Stabsmusikkorps der norwegischen Streitkräfte und die Schweiz mit dem Repräsentationsorchester Schweizer Armeespiel.

Deutschland zeigt sich abermals zum Ende der Show mit dem Spielmannszug des Stabsmusikkorps der Bundeswehr und dem Drillteam des Wachbataillons.

Nicht nur präzise und im Gleichschritt geht es beim Musikfest zur Sache, ein bisschen Spaß darf darüber hinaus sein. Mit der französischen Dressur-Reitsport-Nationalmannschaft "Les Goulus" zeigt sich, welchen Teil ein Publikum zum Gelingen beiträgt. Durch das Einbeziehen der Zuschauer, deren positive Stimmung und Beifall kommen die urkomische Gestik und Mimik der drei Franzosen besser zur Geltung als bei der Generalprobe.

Höhepunkte: Das große Finale

Das große Finale der Show ist für die meisten Zuschauer gleichzeitig der Höhepunkt. Alle Mitwirkenden vereinen sich in der Halle zu einem großen Gesamtbild. Von den obersten Rängen der Tribüne verstärken der Konzertchor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf und der Mädchenchor am Essener Dom die Szenerie mit ihren Stimmen.

Es erklingen Georg Friedrich Händels "Halleluja", "Tage wie dieser" mit einem stimmlich phänomenalen Stabsfeldwebel Martin Frings oder, ganz in schottischer Tradition, "Amazing Grace".

Dass diese Werke von 700 Musikern zusammen gespielt werden können, ist auch den Arrangementkünsten von Robert Kuckertz zu verdanken. Die Zuschauerreaktionen sind durchweg positiv, was sich nicht nur zeigt, als fast alle Zuhörer die Show mit Standing Ovations belohnen.

Begeisterte Zuschauerreaktionen

Insa Wasserberg ist aus Garmisch-Partenkirchen angereist: "Das große Finale fand ich superklasse. 'Amazing Grace' hat am meisten Gänsehaut erzeugt. Ich bin ein Dudelsackfan und finde Schottland toll. Die weite Anfahrt hat sich gelohnt."

Andrea Wunderle aus Berlin hat ebenfalls einen weiten Weg hinter sich: "Das muss man unbedingt einmal erlebt haben. Die Musik, die Show. Es war faszinierend von Anfang bis Ende. Das Finale war Emotion und Gänsehaut pur."

Sabrina Koll kommt aus Köln. Ihr Fazit: "Gute Musiker, tolle Stücke, wunderbare Melodien mit ganz viel Gefühl. Ich hatte zeitweise richtig Tränen in den Augen. Mir hat es unheimlich gut gefallen und ich würde jederzeit wieder herkommen und kann es jedem nur empfehlen."

Zum Abschluss die Nationalhymne

Mit dem Finale ist die Show allerdings noch nicht ganz am Ende. Über Lautsprecher heißt es plötzlich: "Bitte erheben Sie sich für die Hymne der Bundesrepublik Deutschland."

Knapp 11 000 Menschen – Zuschauer, Soldaten und internationale Gäste – stehen auf und singen gemeinsam "Einigkeit und Recht und Freiheit". Ein schönes Zeichen dafür, dass die Brücke steht.

Interview mit OTL Christoph Lieder

Christine Engel sprach mit Oberst Christoph Lieder, Leiter des Militärmusikdienstes:

Welche Emotionen empfinden Sie als Gesamtverantwortlicher, wenn Sie an das Musikfest zurückdenken?

Ich bin voller Dankbarkeit und Zufriedenheit angesichts des großartigen Erfolges, den wir beim 1. Musikfest der Bundeswehr erzielten. Meine hohen Erwartungen hinsichtlich der Zuschauerresonanz, der Qualität der künstlerischen Inhalte, der medialen Umsetzung sowie der Organisationsleistung wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.

Es ist uns meiner Meinung nach gelungen, die Bundeswehr mit dieser Veranstaltung professionell, modern und sympathisch zu präsentieren.

Welches Fazit nehmen Sie für das Musikfest 2018 mit auf den Weg?

Es mag vermessen klingen, aber wir müssen uns gehörig anstrengen, um beim 2. Musikfest noch eine Steigerung zu erzielen. Wichtig ist, dass wir schon heute nach vielfältigem Feedback aus Deutschland und der internationalen Tattoo-Szene sagen können, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Unser erklärtes Ziel war es, eine hochwertige Veranstaltung anzubieten, die eine eigene, deutsche Handschrift trägt und das Konzept "Tattoo" in einer modernen Art und Weise interpretiert. Dabei sollte das Traditionelle aber nicht vernachlässigt werden.

Der Erfolg der Auftaktveranstaltung gibt uns Hoffnung, dass wir mit dieser Idee die Menschen erreicht haben. Jetzt gilt es, dieses Profil weiter zu schärfen.

Ihr Ziel war es, eine Brücke zur Bevölkerung und zu den Nationen zu bauen. Ist das aus Ihrer Sicht mit dem Musikfest gelungen?

Eindeutig ja! Die Reaktion der Zuschauer hat dies bestätigt. Die Bundeswehr wollte mit dem Musikfest zeigen, dass sie in der Mitte der Gesellschaft steht und eine Bundeswehr "zum Anfassen" ist.

Uns war sehr viel daran gelegen, das Musikfest in die Region einzubinden. Der Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf oder Stargast Heino, der in Düsseldorf geboren wurde, mögen hierfür nur als Beispiel dienen.

Die Brücke zu unseren internationalen Verbündeten wurde insbesondere im Finale auf beeindruckende Art und Weise geschlagen. Hunderte Menschen verschiedener Nationen standen Seite an Seite und haben gemeinsam musiziert. Musik ist seit jeher ein probates Mittel der Völkerverständigung. Das wurde beim Musikfest eindrucksvoll unterstrichen.

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