Daniel Schmahl hat das letzte Wort

Die Clarino-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal ­andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Geige gespielt haben?

Das muss so etwa vor 12 bis 13 Jahren gewesen sein. Da wurde ich engagiert, um beim »Tatort« in einer ganz kleinen Nebenrolle einen Geiger in einem Streichquartett darzustellen. Zum Glück kam die Musik vom Band.

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Am 25. Februar 2012, dem Todestag von Maurice André – in meinen Augen der größte klassische Trompeter des 20. Jahrhunderts. Ich kann mich noch ganz genau an den Tag erinnern, an dem ich meine ­erste Maurice-André-Schallplatte von meinem Vater geschenkt bekommen habe. Das war wie Weihnachten und Ostern zusammen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, »einen ordentlichen Beruf« gewählt zu haben?

Da ich als Kind schon davon geträumt habe, später einmal ein Musiker zu sein, bin ich sehr froh darüber, dass ich mir diesen Traum erfüllen konnte und nun in vollen Zügen ausleben kann. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie Malte Burba um einen Rat gefragt haben? 

Das war bei einem meiner vergangenen Coachings bei ihm. Ich habe Malte Burba und seine Methode 2005 bei einem Workshop kennengelernt und war von Anfang an begeistert. Ich habe sofort begonnen, meine gesamte Spielweise umzustellen und kann es kaum fassen, was nun alles trompeterisch für mich möglich ist. Malte Burba ist so etwas wie mein musikalischer Lebensretter – ohne ihn könnte ich heute sehr wahrscheinlich nicht mehr Trompete spielen. Ich kann jedem ambitionierten Blechbläser nur empfehlen, bei ihm einen Workshop zu besuchen!

Wann war das letzte Mal, dass Sie im Schloss Sanssouci waren?

Leider ist das schon viel zu lange her. Ich habe mir das schon oft vorgenommen, aber aufgrund meiner Konzertverpflichtungen und CD-Produktionen war dies in der Vergangenheit nicht möglich. Aber wenn ich wieder einmal in Potsdam ein Konzert gebe, dann werde ich auf jeden Fall den Tag in Sanssouci verbringen!

Wann war das letzte Mal, dass Ihnen Bach im Traum erschienen ist und gesagt hat, dass man das ja wohl mit seiner Musik nicht machen dürfe…?

In meinen Träumen kam dies zum Glück noch nicht vor – aber ich frage mich schon sehr oft, wie das wohl wäre, ihm einmal zu begegnen und was er wohl zu »Chattin’ with Bach« sagen würde. Ein schöner Traum ist, einmal gemeinsam mit Bach und Miles Davis auf der Bühne zu stehen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein? 

Eigentlich noch nie, da ich das Hier und Jetzt sehr schätze, und wenn, dann eher sehr neugierig auf die Zukunft bin. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie das Konzert für Piccolo-Horn und Orchester von J. J. Quantz gespielt haben? 

Das war 2010 auf einer meiner Tourneen durch Russland – unter anderem auch in der Philharmonie in St. Petersburg. Ein unglaublich schöner Saal mit einer wunder­baren Akustik. Und ein unglaublich musikbegeistertes und interessiertes Publikum. Einfach zum Verlieben...

Wann war das letzte Mal, dass Ihnen die Unterschiede von Ost- und Westdeutschen deutlich wurden?

Ich finde es sehr traurig, dass diese Kategorien immer noch ein Thema in unser Gesellschaft sind. Meiner Meinung nach sollte kein Mensch wegen seiner regionalen Herkunft oder irgendetwas anderem in diskriminierende Schubladen gesteckt werden. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich selbst gegoogelt haben?

Das war an dem Tag, als meine neue Webseite online geschaltet wurde. Es war sehr spannend für mich, zum einen die Ent­stehung dieser mitzuerleben und dann am Tag des Online-Gehens mich mit zu freuen, dass alles so funktionierte wie geplant.

Wann war das letzte Mal, dass Sie bei ­einem Live-Fußballspiel waren?

Da war ich 13 bis 14 Jahre alt war. Damals war ich fast jedes Wochenende bei einem Fußballspiel live mit dabei. Ich habe sogar meine Mutter damals so lange genervt, bis sie mir endlich einen zwei Meter langen Schal in den Vereinsfarben gestrickt hat.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Blasorchester mitgespielt haben? 

Das war die vergangene Probe beim Jugendblasorchester vom »Kon.centus« in Neubrandenburg. Dort leite ich die wöchentlichen Proben und bei der letzten war der 1. Trompeter krank und ich hab kurzerhand den Dirigentenstab gegen meine Trompete getauscht und die Probe vom Pult aus geleitet. Ein riesiger Spaß!

 

Daniel Schmahl (geboren 1969 in Potsdam) stammt aus einer Musikerfamilie. Sein Vater, Gustav Schmahl, war einer der bedeutendsten deutschen Sologeiger der Nachkriegszeit. Bevor Daniel Schmahl mit 16 Jahren ­seine Leidenschaft für die Trompete bei einem Konzert mit Ludwig Güttler entdeckte, spielte er Geige, Fagott, Klavier und nahm Gesangsunterricht. 1992 begann er das Studium im Fach Trompete an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin und schloss 1998 an der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in Weimar mit dem Examen ab. 1999 gab er sein Debüt als Solist: Mit Mitgliedern der Neu­brandenburger Philharmonie spielte er das Konzert für Piccolo-Horn und Orchester von J. J. Quantz. Seither arbeitet Daniel Schmahl erfolgreich als selbstständiger Solokünstler. 

2006 veröffentlichte er seine Debüt-CD »back to bach« mit Kompositionen aus Klassik und Romantik bis zum Tango von Astor Piazzolla und Jazz von ­Miles Davis sowie Kenny Dorham – alles spürbar von der Kunst des barocken Großmeisters inspiriert. Kürzlich veröffentlichte er beim Label »Querstand« sein zweites Album »Chattin’ with Bach«. Neben seinen vielfältigen Projekten engagiert sich Daniel Schmahl auch im musikpädagogischen Bereich und ist als Dozent für Trompete und Horn sowie als künstlerischer Leiter des Jugendblasorchesters am »Kon.centus« in Neubrandenburg tätig.

  • 27.12.2012
  • Das letzte Wort

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