»Concerto for Winds and Percussion« von Christian Lindberg

  • 23.06.2010
  • Werkvorstellungen

»Im Jahr 2000 hätte ich ? ein einfacher Posaunist ? nie zu träumen gewagt, dass ich nur vier Jahre später Chefdirigent nicht nur eines, sondern gleich zweier Orchester sein würde.« Doch dieser Traum hat sich für Christian Lindberg vor einigen Jahren erfüllt. Eines dieser Orchester ist das Swedish Wind Ensemble, dem der schwedische Posaunist, Dirigent und Komponist sein »Konzert für Bläser und Schlagzeug« widmete. Es entstand als Auftragswerk der WASBE zur Konferenz 2003 im schwedischen Jönköping.

Das Swedish Wind Ensemble ist eines der wenigen professionellen sinfonischen Blasorchester in Schweden ? und mit seinen 43 Musikern das größte nichtmilitärische Blasorchester im Land. Eine Besonderheit dieses Concertos ist, dass Lindberg jeden einzelnen Instrumentalpart einem bestimmen Musiker gewidmet hat. Das macht er auch in der Partitur deutlich: Bereits auf der ersten Partiturseite findet sich in der beginnenden zweiten und dritten Trompetenstimme der Eintrag »a Mikael« sowie »a Annika« über der jeweiligen Notenzeile. Anders als viele seiner Kompositionen hat dieses Werk keine außermusikalischen Bedeutungen oder Inhalte ? »abgesehen davon, dass es einer Gruppe junger Musiker voller Initiative und künstlerischer Kreativität auf den Leib geschnitten ist«, wie der Komponist selbst angibt.

Das Werk beginnt mit einem rhythmischen Einsatz im Trompetenregister. Zunächst erklingen die zweite und dritte Stimme einen Ganzton versetzt, im fünften Takt kommen die erste und vierte Stimme hinzu. Sie liegen eine übermäßige Oktave auseinander und die erste Stimme bildet zur zweiten einen Tritonus. Der markante, nachschlagende Rhythmus des Beginns zieht sich durch weite Teile des gesamten Werks. Zu beachten ist, dass der Komponist C-Trompeten einsetzt. Eine erste Melodie erklingt im zweiten Takt nach Buchstabe A in den Posaunen, die dann vom Hornsatz weitergeführt wird, anschließend von Klarinetten und Fagotten übernommen und von den Saxofonen zum Abschluss dieses Teils geführt wird. Begleitet wird sie vom Rhythmus im Trompetensatz.

Die Abschnitte B und C sind vom Tuttiklang des Orchesters geprägt, bevor im Teil D wieder solistische kurze Abschnitte erklingen. Schwierig sind hierbei vor allem komplizierte Rhythmen, die von mehreren Solisten unisono gespielt werden müssen. Triolische Bewegungen in Achteln und Vierteln wechseln sehr schnell mit Synkopen, aufsteigenden Zweiunddreißigstelläufen und Punktierungen, sodass höchste Aufmerksamkeit der Musiker während des gesamten Werks gefordert wird.

Abschnitt G wird vom Schlagzeugregister beherrscht, das bisher meist nur begleitende Funktion hatte. Nun übernehmen vor allem Marimbafon und Vibrafon den melodischen Part, Percussioninstrumente und Pauke setzen schwere Akzente. Im restlichen Orchester dagegen erklingen nur hin und wieder einzelne kurze Einwürfe, die schnell wieder vorüberziehen.

Abschnitt H gehört dann ganz den Holzbläsern, die Klangflächen und vertrackte Rhythmen zusammenführen. Im darauffolgenden Teil I erklingen virtuose Rhythmen in den Holzbläsern sowie sehr schnelle Taktwechsel. Bassklarinetten, Fagotte, Eufonien und Tuben geben dem Ganzen einen stabilen ryhthmischen Halt durch Achtelbewegungen. Diese müssen zwar auch große Sprünge bis zur Oktave bewältigen, laufen dennoch gleichmäßig und sorgen für eine gewisse Ordnung. Im Folgenden wird es wieder solistisch. Zwei Hörner und folgend zwei Klarinetten spielen im Duett, ryhthmisch unisono im Terzabstand. Diese Ruhe währt nicht lange und ein jazzig angehauchtes Trompetensolo führt in Abschnitt M ins Tutti-Orchester über. Dieses wartet mit spektakulären Klängen auf, bevor es sich nach einem kurzen Ruhepunkt zum Ende hin fulminant steigert.

Trotz vieler dissonanten Harmonien blitzen immer wieder schöne harmonische Abschnitte hervor. Man merkt deutlich, dass das Werk für ein Profiorchester geschrieben wurde. So ist die Komposition für den Hörer teilweise recht schwere Kost ? und auch spielerisch fordert sie höchste Leistungen von den Musikern. Dennoch ist dieses Konzert ein sehr interessantes Werk, besonders durch den regen Wechsel zwischen solistischen sowie kammermusikalischen Passagen und Tutti-Abschnitten. Beeindruckend ist auch die eigene Klangsprache, die hierzulande nicht so oft zu hören ist.

Christian Lindberg wurde 1958 in Stockholm (Schweden) geboren. In einem künstlerischen Elternhaus aufgewachsen ? seine Eltern waren beide Maler ?, begann er mit 17 Jahren Posaune zu spielen. Dabei wurde er vor allem von Jack Teagarden beeinflusst, Posaunist und Sänger des frühen Jazz und Swing. Bereits zwei Jahre später spielte er im Royal Stockholm Opera Orchestra, das er ein Jahr später schon wieder verließ, um in Stockholm, London und Los Angeles zu studieren. Nach seinem Studium arbeitete er als hauptberuflicher Posaunist und komponierte und dirigierte nebenbei. Seinen Durchbruch hatte er 1991 durch die Nominierung des BBC als »Solist des Jahres«. Neben Aufführungen in Deutschland, Dänemark, Österreich, Schweiz, Schweden, England und Australien mit namhafen Orchestern hat er mehr als 60 CDs eingespielt. Lindberg ist Chefdirigent des Nordic Chamber Orchestra sowie des Swedish Wind Ensemble.

 

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