CD-Tipps im Oktober: Barock, Telemann, voixBRASS und die Egerländer

  • 19.10.2017
  • Rezensionen
  • Ausgabe: 10/2017
  • Seite 68

Der französische Klarinettist Paul Meyer steht auf Thierry Escaichs "Baroque Song" im Mittelpunkt, voixBRASS zeigt, dass "die Jugend von heute" wirklich keine Genregrenzen mehr kennt und die Egerländer Musikanten erwidern jedem Zweifler: "Das Feuer brennt weiter". Und nicht zuletzt huldigt der Trompeter Matthias Höfs dem großen Komponisten Georg Philipp Telemann.

Orchestre de L’Opéra national de Lyon: Thierry Escaich - Baroque Song

Sony Classical

Thierry Escaich (*1965) ist ein französischer Organist und Komponist, dessen Werke, die er zwischen 2007 und 2014 komponiert hat, hier vom Orchestre de L’Opéra national de Lyon unter Leitung von Alexandre Bloch aufgenommen wurden.

Das Album beginnt mit dem "Baroque Song" – ein dreisätziges Werk, das im ersten Satz an die schlängelnden Anfangstöne der "Moldau" erinnert. Der zweite Satz beginnt als Bach-Choral, in den sich nach und nach verdüsternde Untertöne mischen. Dem dritten Satz haftet nichts Barockes mehr an, sondern er bildet ein wildes, energiegeladenes impressionistisches Feuerwerk.

Interessant für Bläser dürfte Escaichs dreisätziges Konzert für Klarinette und Orchester sein – hier in der Aufnahme mit dem französischen Klarinettisten Paul Meyer. Der Komponist beweist auch hier im ersten Satz sein offensichtliches Gespür für düstere, mystische Klanggirlanden.

Es folgt eine ruhige Melodie, die nach und nach in einem paukenumrandeten Tongewitter endet. Staccato gepunktet malen Klarinette und Orchester im Schlusssatz eine riesengroße Klangfarbenmelodie. Eine interessante Bereicherung für das gängige Klarinettenrepertoire. (ce)

VoixBrass

www.voixbrass.at

Seit Jahren tauchen immer mehr Formationen auf, die nicht nur mit traditioneller Blasmusik an den Start gehen, sondern sich, von Metal über Pop bis hin zu Filmmusik, mit allen Stilrichtungen präsentieren. Vorbei auch die Zeiten, in denen Kapellen den sogenannten "modernen Teil" des Repertoires mit Schlager und Mallorca-Mix auffüllen mussten.

Manch kritischer Zeitgenosse kommt bisweilen ins Schwitzen, wenn Bands wie Iron Maiden, Survivor oder Avicii im Programm auftauchen. Aber so ist sie halt, die Jugend: Genregrenzen? Gibt es nicht mehr. Wozu auch. Denn eigentlich gibt es ja nur die eine Grenze zwischen guter und schlechter Musik.

Eine solche Band ist auch »VoixBrass«, die sich auf ihrer ersten CD quer durch besagten Gemüsegarten spielt: "Run to the Hills", "Eye of the Tiger", "Kiss from a Rose" – kein Problem für "VoixBrass", ebenso wie der Jazzstandard "Sing, sing, sing" oder "Let it go" aus dem Film "Frozen".

Fehlen darf auch nicht das traditionelle Blasmusikprogramm. Aufgelegt wurden etwa Karel Bělohoubeks "Feierabendpolka" oder der "Schneehaserl-Walzer" von Tubist Martin Eckmann, der außerdem für die Arrangements verantwortlich zeichnet. Weiter so, Burschen! (sti)

Matthias Höfs: Telemann Trompetenkonzerte

Berlin Classics

Dass Matthias Höfs ein neues Album mit Trompetenkonzerten von Georg Philip Telemann vorstellt, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen ist 2017 ein Telemann-Jahr, der Tod des Komponisten jährt sich zum 250. Mal.

Zum zweiten ist Matthias Höfs ein Hamburger Musiker (wenngleich in Lübeck geboren) und hat dadurch einen sehr persönlichen Bezug zu Telemann, dessen Spuren dort auch heute noch überall präsent sind.

Und nicht zuletzt handelt es sich hier um ganz wunderbare Literatur. "Wir kennen die unglaublichen Trompetenpartien in den Werken von Bach, Händel und ­Vivaldi. In dieser Riege der Barockkomponisten nimmt Telemann eine für uns Trompeter besondere Stellung ein, denn weder Bach noch Händel haben der Trompete ein Solokonzert gewidmet. Telemann komponierte gleich drei fantastische Trompetenkonzerte und eine Sonate, die für mich zu den schönsten überhaupt zählen", sagt Höfs.

Neben den originalen Trompetenkonzerten Telemanns präsentiert er filigrane Kammermusik für kleineres Ensemble, die auf der historischen Barocktrompete so nicht gespielt werden konnte. Damit zeigt der Künstler die instrumentale Weiterentwicklung der Trompete im Laufe der letzten 300 Jahre. (twa)

Ernst Hutter & Die Egerländer Musikanten: Das Feuer brennt weiter

MCP Sound & Media

Nachdem die große Vierfach-Jubiläumstour abgeschlossen ist, legen "Ernst Hutter & Die Egerländer Musikanten – Das Original" ohne Verschnaufpause nach. "Das Feuer brennt weiter" lautet nicht nur die Devise, sondern auch die Tournee 2017/2018 – und die dazugehörige neue CD.

Einleitend gedenken Ernst und Stephan Hutter ihrem 2016 verstorbenen Vater und Großvater, dem der Marsch "Gloria Patri" gewidmet ist. Darauf folgen weitere Widmungen musikalischer Art an gegenwärtige und ehemalige Weggefährten des Orchesters:

Die "Egerländer Perle" und die "Er­innerungen an Zuhaus" von Posaunist Hans Kaszner sowie die neue Polka "Omama und Opapa" von Klarinettist Peter Jenal sind ebenso zu hören wie das Walzer-Schmankerl "Am großen Brunnen" von Sänger Nick Loris. Den Weg aus dem Archiv fanden Ernst Moschs "Rekrutenmarsch", "Grüß mir mein Heimatland", außerdem Evergreens wie "Drei weiße Birken" oder der "Dorfschmied".

Wir hören "Ernst Hutter & Die Egerländer Musikanten – Das Original" ohne Schnörkel und Spielereien. Kein Medley, kein Solistenfeuerwerk, kein Slowrock – nichts außer Marsch, Polka und Walzer. Mit diesen 14 Titeln geht das Orchester gut gerüstet in seine neue Spielzeit. (mac)

Die CD "Das Feuer brennt weiter" können Sie übrigens im Blasmusik-Shop kaufen.

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