CD-Tipps im Juni: Auf dem fliegenden Teppich nach Ägypten

Das Eastman Wind Ensemble spielt Werke von Roberto Sierra ein, Quadro Nuevo lädt zu einem Flug mit dem fliegenden Teppich nach Ägypten ein, das französische Quintett "Les Vents français" widmet sich Ludwig van Beethoven und im CD-Player der Redaktion dreht sich ein Porträt des Komponisten Thierry Deleruyelle.

Eastman Wind Ensemble: Sierra Live. Music by Roberto Sierra

Das Eastman Wind Ensemble ist das Blasorchester der renommierten Eastman School of Music der University of Rochester im US-amerikanischen Bundesstaat New York. Der Definition nach ist ein "Wind Ensemble" eine Besetzung, bei der jede Orchesterstimme mit nur einem Musiker besetzt ist.

Seit seiner Gründung im Jahr 1953 hat das renommierte Orchester unzählige Alben. 2005 setzte der jetzige Leiter Mark Scatterday diese Aufnahmetradition fort. "Sierra Live" sind live aufgenommene Stücke des 1953 in Puerto Rico geborenen Komponisten Roberto Sierra, der einen Teil seiner Studienzeit in Hamburg verbrachte."

Die Werke wie "Fandangos", die viersätzige Sinfonia Nr. 3 "La Salsa" oder das fünfsätzige "Diferencias" sind alle mit heißen Rhythmen geprägt und überzeugen mit ihrer lateinamerikanischen Sinfonik. Die einsätzige "Fanfarria" weist monumentale Parallelen zu Richard Wagner und Anton Bruckner auf.

Das Ensemble spielt die technisch und rhythmisch hoch anspruchsvollen Werke gestochen scharf und präzise. Aber trotz aller Präzision: Am Ende einiger Werke verlässt die Musiker die Kraft. Besonders beim zehnminütigen "Fandangos" herrscht bei den Querflöten großes Intonations- und Technikchaos. (ce)

Quadro Nuevo meets Cairo Steps: Flying Carpet

Auf den fliegenden Teppich und ab nach Ägypten. Diese Reise hat das Ensemble "Quadro Nuevo" nun mit den Musikern von "Cairo Steps" unternommen. Das Ensemble "Cairo Steps2 besteht erst seit einigen Jahren und hat sich der ägyptischen Sufi-Musik zugewandt.

"Cairo Steps" ist in Ägypten sehr erfolgreich und wurde vom deutschen Jazzpianist Matthias Frey und dem ägyptischen Oud-Spieler Basem Darwisch gegründet. Die Stücke auf der CD, die die insgesamt 23 Musiker aufgenommen haben, entstanden nicht nur in Deutschland. Gemeinsam begaben sich die Musiker der beiden Ensembles auf Spurensuche direkt in Ägypten.

Herausgekommen ist ein Brückenschlag zwischen Orient und Okzident. Elf Kompositionen, die meisten von Mulo Francel und Basem Darwisch komponiert, machen das Album zu einem sehr exotischen Klangerlebnis. Auch dieses Album beweist wieder einmal: Gemeinsames Musizieren verbindet. Gemeinsames Musizieren schafft Freundschaften. Egal, ob auf der Mikroebene zwischen zwei Menschen oder auf der Makroebene zwischen zwei Kulturen.

Deshalb sind musikalische Projekte wie "Flying Carpet" in unruhigen Zeiten mit einer der wichtigsten Beiträge, um zu versuchen, den Frieden zu bewahren. (ce)

Les Vents français: Beethoven

Die Namen der Mitglieder des französischen Bläserquintetts "Les Vents français" lesen sich wie das Who-is-Who der französischen Bläserszene: Emmanuel Pahud, François Leleux, Paul Meyer, Radovan Vlatkovic und Gilbert Audin.

Für ihr neues Album, in dem Ludwig van Beethovens frühe Bonner Zeit im Mittelpunkt steht, haben sich die Bläser den Pianisten Eric Le Sage als Gast geholt, der bei Beethovens "Trio in G" (WoO 37) für Klavier, Flöte und Fagott, das erst nach Beethovens Tod entdeckt wurde, und bei der "Sonate in F" (Op. 17) für Klavier und Horn sein Instrument spielt. Zu fünft oder gar zu sechst wird allerdings auf dem Album nicht musiziert.

Es beginnt mit dem "Trio in C" (Op. 87) für Oboe, Klarinette und Fagott, geht über zu den "Variationen über La ci darem la mano2 aus W. A. Mozarts "Don Giovanni" (WoO 28) für Oboe, Klarinette und Fagott und endet mit dem "Duo Nr. 3" (WoO 27) für Klarinette und Fagott.

Die Werkzusammenstellung ist so spannend, weil sie die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten der Instrumente und somit den Klangreichtum zeigt. Und wenn diese Klangvariationen noch hervorragend gespielt sind wie auf diesem Album, dann ist ein musikalisches Baukastensystem perfekt. (ce)

High Voltage. The Wind Music of Thierry Deleruyelle

Vielleicht ist vielen der Name Thierry Deleruyelle noch nicht so geläufig. Kein Wunder, ist der Mittdreißiger erstens noch vergleichsweise jung und zweitens Franzose. Franzose? Ja, richtig gelesen. Ein Franzose bei De Haske. Deleruyelle hat das Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris absolviert und in verschiedenen Fächern Preise errungen, darunter Schlagwerk, Harmonielehre und Kontrapunkt.

Die CD "High Voltage" bezieht ihren Titel von einem der Werke, das wie der Rest des CD-Programms aus der Feder des jungen Komponisten stammt. Eingespielt wurden die zwölf Werke von namhaften Blasorchestern, darunter das Musikkorps der Bundeswehr, The Antwerp Winds, The Voltige Orchestra oder The Royal Netherlands Army Band "Johan Willem Friso", um nur einige zu nennen.

Von Deleruyelle wird sicher noch viel zu hören sein. Denn er verfügt über eine ausdrucksstarke und emotionsgeladene Klangsprache, die er auch in Werken mittleren Schwierigkeitsgrades einzusetzen weiß. Von Napoleon I. ("Emperor") über die Wüste Sahara bis zur Freiheitsstatue ("Statue of Liberty") stützt sich Deleruyelle auf Themen, die in vielen Konzertprogrammen verwendet werden können. (ho)

  • 13.06.2017
  • Rezensionen
  • Ausgabe: 6/2017
  • Seite 56

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