CD-Tipps im Januar: WMC, Yamaha Allstars, Nicole Jo und German Brass

Bevor wir endgültig ins neue Jahr starten, wollen wir noch einmal einen musikalischen Jahresrückblick auf 2017 werfen: Beispielsweise mit den Highlights des WMC oder mit dem Auftritt der Yamaha Allstars auf der Frankfurter Musikmesse. German Brass beweist mit "Brass Heralds", dass Barockmusik nicht nur zu Weihnachten passt. Und auch die Band Nicole Jo blickt zurück - und zwar auf 20 Jahre Bandgeschichte.

Symphonic Wind Band Volume 1 und 2 - Highlights WMC 2017

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Der Nachklang der sinfonischen Blasorchester zum WMC 2017 ist da. Vier CDs, 22 Werke der sinfonischen Blasorchestermusik, 320 Minuten hochwertiger Blasorchestergenuss pur. Leider können nicht alle 94 Blasorchester, die teilgenommen haben, auf dem Album berücksichtigt werden. Die WMC-Organisatoren und Produzenten wählten die besten Konzertvorträge der "Concert Division" und die besten Vorträge der jeweiligen Pflichtstücke der drei übrigen "Divisions" aus.

Die CD-Reihe beginnt mit dem gefühlt bombastischsten Stück des Wettbewerbs: "The frozen Cathedral" von John Mackey. Interpretiert von der Harmonie St. Petrus & Paulus Wolder-Maastricht. Das knapp halbstündige "El Jardin de las Hesperides" von José Suñer Oriola, interpretiert vom LBO Baden-Württemberg, ist auch ohne die aufrüttelnde Bildershow, die das Orchester beim Wettbewerb präsentierte, ein Hörgenuss par excellence.

Beide Alben sind für alle Blasorchester, die auf der Suche nach exorbitanten Konzertstücken sind, ein Muss. Auch weil es sich weitgehend um Neukompositionen handelt. Orchester, die sich weiterentwickeln wollen und gute Beispiele suchen, sind mit der Auswahl gut beraten. (ce)

Yamaha Allstars: Live in Frankfurt

Online über iTunes, Amazon, Spotify und Co.

Was wurde da wieder diskutiert im Anschluss an die Frankfurter Musikmesse! Krise! Bringt das was? Muss man da hin? Verpasst man dort was? Nun, eine Antwort erhält man nun von den YAMAHA Allstars. Die nämlich haben im Rahmen der Musikmesse im Frühjahr einige Sets gespielt, die man durchaus verpasst hätte, wäre man nicht in Frankfurt zugegen gewesen. Krise hört sich anders an.

Doch auch diejenigen, die diese Auftritte vor Ort verpasst haben, verpassen tatsächlich nichts. Insgesamt sieben Titel nämlich sind nun online erhältlich. Besser als Thorsten Skringer kann man es nicht formulieren: "Für den Preis von zwei Cappuccini gibt’s ein packendes Set Musik, 100 Prozent live gespielt in exquisitester Besetzung! Es war ein Riesenspaß mit den Jungs auf der Musikmesse!"

Die Besetzung kann sich sehen lassen. Die Band vereint einige der renommiertesten deutschen Jazz- und Pop-Künstler: Wolfgang Haffner, Christoph Moschberger, Thorsten Skringer, Wolfgang Norman Dalheimer, Claus Fischer und Ferdinand Kirner.

Nicht mehr zu helfen ist demjenigen, der bei dieser bisweilen halsbrecherisch anmutenden Instrumentalakrobatik die Füße still hält. Den Spaß kann man nicht nur hören, sondern spüren. (hä)

Nicole Jo: 20

NicoleJo.de

Seit 20 Jahren soll es die Band bereits geben? Das klingt eigentlich unglaublich. Denn "neulich" hat man doch erst das Debütalbum besprochen, damals noch unter dem Bandnamen "Nicole Jo. needs 2B funky" veröffentlicht. Doch in der Tat erschien "Fujo" im April 1999, ein Jahr zuvor hatten vier Musiker 1998 nach einem Gig in einer Bäckerei im Saarland die Band gegründet.

Und so wie Sauerteig dauerhaft durch Milchsäurebakterien und Hefen in Gärung gehalten wird, so dauerhaft, rastlos und voller Ideen ist also die Verbindung der Musiker. Die Saxofonistin und Frontfrau Nicole Johänntgen ist dabei die treibende Kraft. Sie ist ständig musikalisch in Bewegung. Immer und überall.

Gemeinsam mit Nicoles Bruder Stefan Johänntgen an den Keyboards, Philipp Rehm am Bass und Elmar Federkeil an Schlagzeug und Perkussion erscheint nun zum 20-jährigen Jubiläum das siebte Album. Auf der Scheibe findet keine "schwere Kost" statt, keine kopflastige, komplizierte Kakophonie.

Stattdessen aber: sphärische Klänge, treibende Grooves. Das Quartett erstickt nichts, alles bleibt luftig und unmissverständlich. Viel Raum hat da das emotionale, mal treibende, mal melodiöse Spiel der Saxofonistin. Ist das Easy Listening? Vielleicht. Und das ist auch gut so! (hä)

German Brass: Brass Heralds

Berlin Classics

Zwar ist »Brass Heralds« kein Weihnachts-Album im klassischen Sinne, so passt es doch hervorragend in diese Zeit. Festliche Barockmusik von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann ist eine ideale Einstimmung auf das Weihnachtsfest – aber eben nicht nur! Die Arrangements von Matthias Höfs, Enrique Crespo und Alexander Erbrich-Crawford lassen jedenfalls keinen Zweifel offen, dass Brass-Musik einfach ein Garant für jede festliche Stimmung ist.

In Anknüpfung an die CD "Bach on Brass" (2016) steht Bach auch auf "Brass Heralds" im Mittelpunkt – immerhin widmen ihm die Musiker von German Brass eine ganze CD des Doppelalbums. Klanglich orientieren sich die Blechbläser am großvolumigen und vielfarbigen Sound der Orgel.

Majestätisch und zugleich unglaublich filigran kommen die Stücke daher – und so stimmig, dass man als Zuhörer das Original wirklich nicht vermisst. (hc)

  • 29.01.2018
  • Rezensionen
  • Ausgabe: 1/2018
  • Seite 64

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