CD-Tipps im Dezember: Felix Klieser, Mulo Francel, Helmut Eisel und variation⁵

  • 20.12.2017
  • Rezensionen
  • Ausgabe: 12/2017
  • Seite 64

Wunderschöne Trios für Horn, Violine und Klavier stellt Felix Klieser auf seiner neuen CD vor. Mulo Francel präsentiert sich auf "Mocca Swing" in Begleitung des Münchner Rundfunkorchesters sowie mit Quadro Nuevo. Helmut Eisel bringt zusammen mit Erzählerin Kerstin Klaholz und einer lustigen Geschichte Kindern Klezmermusik näher. Und das Bläserquintett variation⁵ präsentiert melodische und zugleich spaßige Originalwerke des 20. Jahrhunderts.

Felix Klieser: Horn Trios

Berlin Classics

Ein Trio mit Violine und Klavier ist etwas besonders Schönes unter den zahlreichen Kammermusikformationen. Wenn das Blasinstrument ein Horn ist, sticht diese Besetzung an Klangästhetik noch mehr heraus. Das Horn in seiner tiefen Zärtlichkeit schmiegt sich romantisch an die hohe Geige und an das klangrationale Klavier. Eine Menage a trois sozusagen.

Der derzeit gefeierte Hornist Felix Klieser hat zusammen mit Violinist Andrej Bielow und Pianist Herbert Schuch ein Album mit fünf Werken für Horntrio veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht dabei das Trio von Johannes Brahms in Es-Dur, op. 40 – viele bezeichnen es als Krone der Gattung Horntrio.

Um das Brahms’sche Trio zu umrahmen, fand Klieser den französischen Hornisten Fréderic Nicolas Duvernoy (1765 bis 1838). Bei Charles Koechlins "Quatre petites pièces op. 32" sind die impressionistischen, verträumten Klänge der Jahrhundertwende hörbar.

Das Finale bildet die Serenade op. 73 von Robert Kahn (1865 bis 1951), der nach seiner Flucht vor den Nationalisten nach dem Zweiten Weltkrieg als Komponist in Vergessenheit geriet.

Das Repertoire des Albums ist weise gewählt – es bringt nicht nur die Geschichte des Horns näher, sondern ist auch einfach nur wunderschön. (ce)

Mulo Francel: Mocca Swing

ACT

Unproduktivität kann man Mulo Francel nicht vorwerfen. Erst vor kurzem widmete er sich mit dem Album "Die Abenteurer" einem kammermusikalischen Jazzprojekt und noch frischer ist die CD "Flying Carpet" von "Quadro Nuevo" (mit dem ägyptischen Ensemble "Cairo Steps").

Nun liegt eine neue Produktion vor. "Mocca Swing" – und das gleich im Doppelpack. Einmal in Begleitung des Münchner Rundfunkorchesters unter Leitung von Enrique Ugarte und zum Teil mit Quadro Nuevo sowie anderen befreundeten Musikern.

Ausgangspunkt sind Stücke, die Francel in den vergangenen Jahren intensiv in seinem Leben und auf seinen Reisen begleiteten und den Jazz mit Sinfonieorchester von einer ganz neuen, ja fast kammermusikalischen Seite beleuchten.

Da ist "Flying Carpet", "Goethe sulla strada" und "Poet in Italia", in denen sich die Mandoline zu Sinfonieorchester und Mulo Francels Saxofon-Timbre mischt. Interessant dabei: Mit Sinfonieorchester hat das Spiel Francels einen anderen Klang. Weicher, gechillter, sanfter – aber distanzierter.

Dafür fühlt man sich auf der anderen CD, auf der Francel sein Quartett vorstellt – mit Pianist David Gazarov, Bassist Sven Faller und Drummer Robert Kainar – der Musik und Mulo Francel näher. (ce)

Helmut Eisel: Naftule und die Reise nach Jerusalem

Animato (in-Akustik)

Ja, da lacht er, der Naftule. Er macht Witze, schreit, weint und singt. Und das alles nur mit Klarinettentönen. Naftule lebt in Sinfonien und geht von da aus auf Reisen. Zusammen mit seinem Freund Pino und einem fliegenden Teppich besucht er die Ukraine, New York und Argentinien. Die Reise endet im großen Schmelztiegel der Kulturen von Jerusalem. Und immer wieder tritt Naftule in ein Fettnäpfchen, das Pino ausbaden muss.

Klarinettist Helmut Eisel hat zusammen mit Erzählerin Kerstin Klaholz und der Deutschen Radio Philharmonie ein wunderbares Album produziert, in dem er mit Klezmermusik und einem zauberhaften Märchen Kindern Klezmer näherbringt.

Die Aufnahme ist ein Live-Mitschnitt eines Familienkonzerts im Dezember 2016. Aber das tut der Klangqualität der CD keinen Abbruch. Man hört keine Huster oder andere Geräusche – nur die Begeisterung der Zuhörer.

Einziges Manko, das der Live-Mitschnitt mit sich bringt: Hin und wieder passiert wohl etwas Lustiges auf der Bühne, das nicht aus Worten, sondern offenbar aufgrund von Gesten entsteht. Ansonsten ist »Naftule und die Reise nach Jerusalem« eine große Bereicherung im Repertoire sämtlicher Kindermusikalben. (ce)

variation⁵

Berlin Classics

"Atonalität war gestern" lautet das Motto des Bläserquintetts variation⁵. Das Quintett – bestehend aus Gewinnern der ARD-Musikwettbewerbe und Solo-Bläsern renommierter Orchester – hat ein Album herausgebracht, das denselben Namen trägt wie das Ensemble. Inhalt: vier Originalwerke für Bläserquintett von Komponisten, die Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts wirkten.

Flötistin Magali Mosnier, Oboist Ramon Ortega-Quero, Klarinettist Sebastian Manz, Hornist David Fernandez Alonso und Fagottist Marc Trenel haben sich die Mühe gemacht und nach melodischen, ins Ohr gehenden und spaßigen Werken recherchiert.

"What shall we do with the drunken Sailor" hat Malcolm Arnold (1921 bis 2006) im dreisätzigen "Three Shanties for Wind Quintet Op. 4" verarbeitet. In Paul Hindemiths (1895 bis 1963) fünfsätziger kleiner Kammermusik Op. 24, Nr. 2, blitzen impressionistische Farben à la Debussy auf.

In Jean Francaix (1912 bis 1997) viersätzigem Quintett Nr. 1 kommt insbesondere im vierten Satz "Marcia Francese" das perfekte Zusammenspiel des Quintetts zur Geltung und in Carl Nielsens (1865 bis 1931) Quintett Op. 43 wird es sogar fast wieder klassisch.

Unbedingt dabei lesen und lachen: das Booklet mit dem Protokoll der vier Aufnahmetage. (ce)

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