CD-Tipps im August: Erpfenbrass, Quintetto Inflagranti, Ernie Hammes und Onyx Brass

Erfrischend gemischt ist das zweite Album von Erpfenbrass: da trifft Michael Jackson auf Jazztrompeter und Polka auf Balkan Brass. Und auch das Album "Sketches of Brass" von Quintetto Inflagranti ist ein wild durcheinander gewürfelter Haufen Musik: Weil hier die Lieblingsstücke der Musiker zu hören sind, klingt das ganze wie die Playlist einer Geburtstagsparty, bei der jeder Gast mal DJ spielen darf und letztendlich alle begeistert sind. Angenehmern bodenständigen Jazz aus Belgien dagegen präsentiert Trompeter Ernie Hammes. Und Onyx Brass widmet sein aktuelles Album einer bislang vernachlässigten Musikgattung - der Fanfare. Viel Spaß mit unseren CD-Tipps im August...

Erpfenbrass: hart verzwungen Vol. 2

Chaos/Bauer Studios

In Zeiten von Streaming und Download scheinen Äußerlichkeiten egal zu sein. Dass das bei Musikalben ein Trugschluss ist, verdeutlicht die zweite CD der Erpfenhausener (oder ­Erpfenhauser? Jedenfalls nicht New Yorker oder Londoner) Formation »ErpfenBrass« von der Schwäbischen Alb. Handfest und griffig wie ein dicker Roman kommt es daher und eine farbenfrohe, im Stil der konkreten Kunst gehaltene »2« schmückt das schwarze Cover. Da greift man doch gerne zu und das Visuelle macht Lust auf das Auditive.

Neben zwölf zum Teil eigens komponierten Tracks bieten ErpfenBrass zusätzlich zwei Filmmusiken aus dem Kinofilm »Do goht dr Doig«, die sich vom Rest des Albums absetzen. Das Album ist so erfrischend gemischt wie der Jahrmarkt der Eitelkeiten. Da trifft Michael Jackson auf Rocky in Person des Jazztrompeters und Gastes Claus Löhr und die Polka »Brennberg« auf das gechillt smoothige »Máté is Gone«.

Auch singen können die sechs Jungs – bester Ohrwurm mit Hit-Avancen: »Olé Olé«. Mitreißendste Nummer des Albums: »Balkan« mit seinem vorhergehenden E-Bass-Intro. Eingehende Melodie mit Tanzbeat im, wie der Name schon sagt, Balkan-Brass-Stil. Ein Crossover-Album, dem man die Freude an der Musik anhört – und ansieht. (ce)

Quintetto Inflagranti: Sketches of Brass

recordJet

Zur Silberhochzeit gönnt man sich etwas. Die einen eine Reise, die anderen eine große Feier. Das Schweizer Blechbläserquintett »Quintetto Inflagranti« hat ein Album mit den jeweiligen Lieblingsstücken der fünf Musiker aufgenommen. »Sketches of Brass« ist ein wild durcheinander gewürfelter Haufen Musik.

Nun könnte man meinen, der vermeintlich fehlende rote Faden würde dem Musikgenuss Abbruch tun. Ist aber nicht so. Es ist wie eine Geburtstagsparty, auf der jeder an der Playlist rumspielen darf und alle Gäste alle Songs cool finden, weil bei jedem nostalgische Erinnerungen geweckt werden und sich jeder seinen Gefühlen hingibt.

Da klingt das barocke »Concerto & Alleluja« von Johann Kuhnau neben John Williams »Cantina Band« aus »Star Wars« wie »Stairway to Heaven« neben »Bohemian Rhapsody«. Da stehen zwei Stücke aus dem Klezmer-Musical »Fiddler on the Roof« neben Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel oder dem von Marcel Saurer eigens komponierten jazzigen »Sketches of Brass«.

Eine gute Mischung eingespielter Musiker mit einer Prise Orgel, auch wenn man meint, die Zutaten passen nicht zusammen – wie bei exzellenten Sterneköchen haut das auch beim «Quintetto Inflagranti« wunderbar hin. (dam)

Ernie Hammes: evolution

Vegas Records

Musik aus Luxemburg landet nicht so oft auf dem Schreibtisch. Das Land ist klein und hat relativ wenige Einwohner. Umso erfreulicher ist, dass sie in Sachen Jazz mit dem Trompeter Ernie Hammes punkten können. Zugegeben war er der Rezensentin bis vor kurzem unbekannt und ein fehlendes Booklet gibt auch wenig Aufschluss über den 1968 geborenen Jazz-Trompeter, der sowohl in der luxemburgischen Militärmusik sowie als Bandtrompeter bei zahlreichen Jazzgrößen mitwirkt.

Sein Album »evolution«, das im Laufe des Jahres 2017 bei verschiedenen Live-Acts aufgenommen wurde, ist wirklich angenehmer, bodenständiger Jazz. Was einige der neun Werke besonders macht: die Verstärkung durch ein kleines Kammerorchester in Form von fünf Violinen, zwei Violen und einem Cello.

Bei »Tuna Melt« übernehmen eben diese Streicher die Band-Funktion von Saxofonen – das gibt dem Jazz einen ganz anderen Anstrich, der ihm mehr Eleganz und auch ein wenig mehr Nettigkeit gibt. Und ab und an ist ja ein wenig mehr Nettigkeit doch sehr angenehm. Und bei »Booboo (to my Son)« geben die Streicher dem Stück die ganze Zärtlichkeit, wie es nur der Smooth Jazz vermag. Ein toller Schachzug – das mit den Streichern. (ce)

Onyx Brass with Guest Players: Fanfares

Chandos Digital

Ein Album mit 58 Titeln und 58 Minuten – hier handelt es nicht um eine MP3-CD mit diversen Hörbeispielen. Nein, es sind 58 vollwertige Tracks mit einer ausgezeichneten Qualität eines Blechbläserquintetts. Das englische Ensemble »Onyx Brass« hat ein Album mit Fanfaren aufgenommen. Das ist nicht nur eine Stunde atemberaubende, erhabene, strahlende und majestätische Musik, sondern zudem ein gelungener Streifzug durch das 20. Jahrhundert.

Da sind die acht Fanfaren von Sir Arthur Bliss (1891 bis 1975) zu erwähnen, der selbst über 40 Fanfaren komponierte und der hauptsächlich im königlichen Umfeld wirkte. Äußerst virtuose Fanfaren von Malcom Arnold, die viel Zungenfertigkeit verlangen wie die »Railway Fanfare« sind verzeichnet. Ganz anders kommen die Fanfaren von Imogen Holst (1907 bis 1984), Tochter von Gustav Holst, daher. Sie klingen mehr nach avantgardistischem Konzertstück inklusive Querflöten-Kantilenen. Weitere Komponisten auf diesem Album sind Herbert Howells, Michael Tippett, Granville Bantock, Eric Coates oder Arnold Bax.

»Onyx Brass« hat hier eine großartige Arbeit zum Aufarbeiten einer bislang vernachlässigten Musikgattung geleistet, denn die meisten Werke dieses Albums waren bislang unveröffentlicht. (ce)

  • 20.08.2018
  • Rezensionen
  • Ausgabe: 7-8/2018
  • Seite 68

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