CD-Tipps des Monats: Besondere Kombinationen

  • 17.03.2017
  • Rezensionen
  • Ausgabe: 3/2017
  • Seite 68

Fernweh gefällig? Dann ist das Album "707" der Nighthawks Pflicht, denn hier gibt es Musik für Reisende vom Feinsten. Ein himmlisches Hörvergnügen haben Salaputia Brass und Jeroen Berwaerts auf ihrem Album "Signals from Heaven" zusammengestellt. Das Emile Parisien Quintet schafft mit "Sfumato" Schicht um Schicht eine Verbindung. Und das Sarah Chaksad Orchestra verknüpft auf "Windmond" Tradition und Moderne und präsentiert so Bigband-Sound in leicht barock angehauchter Manier...

Nighthawks: "707"

Am Strand. Im Liegestuhl mit einem leichten Getränk die Sonne genießend. Im Hintergrund elektronische Musik, die mit leichten Beats und gedämpften, improvisierten Trompetenklängen untermalt, die Atmosphäre genießen lässt. Meeresrauschen inklusive.

"Musik für Reisende" ist das Motto der Nighthawks. Die Köpfe dahinter: der Jazztrompeter Reiner Winterschladen und der Bassist, Gitarrist und Keyboarder Dal Martino. Mit Schlagzeuger Thomas Alkier, Pianist Jürgen Dahmen und Gitarrist Jörg Lehnardt haben sie ihrem Bandprojekt eine stabile Basis gegeben.

Der Titel der CD "707" ist aus dem Namen des Hauptwerks der viersätzigen "707 Suite" abgeleitet. "707" ist der Name einer Boeing und die Musik vermittelt genau das, was das Ensemble damit ausdrücken will: Sehnsucht und Fernweh.

Aus "verdichteten Soundskizzen" sind neben der Suite sieben Songs entstanden, die einen in einen schummrigen Jazzclub abtauchen oder mit wehenden Haaren im offenen Cabrio der Sonne entgegenfahren lassen. Raus aus dem grauen, hektischen Alltag, hinein in die buntbetupfte Welt des süßen Nichtstuns, mit dem Duft der weiten Welt in der Nase. So fühlt sich die Musik an. Genau das Richtige für die frostigen Temperaturen. (ce)

Salaputia Brass, Jeroen Berwaerts: "Signals from Heaven"

Was haben die Jazz-Legende Duke Ellington, der japanische Komponist Tōru Takemitsu, afroamerikanische Spirituals wie "Nobody knows the Trouble I’ve seen" oder "Swing low" und die Canzonen des venezianischen Kapellmeisters Giovanni Gabrieli gemeinsam?

Zum einen sind alle auf der aktuellen CD "Signals from Heaven" von Salaputia Brass zu hören. Auf den ersten Blick vielleicht eine nahezu zusammenhanglose Abfolge. Zum anderen ergeben aber alle Stücke gemeinsam auch ein ausgesprochen harmonisches Gesamtkunstwerk. Und genau das war auch die Absicht des belgischen Trompeters Jeroen Berwaerts, der für diese Zusammenstellung verantwortlich ist.

"Es geht nicht um die Vermischung der Stile, sondern um die Kombination von Stimmen", steht im (übrigens sehr lesenswerten) Booklet geschrieben. Und tatsächlich entsteht der Eindruck, die einzelnen Stücke würden miteinander interagieren. Über Epochen, Kontinente und Genres hinweg.

Berwaerts überzeugt aber nicht nur als Regisseur dieses ganz besonderen Programms, sondern auch als herausragender Solo-Trompeter und Jazz-Sänger. In Kombina­tion mit dem klangvollen Spiel von Salaputia Brass ein wahrer Genuss für die Ohren. Einfach himmlisch! (coh)

Emile Parisien Quintet: "Sfumato"

Leichtfüßig, zauberhaft und manchmal verträumt kommt sie daher – die erste CD des Emile Parisien Quintet. "Sfumato" ist eine von Leonardo da Vinci erfundene Maltechnik, bei der er durch mehrere Schichten Farbe eine diffuse, neblige Atmosphäre erzeugte.

Der französische Saxofonist Emile Parisien arbeitet mit mehreren Schichten Musik und herausgekommen ist ein wunderbares Album des Quintetts, das sich 2015 auf dem Festival in Marciac gründete. Mit dabei: der Jazz-Pianist Joachim Kühn.

In Deutschland bekam Parisien den ECHO Jazz in der Kategorie "Bestes internationales Ensemble" verliehen – für das Duo mit seinem engen Freund, dem Akkordeonisten Vincent Peirani, der auch bei diesem Album mitwirkt und besonders bei der dreisätzigen Suite "Le Clown tueur de la fête foraine" in den Vordergrund tritt.

Bei dieser Suite, die das Album charakterisiert, ist auch ein weiterer Gast zu hören: Michel Portal an der Bassklarinette. Die meisten anderen Werke haben namengebende Hintergründe wie die "Balladibizia", die Emile Parisien mit Kühn auf Ibiza komponierte, oder das Stück "Umckaloabo" – ein Medikament, das Emile Parisien während der Schaffensperiode gegen eine Erkältung einnahm.

Das Album: Schicht um Schicht eine Verbindung. (ce)

Sarah Chaksad Orchestra: "Windmond"

Eigentlich sollte es im 21. Jahrhundert völlig normal und alltäglich sein und keine Rolle mehr spielen. Trotzdem freut frau sich ganz besonders, wenn sie ein Album einer Bandleaderin und Saxofonistin auf dem Tisch liegen hat.

Die Schweizerin Sarah Chaksad begann mit neun Jahren Saxofon zu spielen und studierte das Instrument in Bern und Basel. 2012 gründete sie das 15-köpfige "Sarah Chaksad Orchestra", für das sie sämtliche Kompositionen und Arrangements selbst schreibt.

Mit "Windmond" – das ein altdeutscher Name für den Monat November ist – veröffentlichte Sarah Chaksad nun ihr erstes Album. Neun Titel, bei denen Tradition und Postmoderne hörbar verknüpft sind. Das Orchester erklingt meist im traditionellen Bigband-Stil, die Solisten aus der Band – allesamt junge, frische Nachwuchskünstler – vollführen improvisatorische Höhenflüge.

In jedem Stück, die "Waterfall" oder "The insensitive Lady" heißen, zeigen die Solisten ihr Bestes und fast jedes einzelne Orchestermitglied kann sich in mindestens einem Stück als hervorragender Solist präsentieren.

Ein Album, das einen Bigband auf andere Art erleben lässt – sogar mit Sopranblockflöte, in leicht barock angehauchter Manier. (ce)

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