CD-Tipps: Bullhorns, Lajos Dudas, David Orlowsky Trio und Faltenradio

  • 17.05.2017
  • Rezensionen
  • Ausgabe: 5/2017
  • Seite 64

Bullhorns feat. James Morrison: Batang, Batang

Vier Jahre nach "Batang" legen die "Bullhorns" mit "Batang, Batang" folgerichtig CD 2 nach. Und obwohl man weiß, was da kommt und man CD 1 in Erinnerung hat, erwischt man sich mit in Falten gelegter Stirn, aufgerissenen Augen und den Gedanken: Dürfen die das? Geht das gut? Wie soll das klingen? "Dirty Diana", "Thunderstruck", "Black Betty", "I love Rock ’n’ Roll"…?!?

Kurz und knapp: Klar geht das bei den "Bullhorns". Und wie! Alles groovt, alles kommt massiv daher. Und man überlegt andauernd, wer man am liebsten wäre: treibende Kraft hinter der Schießbude (wer wollte nicht schon mal Schlagzeuger einer Rockband sein…)? Trompeter mit Stahlansatz? Saxofonistin mit messerscharfem Sound. Oder doch eher Tiefblechfanatiker – und damit verantwortlich dafür, dass es an allen Ecken kratzt, schnarrt und Hosenbeine flattern.

Als Ruhepol der Rockshow erklingt dagegen Leonard Cohens "Hallelujah", bei dem man sich wünschen würde, dass es einfach nicht aufhört!

Ein Rat zum Schluss: Wer "Batang, Batang" richtig hören will, sollte die Ohrstöpsel des MP3-Players weglegen und die Finger von der Kompaktanlage in der Küche lassen. Lieber mal wieder die eingemotteten Standboxen und den Verstärker aus dem Keller holen… (mac)

Lajos Dudas: Some Great Songs Vol. 2

Fast 20 Jahre ist es her, da hatte der deutsch-ungarische Jazzklarinettist und Komponist Lajos Dudas das Album "Some Great Songs Volume 1" aufgenommen. Nun folgt die Fortsetzung. Auch bei "Some Great Songs Vol. 2" arbeitet er mit seinen langjährigen Musikfreunden, dem Gitarristen Philipp van Endert und den Schlagzeugern Kurt Billker und Jochen Büttner, zusammen.

Dass sich Lajos Dudas seinen ganz eigenen, eher atonalen Stil entwickelt hat, ist auch für Jazzneulinge gleich an der konventionellsten Nummer des Albums hörbar: "Take 5", von Paul Desmond und vom Dave-Brubeck-Quartett fast schon fröhlich aufgenommen, klingt es bei Dudas allein durch das viel langsamere Tempo mystisch, ja schon fast dämonisch. Seine Improvisationen dazu führen "Take 5" ganz in die Welt des Free-Jazz.

Auch die Arie "Dein ist mein ganzes Herz" ist nur am Beginn erkennbar – dann folgen ruhige Improvisationen begleitet von einer sanften Gitarre. Ein Glück! Groß war die Sorge beim Blick in die Titelliste, dieses Stück könnte in "Alleinunterhaltungsstil" abdriften.

Dem ist nicht so – das Stück, und somit das Album, endet mit einer beißenden Intervallsekund und setzt einen markierenden Schlusspunkt unter ein angenehmes Jazzalbum. (ce)

David Orlowsky Trio: Paris · Odessa

Mit seinem Trio – Jens-Uwe Popp (Gitarre) und Florian Dohrmann (Kontrabass) – hat der Klarinettist David Orlow­sky nun das sechste Album bei Sony Classical vorgelegt. "Paris · Odessa" ist mit zwölf Eigenkompositionen eine Reise der Sinne – fast eine synästhetische Fahrt durch Paris und die Metropolen des Ostens.

Bei "Prayer" oder "Marais" mit ihren erdigen, dunklen Tönen im unteren Register der Klarinette schlendert man unter einem dunklen, wolkenverhangenen Himmel durch die Schluchten der schmutzigen, nassen Straßen und spürt eine bittersüße Traurigkeit. In "Taxi Bucuresti" fährt ein Taxi wild durch die rumänische Hauptstadt und in "Moldawanka" besucht man das jüdische Viertel in Odessa. "Immigration Blues" bringt verstärkt das zum Ausdruck, wonach das ganze Album sehnsüchtig verlangt: Verschmelzung, Grenzüberwindung und die Überwindung der Angst vor Neuem.

David Orlowskys Klarinettenton ist reiner, runder – nicht draufgängerisch-dreckig wie der Ton anderer Klezmer-Klarinettisten. Er wird dadurch nicht braver. Im Gegenteil – es ist eine vornehme Verwegenheit, die David Orlowsky auf seiner Klarinette ausdrückt, die selbst beim klezmertypischen Aufbäumen und Herausschreien noch gepflegt wirkt. (ce)

Faltenradio: Respekt

Zusammen sind die drei österreichischen Klarinettisten Alexander Neubauer, Stefan Prommegger und Matthias Schorn sowie der Akkordeonist und Gitarrist Alexander Maurer die Band "Faltenradio". Volksmusik im typischen Gewand und doch ganz anders präsentieren sie da – typische Klänge durch die diatonische Harmonika und doch ganz anders durch die klassischen, jazzigen Töne der verschiedenen Klarinetten.

Typisch durch Volksweisen wie "Gmiatlich muass’s sei" oder "Krivci mojega klobuka" von Slavko Avsenik und doch wieder ganz anders durch Arrangements wie das zur Ouvertüre der Oper "Candide" von Leonard Bernstein. Typisch durch Musik für das Volk wie die Eigenkomposition "Danke" von Alexander Maurer oder der Folksong "If I needed you" von Singer/Songwriter Townes van Zandt – ­übrigens von den drei Klarinettisten gesungen.

Und doch wieder anders durch kritische Musik wie "D’Zigeiner san kumma" von Konstantin Wecker. Aber was will uns das Cover sagen? Dass die Musiker ihr Album in der Elternzeit aufgenommen haben? Dass Musikerberuf und Familie problemlos vereinbar sind? Vielleicht wird dieses Rätsel bei einem Bühnenprogramm verraten, auf das durch dieses Album die Lust geweckt wird. (ce)

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