CD-Tipps: Besondere Komponistenporträts und Musik, die Spaß macht

  • 19.04.2017
  • Rezensionen
  • Ausgabe: 4/2017

Die Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg beschäftigt sich auf ihrer aktuellen CD "For Fritz" mit den Komponisten Fritz Kreisler und Friedrich Gulda. und Das Ensemble Arabesques spielt Kammermusik von Gustav Holst und Ernst Hutter & Die Egerländer Musikanten präsentieren "Das Beste aus 15 Jahren" auf ihrem neuen Sampler. Ins Ohr geht auch das zweite Album von Joscho Stephan & Helmut Eisel Quartett "Bei dir war es immer so schön".

Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg: For Fritz

Wer ist Fritz? Fritz sind Fritz Kreisler und Friedrich Gulda. Und "For Fritz" ist das namengebende Stück der CD, das dieses hörenswerte Album beschließt. Violinist Benjamin Schmid hat das Solostück als Widmung für die Komponisten Fritz Kreisler und Friedrich Gulda kreiert, deren Werke die CD dominieren.

Da ist zum einen Friedrich Guldas Konzert für Violoncello und Blasorchester in der Fassung für Violine. Dieses Arrangement von Selim Giray und Fritz Gearhart haut einen bei den ersten Tönen um. Das Tempo ist zackiger, das Schlagzeug klingt rockiger und statt Akustikgitarre nutzt das Orchester unter Leitung von Hansjörg Angerer eine E-Gitarre, die nach Jazzrock klingt.

Und die Violine! Der Solopart von Benjamin Schmid kommt heller, strahlender und leichter daher als mit dem Cello. Eine echte Konkurrenz für den großen Bruder der Geige. Und auch die Klangqualität des Blasorchesters trägt ihren Teil zum Hörgenuss bei: Es ist einfach deutlich hörbar, dass hier Koryphäen an den Notenpulten sitzen.

Bei Kreislers "Concerto in one Movement" nach Niccolò Paganinis Violinkonzert in D-Dur op. 6 ist die kleine Besetzung des vorherigen Werks um ein Vielfaches aufgestockt. An den Pauken ist der im vergangenen Jahr verstorbene Peter Sadlo zu hören. (ce)

Ensemble Arabesques: Gustav Holst Kammermusik

Gustav Holst ist vielen durch die Komposition "Die Planeten" bekannt. Sein Werk ist aber durchaus weiter gefasst. So hat er besonders zwischen 1896 und 1925 eine ganze Reihe von Kammermusikwerken geschaffen. Aufgenommen wurde nun eine Reihe von Kammermusikwerken vom "Ensemble Arabesques" – Bläser und Streicher, die sich vom deutsch-französischen Kulturfestival "arabesques" kennen.

So sind auf der CD die Werke "Quintett in a-Moll" für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott; "Drei Stücke" für Oboe und Streichquartett, ein Terzett für Flöte, Oboe und Klarinette sowie das Bläserquintett in As-Dur zu hören.

Ein Schmankerl ist das viersätzige "Sextett e-Moll" für Oboe, A-Klarinette, Fagott, ­Violine, Viola und Violoncello. Holst schrieb es im Jahr 1900. Erst vor einigen Jahren wurde es in den Archiven der British Library gefunden. Die Besetzung klingt nach mehr als nur sechs Musikern. Es entsteht der Eindruck, man hätte ein ganzes Kammerorchester vor sich. Besonders der dritte Satz "Adagio", der wie ein dunkler Marche funebre klingt und der zweite Satz "Scherzo – Allegro vivace" – ein kontrastreicher fröhlicher Ohrwurm – machen das Werk besonders. (ce)

Joscho Stephan & Helmut Eisel Quartett: Bei Dir war es immer so schön

Ein jazziges, swingendes Lied über eine Wohnungsgenossenschaft? Gibt es! Und es ist sogar so cool, dass es das Joscho Stephan & Helmut Eisel Quartett am Anfang ihrer Konzerte als Opener spielt. "Créateur Immobilier" ist einer von zwölf zum Teil selbst komponierten Titeln dieser CD.

Die Zusammensetzung der Band war eher Zufall. Das Trio (die Gitarristen Joscho Stephan, Günter Stephan und Bassist Volker Kamp) lud Klarinettist Helmut Eisel für ein Konzert als Gast ein. Bei diesem einen Konzert blieb es nicht. Mit "Bei Dir war es immer so schön" veröffentlicht das Quartett nun schon sein zweites Album – ein leichteres Album als "Rhapsody for an Unknown Klezmer", das Eisel kürzlich veröffentlichte.

Trotzdem spielt seine Frau Babsi wieder eine Rolle – diesmal mit "Babsi’s Decision". Einen Freilach widmet Eisel der Prinzessin "Antonia" und der Klassiker "Sammy’s Freilach" darf nicht fehlen. Auch Jazzgitarrist Django Reinhardt ist bei einer Jazzband mit zwei Gitarristen mit von der Partie – allerdings mit nur einer Nummer ("Daphne").

Das Album macht Spaß und geht ins Ohr – besonders weil diese Klezmer-Jazz-Mischung mit sehr fröhlichen, aber auch sehr traurigen Klängen für den Hörer eine echte melodiöse Alternative bietet. (ce)

Ernst Hutter & Die Egerländer Musikanten – das Original: Das Beste aus 15 Jahren

Dieser Sampler stellt eine Auskopplung aus dem Tour-Titel "90/60/30/15" der Egerländer Musikanten dar. Kurz erklärt: Die ersten beiden Zahlen beziehen sich auf den 90. Geburtstag Ernst Moschs und das Alter der "Egerländer". Die 30 steht für die 30 Jahre, in denen Ernst Hutter Mitglied des Orchesters ist – und 15 ­Jahre ist es her, dass er die Leitung übernommen hat.

Nun schreiben die "Egerländer" im Booklet selbst, dass "das Beste aus diesen 15 Jahren sicher nicht auf ein einziges Album passen würde". Aus so einer Zeitspanne fallen einem mehr als "nur" 20 Höhepunkte ein. Und doch gelingt es Hutter, eine feine Auswahl zu treffen.

Diese beinhaltet die Medleys "Liebe zur Musik" und "Musik für Generationen", in denen allein elf Klassiker verarbeitet sind. Mit diesem Kniff wurde Platz geschaffen für hochkarätige Titel neueren Datums. So dürfen "Egerländer Spielereien", "Das Feuer brennt weiter", der "Graf-Mercy-Marsch", "Wenn Egerländer träumen", die "AHA-Polka" und "Ohne Grenzen" nicht fehlen.

Selbstverständlich wurden auch modernere Melodien berücksichtigt, wie die "Tenorhorn-Rhapsodie", das Posaunensolo "Memory Ernst Mosch" oder das "Egerländer Solistenfeuerwerk". Auf die nächsten 15 Jahre, lieber Ernst Hutter. (mac)

« zurück