Bw-Musix: Wettbewerb mit attraktivem Programm

Zum achten Mal in Balingen, zum elften Mal insgesamt. Der Bläserwettbewerb Bw-Musix der Bundeswehr ist für viele Jugendorchester mittlerweile Pflichttermin im Veranstaltungsjahr. Viele der 28 teilnehmenden Bläserklassen, Bigbands und Jugendblasorchester nahmen in diesem Jahr zum wiederholten Mal teil. Und trotzdem konnten die Veranstalter Bundeswehr und Yamaha die Musiker erneut überraschen. Zum Beispiel mit dem neuen Spielevormittag.

"Old MacDonald had a Band" summen die Soldaten des Spielmannszugs des Musikkorps der Bundeswehr im Backstage-Bereich der Volksbankmesse Balingen leise mit. Hier ist die Operationszelle von Bw-Musix, von wo aus alle Mitglieder des Orga-Teams agieren. Die Atmosphäre am ersten Tag von Bw-Musix ist unaufgeregt. Alles ist vorbereitet.

Am vorherigen Tag hat der Spielmannszug die beiden Zelte aufgebaut – das Essenszelt und das Instrumentenzelt, wo die Kinder ihre Instrumente zum Yamaha-Doktor bringen und Instrumente von Saxofon bis zur Tuba ausprobieren können. Außerdem haben die Soldaten die Bühne mit Schlaginstrumenten von Pauke bis Marimbafon bestückt, die Yamaha für den Wettbewerb zur Verfügung stellt.

Bläserklassenwettbewerb: Ein Highlight für die Jüngsten

Gerade sitzt eine Bläserklasse aus Zweibrücken auf der Bühne. "Old MacDonald had a Band" ist eines von vielen Stücken, die sich die neun teilnehmenden Bläserklassen als Vortrag aussuchen können. Auch bei den Bläserfriends aus Haigerloch-Gruol liegt es auf dem Notenständer. Sie sind zum ersten Mal dabei und sind die ersten an diesem Donnerstag, die morgens mit dem Bus des Musikkorps der Bundeswehr zum Einspielraum fahren, den die Stadt Balingen anbietet. Weitere Räume und Hallen stellt die Gemeinde für Bigband-Wettbewerb, Bläserworkshops und Übernachtung zur Verfügung. Sie sind ein eingespieltes Team – Bundeswehr, Yamaha und die Stadt Balingen.

Während der Fahrt schaut die neunjährige Leni aus dem Fenster. Das ist gar nicht so leicht, denn die Scheiben sind mit Bildern von Musikersilhouetten beklebt. Lehrerin Simone Kroha erzählt: "Es ist schon ein erstes Highlight, mit diesem Bus zu fahren. Wir sind total aufgeregt." Aber zum Glück ist Maskottchen Elli der Elefant dabei. Er bringt den Bläserfriends Glück: Bei der Siegerehrung am Abend, die das Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr umrahmt, übergibt Moderator Hauptmann Jürgen ­Albrecht den Bw-Musix-Neulingen eine Urkunde mit 85,31 Punkten. Aber das ist nicht alles: Eine Klarinettistin und der E-Bassist der Bläserfriends dürfen zwei Stücke mit dem Gebirgsmusikkorps spielen – wie je zwei Musiker aus jeder Bläserklasse. Nämlich diejenigen, die den Jurymitgliedern durch besondere Leistungen aufgefallen sind.

Genauso aufregend ist für die Jüngsten der große Gemeinschaftschor. Über 220 Bläserklassenkinder rutschen auf der Bühne zusammen. Juryvorsitzender Andreas Siry übt mit ihnen "Skyfall", "Die Schöne und das Biest" und "Stars Splitter Fanfare". Das haben sie registerweise mit Musikern des Gebirgsmusikkorps eingeübt. "Wir probieren jetzt mal Dynamik", ruft Siry den Kindern zu. Und er hebt weit seine Arme. Bei so vielen Kindern mischen sich die Töne gut und ein homogener Klang erfüllt die Halle.

Rahmenprogramm mit Spielevormittag und Bläserworkshops

Die Nacht verbringen die Kinder ­gemeinsam nach einem abschließenden Kinoabend in einer benachbarten Dreifachturnhalle auf Luftmatratzen und Schlaf­säcken. Auf der Busfahrt schwärmt ein Lehrer vom gelungenen Rahmenprogramm: "Das war so klasse, da ist der Wettbewerb fast in den Hintergrund getreten."

Damit meint er nicht nur die Aktionen vom Donnerstag. Neu bei Bw-Musix ist 2016 ein Spielevormittag mit zehn Stationen, der nach dem Kinderkonzert des Gebirgs­musikkorps am Freitag stattfindet. Die Stationen haben Namen wie "Geräuschememory" oder "Obsttransport".

Ganz so viel Action brauchen die älteren Musiker der Bigbands und der Jugendblasorchester nicht. Die Gruppen, die schon am Freitagabend anreisen, lauschen dem chilligen Jazzkonzert von "Jazul", der Band des NDR-Bigband-Trompeters Ingolf Burkhardt. Der wird am nächsten Tag in der Bigband-Jury sitzen.

Die Jugendlichen konzentrieren sie sich mehr auf ihren Vortrag bei den Wettbewerben und begeistern sich für die Bläserworkshops. Besonders die Musiker von FortisSIGmo. Sie haben ihren Wettbewerbsvortrag gleich als erste absolviert und können jetzt ganz gelassen die Kurse besuchen. Wie Saxofonist Jakob. Hauptfeldwebel Marina Flügel und Oberfeldwebel Tanja Mottl vom Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr zeigen ihm moderne Spieltechniken wie den "Wah-Wah-Effekt": "Du müsstest quasi anstoßen, aber hier machen wir das über die Luft", sagt Marina Flügel und Tanja Mottl spielt es ihm vor. Jakob lernt zudem die Techniken "Percussion am Instrument" und "Multiphonics", bei dem man mehrere Töne mit einem Griff spielt. "Von den Techniken höre ich zum ersten Mal", staunt Jakob.

Beeindruckende Soli beim Bigband-Wettbewerb

50 Meter weiter, in der Ebert-Halle, stellen sich vier Bigbands der Jury. Die Bigband des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Kaiserslautern ist schon fertig. Die Musiker lauschen den Wettbewerbsgegnern, dem "Penson Jazz Orchestra". "Der Drummer von denen ist hammergeil. Der hat’s drauf", wispert der 18-jährige Adam seiner Sitznachbarin zu. Als die Bigband auf der Bühne zu spielen beginnt, kann er sich vor Begeisterung kaum halten. "Die sind geil. Oh weh, warum freue ich mich denn so, die sind ja von der Konkurrenz." Sogar die Jury um Vorsitzenden Oberstleutnant Timor Chadik gibt immer wieder Zwischen­applaus bei deren Improvisationssoli.

Trotz seines Enthusiasmus kritisiert Adam: "Die sind viel älter als wir und spielen wahrscheinlich schon sehr lange zusammen. Wir sind alle zwischen 13 und 18 Jahre alt und wechseln alle zwei Jahre durch." Darum könne er umso stolzer auf die 91,42 Punkten sein, was am Ende für einen zweiten Platz hinter dem "Penson Jazz Orchestra" reicht.

Konstruktive Kritik beim Jugendblasorchesterwettbewerb

Zeitgleich ist in der Messehalle der Jugendblasorchesterwettbewerb in vollem Gange. Das Jugendorchester aus Dinkelscherben ist bereit. Nach jedem Stück gibt es die ­offene Wertung der Jurymitglieder und Vorsitzender Oberstleutnant Michael Euler übt hinter der Bühne konstruktive Kritik. Beschönigt wird dort nichts. An einem Orches­ter kritisiert er die Intonation. Beim Jugendblasorchester Pfaffenrot spricht er großes Lob so aus: "'Oregon' habe ich etwa eine Million Mal gehört und eigentlich kann ich es nicht mehr hören. Aber ihr habt mich dazu gebracht, dass ich bei dem Stück gerne gelauscht habe."

Besonderen Eindruck erweckt das Kreisjugendorchester Neunkirchen bei den Juroren. Das Orchester hat sich seit 2012 jährlich um eine Kategorie gesteigert und in diesem Jahr in der höchsten Stufe den ersten Platz erlangt. Deshalb bekommt das Ensemble den Yamaha-Sonderpreis in Form einer Querflöte.

Fazit: Daumen hoch

Mit einer fulminanten Party feiern die Musiker am Abend ihre Erfolge. Zunächst ist die große Messehalle beim Konzert der Big Band der Bundeswehr bis auf den letzten Platz besetzt. Die Musikersoldaten reißen das Publikum sprichwörtlich vom Hocker und bei der letzten Nummer – "Purple Rain" – versinkt die Halle in einem Handylichtermeer. Später packt DJ Franco sein Equipment aus – aber er hat nicht mit den spieleenthusiastischen Soldaten gerechnet. Über eine halbe Stunde improvisieren ein Saxofonist, ein Trompeter und ein Posaunist der Big Band zu den Beats des DJs. Das Publikum kocht.

Und Mitglieder des Jugendorchesters Dinkelscherben heben am Ende die Daumen und formulieren ein allumfassendes Fazit für Bw-Musix: "Megageile Party. Megageile Veranstaltung."

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  • 11.11.2016
  • Szene & Leute
  • Christine Engel

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