Buch-Tipps: Von Jazz-Geschichte bis Blasmusik-Krimi

  • 20.04.2017
  • Rezensionen
  • Ausgabe: 4/2017

Wer einen lockeren, ersten Einstieg in das Thema Jazz sucht, für den ist "100 Jahre Jazz" genau das richtige. Mit 100 Schlüsselwerken für Blasorchester beschäftigt sich dagegen Gottfried Veit in seinem "Konzertführer". Aus wissenschaftlicher Sicht wird instrumentaler Gruppenunterricht in "Herzstück Musizieren" beleuchtet. Und spannend wird es in dem blasmusikalischen Krimi "Aufgehängt"...

Philippe Margotin: 100 Jahre Jazz

Eigentlich ist Sport der Schwerpunkt des Delius Klasing Verlags. Aber die Reihe "Edition Delius" beinhaltet auch Bücher über Musik. Beatles, Bob Dylan, Queen – und eben "100 Jahre Jazz". Das Buch ist eine Übersetzung des Titels "100 ans de Jazz", das 2015 beim Schweizer Verlag "Editions Atlas" erschienen ist.

Es bietet einen wohl strukturierten Überblick – auch bei der Anordnung der Fotos – über die verschiedenen Epochen des Jazz, indem der Autor dafür Künstlerporträts der wichtigsten Vertreter verwendet. Allerdings kratzen die Texte nur an der Oberfläche.

"100 Jahre Jazz" ist nicht auf eine Ebene zu stellen mit Joachim-Ernst Berendts "Das Jazzbuch" und schon gar nicht mit dem noch reicher bebilderten "That’s Jazz – Der Sound des 20. Jahrhunderts". Letztgenanntes Buch ist 20 Jahre alt und porträtiert dieselben Künstler ausführlicher, als es "100 Jahre Jazz" tut.

Somit bleibt "100 Jahre Jazz" seinen Lesern Musiker der vergangenen 20 Jahre schuldig. Nichtsdestotrotz bietet "100 Jahre Jazz" einen netten Überblick für Leser, die anfangen, sich für die Musikrichtung Jazz zu interessieren. (ce)

Gottfried Veit: Konzertführer – 100 Schlüsselwerke für Blasorchester und Bläserensembles

Der "Konzertführer" von Gottfried Veit bietet 100 ausgewählte Schlüsselwerke der Bläsermusik von Georg Friedrich Händel bis Otto M. Schwarz, von Renaissance- und Barockmusik über Klassik bis zu Musik der Romantik und Neue Musik, vom 16. bis ins 21. Jahrhundert.

Kurz und prägnant liefert Veit zu jeder Komposition – alphabetisch nach den Komponisten angeordnet – eine Werkbeschreibung und vermittelt dem Leser einen ersten Eindruck. Eine Komponistenkurzbiografie sowie Partiturseiten ergänzen die Abhandlung.

Der Autor möchte mit diesem "Konzertführer" zum einen Dirigenten eine Hilfestellung geben, die auf der Suche nach besonderer Konzertliteratur sind oder einfach "neue" bzw. "andere" Werke aufführen möchten. Zum anderen können die erwähnten Details auch für Konzertansagen herangezogen werden. (pm)

Natalia Ardila-Mantilla u.a. (Hrsg.): Herzstück Musizieren

"Herzstück Musizieren" fasst die Inhalte eines Symposiums zusammen und beinhaltet zehn wissenschaftliche Aufsätze aus der Musikpädagogik. Anliegen des Buches ist, Musiklehrer zu animieren, gemeinsames Musizieren nicht nur als Ziel des Unterrichts zu sehen, sondern es im Unterricht den Schülern bereits möglich zu machen.

Die Aufsätze reichen von Studienbeschreibungen, in denen die Autorin für mehr videobasierte Forschung plädiert, über die Entwicklung eines neuen Unterrichtsmodells (Oszillationsmodell), bis hin zu einem Text, in dem der Autor anregt, Gruppenunterricht im "Cypher" stattfinden zu lassen, wie es im HipHop und Breakdance üblich ist.

Besonders lesenswert ist Ulrich Mahlerts Aufsatz, der über "Glück im Musizieren" schreibt. Er fordert seine Kollegen auf, den Unterricht so zu gestalten, dass Schüler durch ihn Ziele erreichen – und das Erleben von Glück nicht mehr fern ist.

Ein Praxisratgeber, der schnelle Tipps gibt, ist das Buch nicht – dazu ist es eine zu wissenschaftliche Schrift. Wer aber differenziert und zusammenfassend liest, kann durchaus hilfreiche Vorschläge daraus gewinnen. (ce)

Sonja Wölfle: Aufgehängt

Mord in Dimmelwang! Nicht dass das etwas Neues wäre, denn die Marktgemeinde im Ostallgäu wird ja immer wieder mal zum Schauplatz haarsträubender Verbrechen. Angefangen hat alles mit dem Mord an Trompeter Toni – ausgerechnet beim Bezirksmusikfest ("Ausgeblasen"). Dann im vorigen Jahr die Serie schauerlicher Brandanschläge im Vorfeld und schließlich auch beim Faschingsumzug selbst ("Abgefackelt").

Nun geht es also wieder los in Dimmelwang. Das Opfer ist diesmal Jan Rex, der Fernsehkoch. Gut, dass Louisa Städele, Polizistin und Tenorhornistin der örtlichen Blaskapelle, immer ganz nah dran ist an den Dimmelwangern.

In ihrem dritten blasmusikalischen Krimi setzt Autorin Sonja Wölfle ihr bewährtes Konzept fort: Nicht nur das Verbrechen wird von Polizistin Louisa Städele aufgeklärt, sondern es kommen auch viele liebenswerte – und nervtötende – Marotten der Dimmelwanger zum Vorschein.

Ob als Ostallgäuer Charakterstudie, als "Inside"-Report einer dörflichen Blaskapelle oder auch einfach nur als lustige Leseunterhaltung: Dieser Krimi gehört nicht aufgehängt, sondern gelesen! (ho)

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