Blattschrauben von Reedmaster: Die Revolution?!

Foto: Reedmaster

Ich oute mich hiermit als Gadget-Fan und Mundstück-Fanatiker. Meine Schubladen sind voll von holzbläserischem Zubehör, das sich über die Jahre angesammelt hat. Auf der Suche nach dem perfekten Sound habe ich viele lange Töne ausgehalten, aber auch viel Geld für Equipment ausgegeben. Unterschiedliche Mundstücke und Blätter bzw. Blattstärken mögen für den unbedarften Zuhörer einen hörbaren Unterschied darstellen, aber wie wichtig ist denn überhaupt die Blattschraube für Sound und lohnt es sich, dafür viel Geld auszugeben?

Wie wichtig ist die Blattschraube für den Sound?

Allgemeingültig lässt sich das nicht beantworten, da das eine sehr individuelle Sache ist. Für mich persönlich machen Mundstück und Blatt 60 Prozent und Instrument (inklusive S-Bogen oder Birne) etwa 35 Prozent des Sounds aus.

Die Blattschraube spielt eine untergeordnete Rolle – nach meinem Gefühl vielleicht 5 Prozent. Auch beim Spielgefühl nimmt die Blattschraube einen geringen Stellenwert ein und trotzdem gibt es als Spieler spürbare Unterschiede in Sachen Sound, Ansprache und Intonation.

Wichtiger für mich ist hingegen die Handhabung der Blattschraube, denn es geht ja darum, das Blatt möglichst schnell und einfach auf dem Mundstück zu fixieren.

Es gibt auf dem Markt viele verschiedene Modelle mit unterschiedlichstem Handling. Viele Hersteller preisen ihre Blattschraube als ultimatives »Must-have« an. Die Firma Reedmaster bringt nun ein neues Modell für Saxofone, Klarinette(n) und Bassetthorn auf den Markt und bezeichnet diese sogar als »Revolution im Bereich der Ligaturen«.

Hochwertige Verarbeitung

Mit einem Verkaufspreis von 298 Euro siedelt sich diese ganz klar im obersten Preissegment an. Meine Gadget-Neugier ist getriggert und die Erwartungen sind dementsprechend hoch.

Handwerklich wirkt die Blattschraube sehr langlebig konzipiert. Nicht zu filigran und trotzdem sehr leicht und hochwertig. Der erste optische Eindruck ist sehr positiv. Wem die bunten Farbvarianten zu wild sind, wird bei »classic black« fündig.

Revolutionäre Blattaufnahme

Neu – und somit tatsächlich revolutionär – ist die Blattaufnahme. Bei allen anderen Blattschrauben positioniert man üblicherweise das Blatt erst auf dem Mundstück und setzt anschließend die Blattschraube vorsichtig auf. Nicht so bei der Reedmaster-Ligatur: hier wird das Blatt samt Blattschraube auf das Mundstück geschoben.

Das Blatt sitzt im unteren Teil der Blattschraube und wird seitlich von zwei Plastikfedern gehalten. Schnell und dank des beiliegenden Begleitmaterials hat man das Prinzip verstanden und tatsächlich funktioniert die Handhabung nach etwas Übung einwandfrei.

Trotzdem muss man aber natürlich noch darauf achten, dass das Blatt bündig mit der Mundstückspitze abschließt und man wird dafür beide Hände benutzen. Für mich persönlich gestaltet sich das Anbringen von Blatt und Blattschraube daher nicht schneller oder einfacher als bei anderen Blattschrauben.

Es sei hier erwähnt, dass man auch zuerst das Blatt auf dem Mundstück ausrichten und anschließend die Blattschraube aufsetzen kann. Gerade beim mehrfachen Wechsel während meines Tests gestaltet sich diese herkömmliche Methode als schneller und einfacher. Die Revolution bleibt für mich aus. Zumindest in diesem Punkt.

Allerdings hat die neuartige Blattaufnahme den positiven Effekt, dass das Blatt nahezu bewegungsfrei auf dem Tisch des Mundstücks sitzt und nicht nach links oder rechts abrutscht. Bereits wenn die Schraube noch nicht fest fixiert ist, bleibt das Blatt in der Schiene. Das ist ein entscheidender Pluspunkt.

Praktische Handhabe

Mit der Drehschraube wird dann Blatt samt Schiene an das Mundstück gepresst. Die Spannung lässt sich sehr flexibel einstellen und bereits bei nur leichtem Anpressdruck sitzt die Blattschraube so straff, dass man das Mundstück samt Blattschraube zum Stimmen bewegen kann, ohne dass das Blatt verrutscht. Wieder ein Pluspunkt.

Erwähnenswert ist auch, dass man im Gegensatz zu manch anderem Modell die Blattschraube nach dem Musizieren getrost auch ohne Blatt auf dem Mundstück lassen kann, da diese den Tisch nicht verkratzt. Sehr gut.

One Size Fits All

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass es sich bei der Reedmaster-Ligatur quasi um ein »One Size Fits All«-Modell handelt. Das heißt, beispielsweise passt die Tenorsax-Version auf alle gängigen Tenormundstücke, egal ob großes Kautschukmundstück oder schlankes Metallmundstück. Das ist super – insbesondere, wenn man mehrere Mundstücke spielt.

Schutzkapsel

Der Aufbau der Blattschraube ist nach oben und unten etwas »ausladender« als bei manch anderen Modellen. Daher stellt sich die Frage nach einer passenden Schutzkapsel. Laut Webseite wird eine »edle Schutzkappe« aus Metall mitgeliefert. Diese lag bei meinen Testmodellen leider nicht bei.

Anhand der Fotos handelt es sich dabei um eine kurze Schutzkappe, die das Blatt vor Beschädigungen schützt, allerdings das Blatt nur im vorderen Bereich bis zur Blattschraube umschließt.

Ich mag gerade bei sommerlichen Temperaturen herkömmliche Plastikkapseln lieber, wenn sie das gesamte Mundstück samt Blattschraube dicht umschließen. Dann trocknet das Blatt nicht so schnell aus. Es gibt auch andere Hersteller, deren Blattschraube super durchdacht ist, man aber erstmal nach einer passenden Schutzkapsel suchen muss. Gaffa-Tape, Teppichmesser und eine schöne herkömmliche Plastikkappe waren da schon immer sehr hilfreich.

Überzeugend: Ansprache und Klang

In Sachen Ansprache und Klang überzeugt die Blattschraube voll und ganz. Ich spüre eine sehr direkte Ansprache, eine klare Artikulation, eine sehr akkurate Intonation und vor allem einen sehr offenen Sound.

Es handelt sich dabei um eine wirklich spürbare Charakteristik. Als Test-Gegenstück habe ich meine langjährige »Ultimate Ligature« von François Louis verwendet, die ich bisher als sehr offen und »free-blowing« wahrgenommen habe.

Die Reedmaster-Blattschraube kommt deutlich präsenter und offener bei ähnlicher Ansprache daher und betont die hohen Mitten etwas klarer. Das gefällt mir sehr gut. Wer seinem Sound ein dahingehendes »Fine Tuning« verpassen will, wird nicht enttäuscht.

Fazit des Testers

Revolution hin oder her – es handelt sich hierbei also in der Tat um eine interessante Blattschraube mit einigen sehr positiven Features. Da sind das Handling samt neuartiger Blattaufnahme und die Optik.

Vor allem aber bewirkt die Blattschraube spürbare Unterschiede in Sachen Sound und Ansprache, die dem erfahrenen Spieler auffallen werden, und daher lohnt es sich, die Reedmaster-Ligatur auszuprobieren.

Der Tester Axel Müller

ist Saxofonist und Multiinstrumentalist mit Sitz in Deutschland und Österreich. Genauso vielseitig wie sein Instrumentarium ist auch seine musikalische Laufbahn: Aufgewachsen zwischen den Klängen von Dixieland- und Swing-Vinyls, zweckentfremdete Axel als Teenager Papas Jazzgitarre, um darauf »Rage Against the Machine« zu üben. Zeitgleich lernte er klassische Klarinette und machte erste Anläufe als Saxofonist in Schulbigbands.

Nach der Schulzeit ging Axel an die Mannheimer Musikhochschule, um Jazz-Saxofon zu studieren. In der Gregor-Meyle-Band bläst er Saxofon(e), Flöten, Klarinetten sowie Irish Whistles und musiziert in der Hornsection der Fernsehsendung »Sing meinen Song«.

Zusammen mit den Brass-Kollegen Johannes Goltz (Posaune) und Christoph Moschberger (Trompete) hat sich daraus eine eingespielte Hornsection ergeben, welche von Größen wie Nena, Wolfgang Niedecken oder Mark Forster für Recordings oder Tourneen angeheuert wird.

www.axelmuellermusic.com

  • 26.08.2019
  • Test
  • Axel Müller
  • Ausgabe: 9/2019
  • Seite 16-17

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