Asya Fateyeva hat das letzte Wort

Foto: Neda Navaee

Asya Fateyeva widmet sich als klassische Saxofonistin einem breiten Repertoire: Originalwerke für Instrument, aber auch Werke aus dem Barock, der Klassik und der Romantik. So vielseitig wie ihr Instrument ist auch die Saxofonistin selbst. Im Interview sprachen wir mit ihr über Fragen an Adolphe Sax, Karneval in Köln sowie Hamburg und das Saxofon.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gerne mit Adolphe Sax unterhalten hätten? Und was hätten Sie ihn gefragt?

Ich würde ihn fragen, woher er die ganze Kraft und seine Besessenheit genommen hat, der Welt so viel zu schenken. Was hat ihn getrieben? Ich würde ihn auch fragen, was er davon hält, dass sein Instrument ein »Jazz-Kind« geworden ist.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht hätten, statt des Saxofons lieber etwas anderes gelernt zu haben?

Das habe ich mir noch nie gewünscht, aber ich hole mir Inspirationen. Es ist erfrischend, andere Instrumente zu hören – aber ich kehre immer wieder zu meinem Instrument zurück. Da gibt es keine Grenzen. Das Saxofon ist klanglich und emotional unglaublich vielseitig.

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?

Das ist noch nicht so lange her. Ich habe mir eine Woche im März gegönnt. Leider ist es bei mir sehr oft so, dass ich krank werde. Ich stehe ständig unter Spannung und im Urlaub fällt alles von mir ab. Der Vergleich ist nicht besonders charmant, aber mir geht es da wie einem Pferd. (lacht) 

Aber es ärgert mich, dass ich nie entspannen darf. Ich entspanne am besten, wenn ich die Musikrichtung wechsle. Wenn ich eine lange Phase neuer Musik habe, tut mir etwa Flamenco total gut.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Karneval gefeiert haben?

Das ist lange her! Das war während meines Studiums in Köln. Ich war aber nie draußen bei den vielen Menschen – das war mir nicht geheuer. (lacht) 

Es ist aber spannend, die verschiedenen Ausprägungen des Karnevals zu sehen. Der rheinische ist ja nun wirklich ganz anders als der venezianische oder der brasilianische. Ganz früher, auf der Krim noch, haben wir uns zu Silvester verkleidet.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihre Preise poliert haben?

Ich habe das noch nie gemacht. Der ECHO Klassik und die Trophäe des Saxofonwettbewerbs in Dinant stehen bei mir im Wohnzimmer. Mein Kater flaniert da oft entlang. Der macht das dann für mich.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich mit einem Dirigenten gestritten haben?

Wirklich gestritten habe ich mich nie. Vielleicht kam es mal vor, dass wir uns musikalisch nicht verstanden haben. Aber dann muss man eben Kompromisse eingehen und gegebenenfalls Entscheidungen für die zukünftige Zusammenarbeit treffen. Wenn es passt, muss man nicht mehr diskutieren. Dann klappt es von alleine.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Das kommt auf die Sichtweise an. (lacht) Man kann sich selbst Dinge verbieten – keine Süßigkeiten zu essen beispielsweise. Ich glaube, ich tue oft verbotene Dinge...

Wann war das letzte Mal, dass Sie auf dem Hamburger »Michel« waren?

Leider ist das schon viel zu lange her. Als ich mit 14 Jahren nach Hamburg kam, habe ich mit meiner Klasse eine Stadtführung mitgemacht. Es hat tatsächlich ein bisschen gedauert, mit Hamburg Freundschaft zu schließen. Auch heute gibt es hier noch kein klassisches Saxofon! Aber ich fühle mich mittlerweile hier zu Hause. Ich bin Hamburgerin!

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein?

Ich habe kürzlich Brahms und romantische Lieder gespielt. Egal, welche Musik ich mache – ich wandere sofort mit dem Geist in diese Zeit. Da hat fast jede Epoche seinen Reiz. Im Großen und Ganzen bin ich aber mit der Gegenwart zufrieden, in der ich zum Beispiel mit dem iPad Noten bearbeiten kann.

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Ratschlag von Daniel Gauthier berücksichtigt haben?

Ich habe vor fünf Jahren mal wieder einen bekommen. Ich habe mit 15 damals bei ihm angefangen. Mit 19 bin ich dann weitergezogen nach Paris. Besonders geprägt hat mich aber in Moskau Margarita Schaposchnikowa. Damals war ich 12 Jahre alt. In diesem Alter wird man sehr geprägt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie von einem Studenten mehr gelernt haben als der von Ihnen?

Es ist nicht leicht zu beurteilen, wie viel die Studenten wirklich von mir lernen. Aber ich denke schon, dass es immer ein schöner Austausch ist. Ich werde fast immer beeinflusst und inspiriert – manchmal auch schockiert (lacht) – und ich muss immer rekapitulieren. Man wird stärker und bewusster.

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Blasorchester mitgespielt haben?

Ich habe noch nie im Blasorchester gespielt. Also Solistin mitgespielt habe ich öfter. In Norderstedt zum Beispiel. Im kommenden Januar gehe ich zudem nach Boston, wo ich mit der Navy Band spiele.

Wann war das letzte Mal, dass Sie dachten: Musik kann die Welt verändern?

Ich weiß nicht, ob Musik global etwas verändern kann – aber Musik kann Menschen verändern, Musik kann heilen. Da bin ich mir sehr sicher.

Über Asya Fateyeva

1990 auf der Krim geboren, widmet sie sich als klassische Saxofonistin einem breiten Repertoire. Dazu gehören neben Originalwerken für ihr Instrument auch Werke aus dem Barock, der Klassik und der Romantik. »Das Saxofon ist extrem vielseitig und kann sich gut ›verkleiden‹. Es klingt mal so und mal so – es wird verglichen. Das ist die Natur unseres Instruments.« 

Die aktuelle CD »Carneval« (Berlin Classics) unterstreicht das. Vor allem ist Karneval nicht nur gute Laune, Asya Fateyeva zeigt auch die tragische Seite. Denn »man lacht ja nicht immer...«. Asya Fateyeva lacht viel und sie beginnt fast jede Antwort mit einem charmanten »Och...«

www.asyafateyeva.com

  • 28.06.2019
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 6/2019
  • Seite 64-65

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