Amy Dickson hat das letzte Wort

Die CLARINO-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal ­andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie über die unterschiedlichen Mentalitäten von Engländern und Australiern nachgedacht haben?

Ich lebe nun seit 13 Jahren in London und ich denke, ich habe deshalb die englische Lebensart übernommen. Aber ich bemerke die kulturellen Unterschiede jedes Mal, wenn ich in das jeweils andere Land reise – wie das wahrscheinlich jeder macht, wenn er in ein anderes Land kommt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich mit einem Dirigenten gestritten haben?

Ich glaube, das habe ich noch nie! Und ich drücke die Daumen, dass das nie passiert!

Wann war das letzte Mal, dass Sie mit ­einem Blasorchester gespielt haben?

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich zwei fabelhafte Konzerte mit der Royal ­Marines Band gegeben habe. Das war sehr aufregend. Die Band hat solch einen schönen und warmen Klang – es hat richtig Spaß gemacht, mit ihr zu spielen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie geweint haben?

Das war vermutlich vor Freude, als ich erfahren habe, dass mein neues Album auf Platz 1 der britischen Klassik-Charts geklettert ist.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gewünscht haben, lieber professionelle Sportlerin geworden zu sein?

Das ist schon sehr lange her! Als Teenager träumte ich von einer olympischen Karriere als Schwimmerin. Aber ich war nie schnell genug!

Wann war das letzte Mal, dass Sie in ­Sydney waren?

Im Februar war ich dort, um mich auf ­meine Australien-Tour vorzubereiten – und natürlich um meine Familie zu besuchen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie etwas Verbotenes getan haben?

Ich kann mich nicht erinnern... Oh mein Gott, wie langweilig!

Wann war das letzte Mal, dass Sie Cricket gespielt haben?

Das ist sehr sehr lange her. Es schreckt mich ab, es selbst zu spielen. Aber ich liebe es absolut, Cricket zu schauen. Als ich ein Kind war, lief bei uns zu Hause im Sommer ständig Cricket im Fernsehen – wie bei vielen anderen australischen Familien auch. Cricket ist also etwas, das ich in meinem Blut habe.

Wann war das letzte Mal, dass Sie gewünscht haben, statt des Saxofons lieber die Violine gewählt zu haben? 

Das habe ich mir noch nie gewünscht. Der Klang des Saxofons war immer der mit der größten Anziehungskraft aller Instru­mente. Der Klang kann schön und warm sowie wunderbar ausdrucksstark sein. Das Saxofon hat mich mehr als jedes andere Instru­ment fast schon wie selbstverständlich angezogen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Kollegen beneidet haben?

Nun, ich bin in meinem Beruf ein ziem­liches Unikat, sodass ich sehr glücklich bin in der Position, in der ich mich befinde. Und überhaupt: Neid hilft niemandem. Niemals!

Wann war das letzte Mal, dass Sie bei einem Kylie-Minogue-Konzert waren?

Leider noch nie. Aber das würde ich mir sehr gerne einmal anschauen. Sie ist eine großartige Künstlerin.

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein neues, zeitgenössisches Werk gespielt haben?

Heute erst! Ich arbeite ständig an und mit neuer Musik. Das ist eine meiner großen Leidenschaften.

Wann war das letzte Mal, dass Sie nach Ihrem Aussehen beurteilt wurden und nicht nach Ihrer Musik?

Ich bin mir da nicht so sicher, weil die Leute mir ihre Meinung diesbezüglich nicht ­immer mitteilen. Allerdings: Im vergangenen Jahr schrieb ein Kritiker einer führenden Tageszeitung einen Artikel, der zum Großteil davon handelte, dass er mein Kleid nicht mochte. Er schrieb nur einen kleinen Absatz über die Musik – die er aber mochte.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihre Auszeichnungen poliert haben?

Die werden alle gut in meinem Elternhaus in Sydney aufbewahrt.

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Kinosaal verlassen haben, weil der Soundtrack so schlecht war?

Das habe ich wirklich noch nie gemacht. Allerdings empfinde ich die Musik oft einfach zu laut. Und ich würde es toll finden, wenn die Kinobetreiber die Lautstärke bisweilen ein klein bisschen runter drehen würden.

www.amydickson.com

Das Südtiroler Auswahlblasorchester Symphonic Winds tourt heuer bereits zum 24. Mal in der Weihnachtszeit durch die Konzertsäle Südtirols. Eingeladen werden dabei Gastsolisten von Weltformat. Mit der australischen Saxofonistin Amy Dickson konnte erneut eine Aus­nahme­musikerin verpflichtet werden. Zu hören sind am 21. (Sterzing), am 22. (Bozen) und 26. Dezember (Meran) unter anderem »Birds« von Toshiro Mashima, »Fire in the Earth« von David Maslanka sowie »A Gershwin Fantasy«.

Mit sechs Jahren entdeckte Amy Dickson das Saxofon. Heute, mit 31, ist sie bekannt für ihren bemerkenswerten und unverwechselbaren Klang sowie außergewöhnliche Musikalität. Ihr Konzert-Debüt gab sie im Alter von 16 Jahren mit dem »Concerto« von Dubois und dem Ku-ring-gai Philharmonic Orchestra. Sie studierte am Royal College of Music in London bei Kyle Horch sowie am Konservatorium in Amsterdam bei Arno Bornkamp. Heute lebt Amy Dickson in London. Sie konzertiert regelmäßig weltweit mit führenden Orchestern. Ihr weitreichendes Repertoire umfasst neben den Saxofonkonzerten von Glazunov, Debussy, Villa Lobos, Ibert, Larsson und Milhaud ebenso auch Solokonzerte, welche sie eigens für Saxofon einrichten lässt. Bis dato hat sie bei Sony Music bereits drei bemerkenswerte CD-Einspielungen herausgegeben: »Smile« (2008), »Glass, Nyman, Tavener« (2010) sowie »Dusk and Dawn« (2013).

  • 20.08.2013
  • Das letzte Wort

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