Alexander von Hagke hat das letzte Wort

Die CLARINO-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten…

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einem Sinfonieorchester mitgespielt haben?

Das war vorgestern mit dem Münchner Rundfunkorchester im Prinzregententheater. In einem so guten Orchester mitzuspielen, ist immer ein sehr schönes Erlebnis. Dieser Klang und die enorme Dynamik faszinieren mich immer wieder. Zudem gibt es ja so viele unglaubliche Kompositionen für Orchester, und die erlebt man von innen heraus anders.

Panzerballett, Passo Avanti, Solo – wann war das letzte Mal, dass Sie ein wenig den Überblick verloren haben?

Das ist bei mir ein Dauerthema. Ich liebe es, in so unterschiedlichen Kontexten zu arbeiten. Aber da ich alles gut machen möchte, bleibt es eine permanente Herausforderung. Letzlich lerne ich aber viel dabei, und es bleibt interessant.

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?

Über Pfingsten war ich zwei Wochen in Spanien. Ein wenig geübt habe ich dort auch, aber das trägt für mich zur Entspannung bei. Den Sommer über habe ich komplett gearbeitet. Arbeit ist bei mir aber auch Hobby und Leidenschaft, daher denke ich nicht so viel über »Work-Life-Balance« nach.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht hätten, doch Lehrer geworden zu sein?

Ich unterrichte an der Berufsfachschule für Musik in München/Pasing. Dort kann ich mein Wissen an junge Musiker weitergeben. An eine allgemeinbildende Schule zieht es mich nicht – das wäre auch zu unflexibel in Kombination mit meiner Konzerttätigkeit.

Ottmar Hitzfeld hat einmal gesagt: »Fußball ist keine Mathematik.« Wann war das letzte Mal, dass Sie Mathematik mit Musik verglichen haben?

Nachdem ich beides studiert habe, werde ich danach regelmäßig gefragt. Gemeinsamkeiten liegen etwa im kreativ-schöpferischen wie im intellektuell-strukturierten Bereich. Musik spricht natürlich mehr Sinne an und lässt mehr Graubereiche zu.

Wann war das letzte Mal, dass Sie ein Restaurant verlassen haben, weil die Musik so schlecht war?

Daran kann ich mich nicht erinnern. In Restaurants gefällt mir öfter mal die Musik nicht, aber ich komme ja zum Essen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie wünschten, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein?

Ich lebe gern im Hier und Jetzt. In andere Epochen mal kurz hineinschauen zu können und berühmte Musiker zu treffen, wäre aber sicherlich aufregend.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich an einen Tipp von Leszek Zadlo erinnert haben?

Jeder Lehrer hat bei mir Spuren hinterlassen, und ich denke immer wieder daran, vor allem beim Üben oder Spielen natürlich. Ich hole mir immer noch sehr gern Anregungen bei erfahrenen Spielern. Das Lernen hört hoffentlich nie auf!

Wann war das letzte Mal, dass Sie jemandem die korrekte Blattbearbeitung erklären mussten?

Auch hier lerne ich immer dazu. Ich gebe öfters Klarinettenworkshops, da kann ich dann ein paar Dinge erklären.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich nach einem Saal wie der Mailänder Scala gesehnt haben?

Im Oktober habe ich mit Martin Grubingers Ensemble und Thomas Hampson in der Scala gespielt. Ich freute mich riesig darauf. Im kleineren Rahmen zu spielen, zum Beispiel in einem Kammermusiksaal oder Jazzclub, genieße ich aber ebenfalls.

Wann war das letzte Mal, dass Sie bei einem Live-Fußballspiel waren?

2005 war ich in der Allianz-Arena, Bayern München gegen Mailand. Das war schon eindrucksvoll. Ansonsten gehe ich aber lieber in eine Kneipe, wenn ich Fußball gucken möchte.

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Schreibblockade hatten?

Wenn ich das Gefühl habe, beim Komponieren fließt es nicht so richtig, dann mache ich lieber an einem anderen Tag weiter. Das ist für mich ein normaler Bestandteil des kreativen Prozesses. Da möchte ich nichts erzwingen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie Karaoke gesungen haben?

Das war 2002, da war ich mit einer Band in Malaysia. Eines Abends waren wir zum Karaokesingen eingeladen. Ich fand es gar nicht so einfach.

Wann war das letzte Mal, dass Sie einen Blechbläser beneidet haben?

Am ehesten, wenn ich mich mit Blättern herumärgern muss, was immer wieder vorkommt. Demnächst beginnt die Heizperiode, da wird es gern mal schwieriger. Aus künstlerischer Sicht faszinieren mich die dynamischen Möglichkeiten von Blechbläsern besonders.

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich selbst gegoogelt haben?

Das mache ich alle paar Monate mal, insbesondere nach Erscheinen einer neuen CD. Natürlich interessiert mich, was da so berichtet wird.

Über Alexander von Hagke

Der Münchner Musiker ist in vielen Welten zu Hause. Er tourt mit hochkarätigen Jazzensembles (zum Beispiel »Panzerballett«) um die Welt, spielt als Solist Uraufführungen von namhaften Komponisten der Neuen Musik, wie auch in Spitzenorchestern (zum Beispiel Münchner Philharmoniker, Münchner Rundfunkorchester). 2015 sind nun in kürzester Zeit gleich drei Tonträger erschienen: Auf der CD »Dark Wood Suite« (enja) steht die Klarinette im Mittelpunkt. Mit seinem Quartett zelebriert er das dunkle Holz mit feiner Melodik und subtiler Harmonik.

Mit seinem kammermusikalischen Ensemble »Passo Avanti« erschien das Album »Finest Blend« (GLM). Als Mitglied der Heavy-Metal-Fusion-Band »Panzerballett« ist er auch international einer wachsenden Fangemeinde bekannt. Aktuelles Album: »Breaking Brain« (Gentle Art of Music).

Alexander von Hagke studierte Saxofon und Klarinette in New York und München. Zudem studierte er Mathematik an der TU München, veröffentlichte ein Informatikbuch und arbeitete bei einer internationalen Managementberatung.

www.alexandervonhagke.com

  • 02.11.2015
  • Das letzte Wort

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