Albrecht Mayer hat das letzte Wort

  • 20.01.2015
  • Das letzte Wort

Die CLARINO-Serie »Sie haben das letzte Wort« ist zwar in Interview-Form gehalten, sie soll aber einmal ­andere Fragen beinhalten, als man sie aus »normalen« Interviews kennt. Durch ungewöhnliche und nicht alltägliche Fragen will die Redaktion Neues vom Künstler erfahren. Die Fragen beginnen immer gleich. Wir sind gespannt auf nicht immer gleiche Antworten.

Wann war das letzte Mal, dass Sie »so richtig« Urlaub gemacht haben?

Meine kleine Tochter Laura ist jetzt acht Monate alt. Selbst wenn ich mal ein paar Tage frei habe und mit meiner Familie zusammen bin, dann ist man mit einem Kleinkind doch 24 Stunden am Tag beschäftigt. Das ist unheimlich schön und sehr erfüllend – aber Urlaub ist das natürlich nicht. Dass ich mal so richtig abgeschaltet hätte, ist schon etwas länger her. Auf jeden Fall bevor meine Tochter auf die Welt kam. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie im »Schlenkerla« waren?

In meinem absoluten Lieblingslokal war ich, als ich das Silvesterkonzert mit den Bamberger Symphonikern gespielt habe. Ich liebe die Bamberger Heimat sehr, die Art der Bewohner und deren Mundart. Leider bin ich nicht so regelmäßig in Bamberg, wie ich es mir wünsche. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich mit Sir Simon Rattle gestritten haben?

Ich kann mich zwar an zwei Meinungsverschiedenheiten erinnern und er hat es ja auch nicht so leicht mit uns – wir sind ja schwer erziehbar. Aber ich denke, wir ­haben beide unseren Frieden mit uns gemacht. Ich respektiere seine Arbeit und ihn als Person sehr. Ich bin nur ein kleines Licht und nur eines von 128 Mitgliedern. Ich ­denke, es wird keinen Streit mehr geben. Die Berliner Philharmoniker und wir als Plenum bilden uns immer ein, dass alles demokratisch wäre. Aber Demokratie und Musik sind zwei Dinge, die sich ausschließen. Wie soll man je auf einen grünen Zweig kommen, wenn jeder seine Meinung sagt?

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich eine negative Kritik zu Herzen genommen haben?

Ich kann mich an ein Konzert mit dem Bonjour-Paris-Programm in der Berliner Philharmonie erinnern, von dem der Kritikerin hauptsächlich meine strassbesetzten Schuhe in Erinnerung geblieben sind. Sie schrieb wenig über meine Musik. Darüber habe ich mich geärgert. Wenn es eine begründete, eine konstruktive Kritik ist, gibt es wohl keinen Musiker, der sie sich nicht zu Herzen nimmt. Ein Quäntchen Wahrheit ist bei den meisten Kritiken dabei. Sofern die Kritik im richtigen Ton vorgetragen ist, ­finde ich sie sehr, sehr wichtig. Jeder Musiker möchte natürlich am liebsten gute Kritiken bekommen. Aber wir sind Menschen – keine Maschinen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie daran gedacht haben, eine Jazz-Platte aufzunehmen?

Vor kurzem, als mich mein lieber Freund Rolf Kühn gefragt hat, ob ich auf seinem neuen Album mitspielen will. Wir disku­tieren noch. Ich habe schon relativ oft Pop gemacht und Soul geht auch ganz gut auf der Oboe. Aber wirklichen Jazz überlasse ich dann doch lieber Klarinettisten und Saxo­fonisten. Die können das mit ihrem Instru­ment einfach bedeutend besser. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie Ihre Auszeichnungen poliert haben?

Ich habe die noch nie poliert. Sie stehen aber tatsächlich aufgereiht in meinem Arbeitszimmer und glänzen oder oxidieren um die Wette. Das dürfen sie auch. Sie ­haben die Berechtigung, langsam mit mir zu altern. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich selbst gegoogelt haben?

Wenn ich mal Zeit habe, dann schaue ich schon, was aktuell bei YouTube steht, was im Umlauf ist – aber nicht, um mich selbst zu beweihräuchern. Beim Konzert gestern Abend in Düsseldorf sitzt jemand ganz dreist in der Mitte und nimmt mit einer Kamera einfach auf. Ich habe ihn dann irgendwann gebeten, das zu unterlassen, es gebe schon genug Videos von mir auf YouTube. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie sich gewünscht haben, statt der Oboe die Trompete gewählt zu haben?

Das war bei einem Freiluftkonzert in Mecklenburg-Vorpommern. Ich habe ein Doppelkonzert mit dem fantastischen Trom­peter Gábor Boldoczki gespielt. Und bei ­einem Freiluftkonzert hat eine Oboe gegen eine Trompete absolut keine Chance. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie in einer Blaskapelle mitgespielt haben?

Vor einem Monat war ich Solist mit einem Blasorchester. In Ingolstadt habe ich mit der Audi Bläserphilharmonie gespielt. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie über einen Musiker-Witz gelacht haben?

Vorhin beim Dienst. Denn es vergeht kein Tag, an dem sich die Kollegen nicht neue Witze erzählen. »Was ist ein Gentleman? Jemand, der es versteht, die Bratsche zu spielen – es aber nicht tut.« Meine Kollegin Tabea Zimmermann ist musikalisch und menschlich so ein Leuchtturm für mich und so erhaben über allen Bratscher-Witzen, dass ich die trotzdem erzählen kann. 

Wann war das letzte Mal, dass Sie eine Currywurst gegessen haben?

Ich liebe Currywurst! Ob die Berliner die beste ist? Es gibt vermutlich keine Großstadt, die nicht von sich behauptet, die beste Currywurst zu machen.

Wann war das letzte Mal, dass Sie über das Guinness-Buch der Rekorde nachgedacht haben, das die Oboe einmal als das schwierigste Instrument listete?

Ich amüsiere mich immer über sogenannte Rekorde. Der Schnellste, der Beste, der Schönste – das gibt es alles nicht. Es gibt Leute, die beherrschen eine Sache, und es gibt Leute, die beherrschen sie nicht. Und wenn ein Mundharmonikaspieler zum Supertalent gemacht wird, bin eben ich der­jenige, der davon nichts versteht.

Albrecht Mayer

»Lost and Found« (Deutsche Grammophon) heißt das neue Album von Albrecht Mayer. Wahre Schätze hat der Oboist aus den Archiven zutage getragen – und mit der Kammerakademie Potsdam eindrucksvoll ein­gespielt. Albrecht Mayer erklärt: »Dieses Album ist das Ergebnis von nahezu zwei Jahren spannender Suche und Recherche in den unterschiedlichsten Bibliotheken. Mit diesen Konzerten aus der Feder von Freunden, Kollegen und auch Konkurrenten des allgegenwärtigen Wolfgang Amadeus Mozart möchte ich Sie auf eine Reise in unbekanntere, doch nicht minder schöne Gefilde des Oboenrepertoires mitnehmen – denn es muss nicht immer Mozart sein!« In der Tat: Die Oboenkonzerte des 18. Jahrhunderts von Hoffmeister, Lebrun, Fiala und Koželuh haben es verdient, gehört zu werden. Und dafür könnte wohl kaum jemand besser sorgen als Albrecht Mayer. 

www.albrecht-mayer.de

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