Abschied von Swing-Legende Hugo Strasser

  • 18.03.2016
  • Szene & Leute
  • Klaus Härtel

"Ich will das noch einige Jahre machen", erzählte Hugo Strasser in einem Interview mit der CLARINO. Ängste habe er keine. Da war er 92. Nun ist der Klarinettist Hugo Strasser in seinem Haus in Neukeferloh im Alter von 93 Jahren gestorben.

Beeindruckender Musiker, begnadeter Geschichtenerzähler, brillanter Unterhalter

Bis ins hohe Alter stand Hugo Strasser auf der Bühne, leitete seine Bigband mit Ansagen durchs Programm und gab noch bei fast jedem zweiten Stück ein Solo zum Besten. Der Münchner war geradezu besessen von gut klingenden Tanzmelodien – ein Musiker, der sich mit musikalischer Leichtigkeit in die Herzen von Millionen Fans spielte. Strasser war begnadeter Geschichtenerzähler, brillanter Unterhalter.

Strassers Vater erkannte früh die musikalische Begabung seines fünften Kindes. Sein Sohn Hugo sollte gefördert werden: Bereits als Siebenjähriger durfte er sich als Mundharmonika-Virtuose im Bayerischen Rundfunk vorstellen. Mit 16 Jahren begann er sein Musikstudium an der Akademie der Tonkunst in München. Das Multitalent Strasser konzentrierte sich auf die Klarinette und fand im amerikanischen Jazzmusiker Benny Goodman ein Leitbild.

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich Strasser als versierter Jazzmusiker einen Namen, ausgehend von amerikanischen Clubs in München. "Die Zeit war fantastisch – obwohl alles kaputt war. Wir haben damals legale Arbeit illegal bezahlt bekommen – in Zigaretten, Kaffee, Whiskey." Lange Jahre spielte er Klarinette im Max-Greger-Sextett und wurde so zur musikalischen Legende.

1955 gründete er ein eigenes Tanzorchester, mit dem viele Jahre lang auftrat. Er spezialisierte sich auf Melodien "im strikten Tanzrhythmus". Bald zählte die Gruppe zu den weltweit besten Tanzorchestern. Unzählige Male wurden Strasser und Band für große Bälle – allein den Münchner Chrysanthemenball 61 Jahre in Folge – und internationale Tanzturniere und Fernsehshows gebucht – wenngleich er lachend gestand: "Ich kann nicht tanzen!" Natürlich habe er rhythmisches Gefühl, "aber ich kann es mit den Beinen nicht umsetzen. Ich bewundere die Tänzer und bin froh, dass ich die Musik dazu machen kann."

Auch auf dem Schallplattenmarkt war der Münchner erfolgreich. Allein seine legendäre "Tanzplatte des Jahres" erreichte jährliche Verkaufsauflagen von 300 000 Stück, wovon ein beachtlicher Teil in den swingverwöhnten USA landete. Ein Welterfolg, der im Ohr bleibt: seine Komposition "Lonely Trumpet" mit Ray Anthony.

Bodenständig und humorvoll

Hugo Strasser blieb trotz seiner Erfolge bodenständig und nahbar. Dies und seine humorvolle Art waren neben seiner Musik der Grund für seine Popularität. Er arbeitete mit Profis wie Amateuren – etwa mit der Bigband des Musikbundes von Ober- und Niederbayern – gleichermaßen enthusiastisch zusammen.

Hugo Strasser verfügte nicht nur über einen eindrucksvollen und unvergleichlichen Klarinettenton, sondern auch über einen sehr feinen Humor. Ein Humor, den er nicht einzusetzen scheute, um sich selbst auf den Arm zu nehmen. Er erinnerte sich gerne an zurückliegende Veranstaltungen: "Wenn man zum Bühneneingang kommt, stehen dort ja immer ein paar Leute mit Fotoapparaten davor. In Wuppertal kam mal ein vielleicht zwölfjähriges Mädchen auf mich zu und wollte zehn unterschriebene Autogrammkarten von mir haben. Da war ich natürlich mächtig stolz, unterschrieb und fragte, ob sie die nun verkaufen wolle. Nein, sagte sie, für zehn Swing-Legenden bekomme sie eine Karte von Tokio Hotel." Auch die Koketterie mit dem Alter perfektionierte er stetig. Auf das hohe Alter angesprochen zu werden nervte ihn nie. "Ich hatte ja mehrere Jahrzehnte Zeit, mich daran zu gewöhnen."

Hugo Strasser war ein begnadeter Erzähler, während der Konzerte gab er die ein oder andere Schote zum besten. "Es ist wichtig, mit dem Publikum zu kommunizieren", war seine Devise. Er wolle nicht nur Titel ankündigen. Ob die dargebotenen Geschichten wahr oder falsch waren? Gut waren sie allemal.

Der Swing war sein Leben, die Swing Legenden noch einmal der richtig große Wurf. Die Swing Legenden. 2013 war Paul Kuhn gestorben, im August des letzten Jahres Bandleader Max Greger. Zu dessen Beisetzungsfeier spielte Weggefährte Hugo Strasser an seinem Sarg den Beatles-Hit "Yesterday". Die Swing Legenden sind nun wieder vereint. Ihre Musik wird bleiben.

« zurück