5 Fragen an Walter Ratzek

Seit 2011 gibt es am Konservatorium "Claudio Monteverdi" in Bozen einen eigenen Studiengang für Blasorchesterleitung. Thomas Doss war maßgeblich an dessen Aufbau beteiligt und hat ihn fünf Jahre lang geleitet. Nun wurde der Auftrag neu ausgeschrieben und schließlich Walter Ratzek, dem ehemaligen Dirigenten des Musikkorps der Bundeswehr, übergeben. Wir sprachen mit ihm über seine neue Aufgabe.

Professor Walter Ratzek. Ganz ehrlich: Wie fühlt sich dieser Titel an?

Es fühlt sich noch etwas fremd und neu an. Ich erinnere mich an ein Gastdirigat in Graz, als der Hotelier mich immer wieder mit den Worten begrüßte "Guten Tag, Herr Professor…". Ich hatte ihn über die Tage meines Aufenthalts in diesem Glauben gelassen. Ihm bedeutete der Titel sehr viel, ich sehe dies eher gelassen.

Warum haben Sie sich in Bozen beworben?

Das Konservatorium "Claudio Monteverdi" liegt inmitten einer Blasorchesterhochburg und der Studiengang hat sich unter meinem Vorgänger Thomas Doss über Jahre etabliert. Er wird auch ganz offenkundig vom Institut wie auch dem Südtiroler Blasmusikverband getragen und unterstützt. Ein weiteres Argument war für mich, dass ich gemeinsam mit meinen Studierenden die übers Jahr zu leistenden Unterrichtsstunden frei einteilen kann. Die Unterrichtssprache ist zudem Deutsch. Ganz nebenbei hat auch die Landschaft ihre Reize und man versteht einen "Schwaben" – man grüßt sich mit "Grüß Gott".

Wie würden Sie Ihre "Dirigierphilosophie" beschreiben, und werden Sie diese den Studierenden mit auf den Weg geben?

Mir geht es um die Musik, um die Zwischentöne, um das, was nicht notiert werden kann. Fragen – wie erreiche ich das ­Publikum, wie richte ich die Aufmerksamkeit auf die Musik, wie provoziere ich das Zuhören und Hinhören – werde ich versuchen, mit meinen Studierenden zu ergründen.

Das Dirigierhandwerk ist einer Sprache vergleichbar. Um beim Vergleich zu bleiben: Was nutzt ein großes Vokabular, eine ausgefeilte, akzentfreie Aussprache, wenn man nichts zu sagen hat? Beides muss also ausgebildet werden, wobei das Eigentliche eines Dirigenten nicht im sichtbaren "Wedeln" und Taktschlagen liegt. Dies allein lässt sich relativ schnell korrigieren.

Was sind Ihre Pläne in Südtirol? Wie sehen Sie Ihre neue Aufgabe?

Ich möchte für die Blasmusik als eine eigenständige Kunstform werben und unseren kulturellen Hintergrund deutlicher berücksichtigen.

Wie sieht das Studium Blasorchesterleitung in Bozen aus?

Neben dem Hauptfach Dirigieren gibt es einen breiten Fächerkanon an Neben- und Zusatzfächern – vergleichbar dem eines klassischen Kapellmeisterstudiums. Die Möglichkeiten, in Bozen Blasorchesterleitung zu studieren, darf ich kurz vorstellen:

  • als ein dreijähriges Vollzeitstudium (anders als in Deutschland mit nur jeweils einer vierwöchigen Sommerpause); Abschluss: akademisches Diplom
  • als ein Teilzeitstudium mit der Möglichkeit, die Studienzeit auf bis zu sechs Jahre auszudehnen; Abschluss: akademisches Diplom
  • als eine altersunabhängige Fortbildungsmaßnahme, nach Zulassungsprüfung; Abschluss: Teilnahmebestätigung

Zum guten Schluss darf ich schon einmal auf die nächsten Aufnahmeprüfungen im Mai 2017 hinweisen. Ich freue mich auf jeden jungen wie jung gebliebenen Studierenden.

cons.bz.it

  • 07.02.2017
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  • Klaus Härtel

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